28.09.2017 Passau

Premiere „Die Welt auf dem Monde“

Farbenfroher Haydn mit „Äktschn“

Farbenfrohe Inszenierung mit (v.l.) Mark Williams (Ecclitico), Maria Pitsch (Clarice), Reinhild Buchmayer (Lisetta), Peter Tilch (Cecco), Emily Fultz (Flaminia), Sabine Noack (Ernesto), Kyung Chun Kim (Buonafede).
Foto: Peter Litvai
Premiere „Die Welt auf dem Monde“ am Stadttheater Passau

Haydn und Opern? Bei Haydn fallen einem sofort Streichquartette, Messen und Oratorien ein, und natürlich unsere Nationalhymne. Aber Opern?


Und doch, Haydn schrieb in seiner Schaffenszeit auch mehr als ein Dutzend Opern. Am vergangenen Wochenende wurde nun die neue Spielzeit am Landestheater im Fürstbischöflichen Opernhaus Passau mit einer der bekannteren der unbekannten Opern Haydns eingeläutet, der komischen Oper Die Welt auf dem Monde.


Uraufgeführt wurde diese 1777 auf Schloss Eszterháza im heutigen Ungarn. Zur Aufführung kam in Passau die deutschsprachige Fassung, die sich in den vergangenen Jahrzehnten weitestgehend auf den deutschsprachigen Bühnen durchgesetzt hat.


Typisch verworrene Opera buffa-Handlung


Für die aktuelle Inszenierung wurde der international erfolgreiche Opernregisseur Aron Stiehl an das Landestheater geholt. Bühne und Kostüme stammen von Franziska Jacobsen.


Zur Handlung: Buonafede hat zwei heiratswillige Töchter, lehnt aber deren Hochzeit kategorisch ab. Die potenziellen Schwiegersöhne ersinnen daraufhin eine List, um ihn umzustimmen. Sie versprechen ihm eine Reise zum Mond, knöpfen ihm eine Menge Geld dafür ab und setzen ihn unter Drogen … Es ist eine typisch verworrene Handlung für eine Buffa-Oper, der ohne Studium des Leporellos kaum zu folgen war. Da war auch die deutsche Textfassung wenig hilfreich.


Es scheint tatsächlich unmöglich die verquere Handlung in einen zeitgemäßen Kontext zu transferieren. Umso anerkennenswerter ist in diesem Zusammenhang die Intention des Regisseurs, die Oper wenigstens durch bewusste Reduktion der zahlreichen Rezitative und anderer „Längen“ zu entschlacken. Herauskam ein Werk mit noch zweieinhalb Stunden Spielzeit. Vor allem dem ersten Akt hätte die noch radikalere Anwendung dieser Vorgehensweise nicht geschadet.


Die Niederbayerische Philharmonie unter der musikalischen Leitung von Margherita Colombo war reduziert auf Barockorchestergröße und bot eine vorwiegend heiter-geschliffene Musik dar. Auf den Einsatz des Opernchores wurde bewusst verzichtet und die Rezitative wurden von der Kapellmeisterin am Cembalo begleitet.


Im ersten Akt spielte die Handlung noch in einer Sternwarte, im zweiten Akt ging sie über in eine fiktive Mondlandschaft. Die Inszenierung war farbenfroh und gespickt mit „Äktschn“: Licht aus – Licht ein, Sänger ins Publikum – Sänger zurück auf die Bühne, Putzfrau vor der Aufführung im Zuschauerraum; gehört das schon zur Inszenierung? – Putzfrau auf der Bühne; ja! Handlung auf der Bühne – Handlung vor dem geschlossenen Vorhang, Anspielungen auf „ET“ (nach Hause telefonieren) und (T)Raumschiff Surprise (Spucky), Tanzchoreografien zu Pop-Songs (Makarena). Alle dies sorgte für Amüsement und Szenenapplaus.


Die hoch motivierten Sängerdarsteller machten all die Regieeinfälle wacker mit und konnten musikalisch überzeugen. Das Bühnenseptett setzte sich aus bekannten Stimmen, Neuzugängen und Rückkehrern zusammen: Im Mittelpunkt stand der einfältige, mondbegeisterte und von der Damenwelt überforderte Buonafede, den Kyung Chun Kim mit Kavalierbariton ausstattete.


Er wurde gefoppt vom geschäftstüchtigen Astronomen Eccliticus, den der Neuzugang aus den Vereinigten Staaten, Mark Watson Williams, mit markantem Tenor charakterisierte.


Die gebürtige Landshuterin Maria Pitsch war schon in Wiener Blut zu sehen und kehrte jetzt als kesse Clarice mit auftrumpfendem Sopran auf die Bühne des Landestheaters zurück. Die zahmere Flaminia wurde von Emily Fultz mit blitzenden Koloraturen ausstaffiert. Ebenso überzeugend waren Sabine Noack in einer „Hosenrolle“ als Ernesto, Peter Tilch als Cecco und, ebenfalls als Neuzugang am Theater, die Salzburgerin Reinhild Buchmayer als kecke Lisetta.


Weitere Termine: 03./04.11.; Karten unter: 0851/9291913, theaterkasse@passau.de

Autor: Gerhard Stoiber

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