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21.09.2012 Passau

Nach „Pharisäer"-Aussage

Frankenberger entschuldigt sich beim Bischof!

Sebastian Frankenberger als Ministrant
Foto: Archiv/Reitmeier
„Wenn Jesus heute leben würde, würde er ihn als Pharisäer bezeichnen und aus der Kirche rausschmeißen." Dieser Satz von Sebastian Frankenberger über Passaus Bischof Wilhelm Schraml auf ZDFkultur hat für jede Menge Wirbel gesorgt und dem ÖDP-Chef innerparteiliche Kritik eingebracht. Gegenüber pawo.de meinte Frankenberger am Freitagvormittag: „Ich wollte Bischof Schraml nicht beleidigen oder verletzen. Falls das so ist, tut es mir leid. An meiner sachlichen Kritik halte ich allerdings fest."

Laut Lokalzeitung ist die öffentliche Empörung über Sebastian Frankenbergers Aussage groß: Zahlreiche ÖDP-Mandatsträger äußerten sich negativ über seine öffentliche Bischofskritik, die er am Wochenende bei „Roche & Böhmermann" (hier kann man sich die Sendung anschauen, ab 17 min. 10 sek.) vom Stapel gelassen hatte. Die harsche Kritik von seinen ÖDP-Parteikollegen will der Bundesvorsitzende „intern klären".

 

Er betonte gegenüber pawo.de: „Ich habe diese Aussagen nicht als Bundesvorsitzender der ÖDP gemacht, sondern als kirchlich engagierter Mensch, der den Finger in die Wunde legt. Zudem habe ich nicht den katholischen Glauben kritisiert, sondern einen Funktionsträger." Frankenberger sagt auch: „Ich habe über alle möglichen Kanäle jede Menge an absolut positivem Feedback erhalten!" Kein Wunder: Es ist noch nicht allzu lange her, dass zahlreiche Gläubige in Passau gegen den Bischof demonstrierten.

 

Den Ausdruck „Pharisäer" versteht Frankenberger nicht als Schimpfwort. Er verweist darauf, dass diese laut Jesus Würdenträger seien, denen die breiten Borten an den Gewändern wichtiger seien als Barmherzigkeit. Der ÖDP-Chef: „Ich wollte Bischof Schraml nicht beleidigen oder verletzten. Es tut mir leid, falls es so ist. Ich halte allerdings an meiner sachlichen Kritik fest."

 

Er will Passaus Kirchenoberhaupt jetzt einen Brief schreiben und bietet Schraml ein persönliches Gespräch unter vier Augen an, um seine Aussagen zu erklären. „Ich sag ihm immer wieder die Meinung", hatte der Passauer Politiker noch in der Sendung gesagt. Es wäre allerdings laut Frankenberger tatsächlich das erste Gespräch mit dem Bischof! „Wir haben bislang persönlich noch nie ein Wort miteinander gewechselt", bekennt er gegenüber pawo.de.

 

Die erste Reaktion von Seiten der Kirche sei allerdings wenig vielversprechend gewesen: Einen Tag nach seiner TV-Kritik wurde ihm per Brief untersagt, weiterhin als Kommunionhelfer und Lektor in St. Paul tätig zu sein. Diese Funktionen übt Frankenberger übrigens auch in seiner Heimatpfarrei Auerbach aus, wo bislang noch kein „Kirchenbann" über den bekennenden Christen ausgesprochen worden sei. „Ich möchte gerne an Weihnachten ministrieren und mich dort weiterhin engagieren", betont er. „Sollten allerdings auch hier Repressalien folgen, könnte es durchaus sein, dass ich mein kirchliches Engagement Richtung Linz verlagere."

 

 

Die umstrittene TV-Aussage im Wortlaut:

 

Der Moderator: „Findest du nicht, dass die katholische Kirche ähnlich– die Evangelische übrigens auch –  in das Leben von Leuten eingreift und ihnen ähnlich schadet wie – sagen wir mal – der gemeine Raucher, auf einer ganz anderen und perfideren Art und Weise? Die machen ja Leben ganz anders kaputt!"

 

Frankenberger: „Also, das stimmt, dass die katholische Kirche viele Probleme hat und ich würde es auch immer wieder sagen, dass mein Bischof, wenn Jesus heute leben würde, würde er ihn als Pharisäer bezeichnen und aus der Kirche rausschmeißen, weil diese Gesetzestreue, nicht mehr am Menschen dran zu sein, das ist schrecklich. Die Menschen versuchen, nur an Machtstrukturen festzuhalten und überhaupt nicht mehr zu überlegen: Was heißt es eigentlich, was Jesus uns mit auf dem Weg gegeben hat, immer wieder die Liebe und Gnade Gottes..."    

(Frankenberger wird vom Moderator unterbrochen.)

Autor: Martin Reitmeier