10.01.2017 Bad Griesbach

Neu: Abgeordnete und Landräte beider Landkreise dabei

Landkreisübergreifender Jägerstammtisch in Einöden hat jahrelange Tradition

Eine hochkarätige Besetzung beim landkreisübergreifenden Jägerstammtisch in Einöden (v.l.): Europa Unions-Vorsitzender Konrad Kobler, Robert Kugler (Kreisgruppe Pfarrkirchen), MdL Walter Taubeneder, Bürgermeister Jürgen Fundke, MdL Reserl Sem, Hegeringleiter Fritz Frankenberger, Axel Kuttner (Kreisgruppe Eggenfelden), ehem. Kreisgruppen-Vorsitzender Dr. Brar Piening, Landrat Franz Meyer (Passau), stellv. Kreisgruppen-Vorsitzender Martin Krautstorfer, Albert Rossmeier (Kreisgruppe Griesbach), Landrat Michael Fahmüller (Rottal-Inn), Jagdvorsteher Josef Bremberger, Ernst Gerauer (Kreisgruppe Passau) und Diakon Georg Hifinger.
Foto: Bernkopf
Der landkreisübergreifende Jägerstammtisch in Einöden bei Weng hat schon viele Jahre Tradition.

Neu war in diesem Jahr, dass Landtagsabgeordnete, Landräte und Kreisgruppenvorsitzende aus beiden Landkreisen vor Ort waren. Die hochkarätig besetzte Runde aus Passau und Rottal-Inn diskutierte über die geplante EU-Feuerwaffenrichtlinie, Abschusspläne, Biber, Wolf, Wildunfälle und den Rückgang des Niederwildes.

 

Der große Jägerstammtisch zeigt seit Jahren eine enorme Resonanz. So viele Politiker aus den beiden Landkreisen waren allerdings noch nie dabei. Der 2. Vorsitzende der Kreisgruppe Griesbach, Martin Krautstorfer, begrüßte neben den Waidmännern besonders Diakon Georg Hifinger, die Abgeordneten Reserl Sem und Walter Taubeneder, die Landräte Franz Meyer (Passau) und Michael Fahmüller (Rottal-Inn), Bad Griesbachs Bürgermeister Jürgen Fundke, den ehemaligen Landtagsabgeordneten Konrad Kobler, die Kreisgruppen-Vorsitzenden Albert Rossmeier (Griesbach), Ernst Gerauer (Passau), Robert Kugler (Pfarrkirchen) und Axel Kuttner (Eggenfelden) sowie Jagdvorsteher, Ausbilder und Hegeringleiter.

 

„Schön, dass beim traditionellen Jägerstammtisch in Einöden buchstäblich alle an einem Tisch sitzen: Jäger, Grundstückseigentümer, Waldbesitzer, Landwirte und die Politik“, stellte Bürgermeister Jürgen Fundke fest. Die hochkarätige Besetzung zeige den hohen Stellenwert der Veranstaltung.

 

Das Treffen wird traditionell dazu genutzt, aktuelle Jagdthemen zu diskutieren. So sprach Krautstorfer zunächst den massiven Rückgang des Niederwildes an. „Unsere Kreisgruppe fördert den Kauf von sog. Wildrettern, einem akustischen Warngerät, das junge Hasen und Kitze aufscheuchen und retten soll. Das geht von der Aufarbeitung der Mulchsaat bis hin zum mehrmaligen Mähen“, berichtete er über die Initiative der Kreisgruppe. „Eigentlich sollte das zur Standard-Ausstattung eines Schleppers gehören.“

 

Hilfe gibt es auch vom Freistaat, wie MdL Walter Taubeneder erklärte: „Im Rahmen von KuLaP und Vertragsnaturschutzprogramm sollen die Lebensbedingungen vom Niederwild verbessert werden.“ Im Haushalt 2017/2018 wurden die Mittel für das KuLaP um 64 Millionen Euro auf insgesamt 520 Millionen Euro aufgestockt. Als Mitglied im Agrar-Ausschuss berichtete Taubeneder von zwölf Anträgen, die 2016 erörtert wurden.

 

Durch die bestehende Biberregulierungskommission werden im Landkreis Passau derzeit viel mehr Anträge gestellt und Abschüsse durchgeführt als im Landkreis Rottal-Inn. „Unterstützen Sie uns, indem Sie Anträge stellen“, bat Landrat Michael Fahmüller. „Das werden wir so an unsere Jagdgenossen weitergeben“, versprach Hegeringleiter Fritz Frankenberger, „dann geht das auch bei uns problemlos über die Bühne.“

 

Dass nach der Biberproblematik nicht eine Wolfproblematik folgen dürfe, dafür sprachen sich die Anwesenden einstimmig aus. MdL Walter Taubeneder befürchtete eine „nicht absehbare Entwicklung“, Martin Krautstorfer wünschte sich „Realität vor Ideologie“ und Konrad Kobler forderte: „Es darf nicht dazu kommen, dass die Säuberung der Reviere in Zukunft die Wölfe übernehmen.“

 

Ein Thema stand besonders im Mittelpunkt: Nach dem Terror-Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt war die Debatte um die geplante EU-Feuerwaffenrichtlinie wieder aufgeflammt. Die EU erwägt, das Waffenrecht zu verschärfen, wovon auch die legalen Waffenbesitzer wie Jäger und Schützen betroffen wären.

 

Der ehemalige Abgeordnete und Europa-Unionsvorsitzende Konrad Kobler hatte dazu mit Experten aus Jagd- und Schützenverbänden eine Resolution an Brüssel geschickt und sich auch neuerdings mit Manfred Weber, dem Vorsitzenden der EVP-Fraktion, in Verbindung gesetzt. „Eine weitere Verschärfung der EU-Feuerwaffenrichtlinie gegenüber den legalen Waffenbesitzern muss als reine Schikane gewertet werden“, so der ehemalige Abgeordnete.

 

Darin pflichtete auch MdL Reserl Sem bei: „Bei Jägern und Schützen ist doch keine kriminelle Energie dahinter.“ Deutschland habe bereits eines der schärfsten und effektivsten Waffengesetze und eine weitere Reglementierung bringe keine größere Sicherheit für die Bevölkerung. „Der Terror von Kriminellen ist das Problem. Es sind nicht die Jäger, Sport- und Brauchtumsschützen.“

 

Handlungsbedarf sahen die Politiker eher in einem viel engeren Umfeld, z. B. wenn es darum geht, Mensch und Wild im Straßenverkehr zu schützen. „Rottal-Inn ist der Landkreis mit den meisten Wildunfällen. 2000 Wildunfälle machen die Hälfte aller Verkehrsunfälle aus“, legte Landrat Michael Fahmüller dar. Als Schutz für Tier und Mensch sah Konrad Kobler nur eine Lösung: Wildschutzzäune an allen stark befahrenen Straßen. Im Bund gibt es nach seinen Worten jährlich über 300.000 Wildunfälle, davon 2.400 Schwerst-Unfälle und an die 50 Unfälle mit Todesfolgen. „Da gibt es noch viel zu tun“, stellte er in Aussicht.

 

Was bereits erfolgreich gelaufen ist, auch darüber wurde berichtet: MdL Taubeneder betonte, dass der bewährte Einsatz der Wildlebensraum-Berater bis 2021 verlängert sei und Landrat Franz Meyer berichtete über den Kreisverkehr an der Parzhamer Kreuzung, der in diesem Jahr gebaut wird. Er sprach auch die Konfiskat-Sammelstellen an, die der Landkreis 2016 eingerichtet hatte. „Die Kosten für die Errichtung der Behälter sowie die Entsorgung der Schwarzwildabfälle übernehmen wir komplett.“ Stolz zeigte sich der Landrat auch, dass in den 219 Revieren keine einzige Festsetzung für die Abschusspläne notwendig war.„Miteinander reden, Kompromissbereitschaft und Verständnis haben erneut zu einer großen Geschlossenheit von Jägern, Grundstücksbesitzern und Waldbauern geführt“, so Meyer.

 

Das gemeinsame Auftreten der beiden Landräte zeige auch die enge Zusammenarbeit der beiden Landkreise. Als Beispiele nannte Meyer die Flüchtlingsthematik, das Hochwasser 2016, den Bau der A94 und die Kooperation der Landkreis Passau Gesundheitseinrichtungen mit dem Krankenhaus Eggenfelden für die künftige Geburtshilfe in Rotthalmünster.

 

„Eng zusammenarbeiten und bei Veranstaltungen wie dem Stammtisch viel miteinander reden, das bringt uns weiter“, unterstrich Hegeringleiter Fritz Frankenberger. Vielleicht könne sich der Landkreis Rottal-Inn auch etwas von seinem Passauer Nachbarn abschauen. Wünschenswert wäre nach seinen Worten das vereinfachte Verfahren bei der Verkehrssicherungspflicht oder die einfachere Regelung beim Abschuss von Ringeltauben.

 

Zum Abschluss brachte Ernst Gerauer, Vorsitzender der Kreisgruppe Passau noch einen letzten Punkt ein: „Zwischen Jägern und Landwirten gibt es oft Meinungsverschiedenheiten.“ Um gemeinsam an einem Strang zu ziehen, wurde vor acht Jahren die Arbeitsgemeinschaft „Jagende Land- und Forstwirte“ in Bayern gegründet. Ein Schulterschluss von Jagd- und Bauernverband sei spätestens dann gefordert, wenn Jagdgesetze auf Landes- und Bundesebene novelliert würden, blickte Gerauer, der zugleich Vorsitzender der Arge ist, nach vorn. „Wir müssen zusammenarbeiten und dürfen uns nicht gegenseitig das Leben schwer machen. Nur so können wir etwas erreichen.“
 

Autor: pm/jg

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