04.10.2017 Passau

Kein Anstand unter dieser Nummer

EuroMillions: Fiese Abzocke am Telefon – ich hab’s erlebt!

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Anruf-Terror bei PaWo-Redakteurin - der Verbraucherservice gibt Tipps, was bei solchen dubiosen Anrufen zu tun ist.

Man kennt sie: Anrufer, die einen Gewinn versprechen, obwohl man sich an keinem Gewinnspiel beteiligt hat; Amtsmitteilungen, die zur Zahlung auffordern und sich bei (sehr) genauem Hinsehen als Fälschung entpuppen; oder auch Psycho-Anrufe, die zur Zahlung für ein Gewinnspiel oder eine Lotterie auffordern, an denen man nie teilgenommen hat. Auch mir ist das passiert!


Schon seit Wochen waren auf meiner privaten Anrufliste Telefonnummern aufgeführt, mit denen ich nichts anfangen konnte. Ein Rückruf war nicht möglich, also habe ich sie gelöscht und mir nichts weiter dabei gedacht. Bis ich dann eines Tages persönlich den Anruf – irgendwas mit einer 02-Vorwahl – entgegennahm.


Am anderen Ende der Leitung meldete sich eine ältere Dame. Sie teilte mir mit, dass ich bei EuroMillions mitgemacht habe und nun eine Jahresgebühr in Höhe von 800-irgendwas Euro fällig wäre. Mein Fehler: Dass ich mich überhaupt auf ein Gespräch eingelassen habe.


Tatjana Brand
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Tatjana Brand
Mein Argument, dass ich mich grundsätzlich nicht an irgendwelchen Gewinnspielen beteilige, wurde damit abgeschmettert, dass ich im Internet wohl irgendwelche AGB nicht richtig durchgelesen und einen Klick gesetzt hätte. Habe ich nicht! Aber wie sollte ich das beweisen? Nach etwa zehn Minuten legte die Dame dann auf – und ich atmete erleichtert auf. Sorgen machte ich mir trotzdem.


Einige Stunden später klingelte das Telefon wieder – eine Nummer mit Münchner Vorwahl. Ich nahm ab. Diesmal war ein jüngerer Mann am Telefon. EuroMillions! Wieder ließ ich mich (wie blöd!) in ein Gespräch verwickeln. Der junge Mann war einige Nummern härter als meine vorige „Gesprächspartnerin“. Ich müsse 800-irgendwas Euro zahlen oder gleich kündigen. Im Fall einer Kündigung wären aber immer noch dreimal 96 Euro fällig.


In meinem Kopf kreisten die Gedanken, während der Mann weiter redete: „Ich tue Ihnen da einen Gefallen, eigentlich dürfte ich das nicht… Ein Mann ging mal vor Gericht. Er verlor! Sie haben da keine Chance“. Der EuroMillions-Typ wusste den Namen meiner Bank und sagte mir die ersten vier Ziffern meiner Kontonummer – ich war geschockt. Ich sollte diese jeweils „nur“ mit einem „Ja“ bestätigen.


„Der leere Akku hat mich quasi ‚gerettet‘!“


Zum Glück war der Akku meines schnurlosen Telefons fast leer, piepste ständig dazwischen, sorgte für Gesprächsaussetzer und eine willkommene Gesprächspause. „Ich rufe Sie in zehn Minuten wieder an“, „drohte“ mein penetranter Gesprächspartner.


Ich nutzte die Gunst der Minuten, rief meinen Anwalt an und war danach beruhigt – so einigermaßen. Als das Telefon nach zehn Minuten wirklich klingelte, ging ich nicht ran. In der Nacht lag ich dennoch lange wach.


Am nächsten Tag ließ ich die beiden Terror-Nummern von der Telekom sperren. Die können mich nun nicht mehr belästigen – zumindest so lange nicht, bis EuroMillions die Nummern ändert. Am Abend bimmelte mein Telefon wieder – Vorwahl 089. Ich ging ran und atmete auf: ein mir namentlich bekannter Anbieter von Tiefkühl-Produkten. Ich war noch nie so froh, den am anderen Ende der Leitung zu haben!


Unter dem Suchwort „EuroMillions“ findet man im Internet eine Menge. Etwa auch: „Betrugsfälle bei EuroMillions – Telefon: „Ein ,Lotteriebeamter‘ ruft das mögliche Opfer an, um die ‚gute Nachricht‘ zu verkünden, und versucht eine Bearbeitungsgebühr und/oder die Bankverbindung aus dem Opfer herauszubekommen, solange dieses noch überrascht ist.“ Die Masche läuft aber ebenso gut per Brief oder E-Mail.


„Ein Anruf ohne Zustimmung ist unerlaubte Werbung und damit verboten“, informiert Maria Sangl vom Verbraucherservice Bayern in Passau und rät, sich im Zweifelsfall unter der Internetadresse www.bundenetzagentur.de zu informieren.


Aber sie kann viele „Opfer“ beruhigen: Ohne Unterschrift geht nichts und: Ein „Ja“ am Telefon ist nicht gültig als Vertragsabschluss. Und Maria Sangl gibt „Erste Hilfe“-Tipps: „Jeder hat ein zweiwöchiges Rücktrittsrecht. Also nicht einschüchtern lassen, diese Leute sind auf genau solche ‚Psycho-Spielchen‘ geschult. Außerdem sollte man seine Kontoauszüge regelmäßig prüfen, da Kontonummern zum Teil illegal gehandelt werden.“ Übrigens: Ein solches Vorgehen kann wegen Irreführung und Täuschung geahndet werden.


Nachtrag: Vergangenes Wochenende bimmelte wieder das Telefon – eine 0151...-Nummer. „Wir wollen Sie fragen, warum Sie nicht gekündigt haben…“. Ich habe einfach aufgelegt und hoffe, dass der Telefonterror endlich ein Ende hat.


Weitere Infos zum Thema gibt es z. B. unter www.techfacts.de.

 

Dubiose Anrufer: Das rät der Verbraucherservice!

Gegen den Telefonterror ist man keinesfalls machtlos. Maria Sangl vom Verbraucherservice Bayern in Passau rät in solchen Fällen: „Unerlaubte Telefonanrufe (cold calls) sind ohne die vorherige Zustimmung von Verbrauchern verboten. Fragen Sie den Anrufer:


– Wer ruft an? Mit wem spreche ich? Wie ist Ihr Name? Für welches Unternehmen rufen an?
– Was ist der Grund Ihres Anrufes?
– Notieren Sie sich Rufnummer, Datum und Tageszeit des Anrufes
– Legen Sie auf, falls Sie keine Antwort erhalten
– Melden Sie bei telefonischen Belästigungen die Rufnummer an die Bundesnetzagentur
– Geben Sie Ihre Telefonnummer nur an vertrauenswürdige Personen weiter
– Nicht in ein Gespräch verwickeln und in ein Vertragsverhältnis locken lassen
– Nicht von Drohungen der Anrufer unter Druck setzen lassen


Ein wirksamer Vertragsschluss bei Gewinnspielfirmen ist erst möglich, wenn der Vertrag schriftlich, per Fax oder per E-Mail geschlossen wird. Am Telefon ist ein Vertragsschluss nicht mehr ausreichend. Wichtig: Diese Regelung gilt nur für Gewinnspieldienste. Bei anderen Verträgen, z. B. Versicherung oder Zeitschriften, ist ein am Telefon geschlossener Vertrag nach wie vor wirksam. „Wenn der Verbraucher keinem Vertrag zugestimmt hat, sollte er die Forderung zurückweisen, vorsorglich den Vertrag widerrufen und hilfsweise anfechten wegen arglistiger Täuschung“, informiert Sangl. Einen entsprechenden Musterbrief findet man unter: http://www.verbraucherservice-bayern.de/vsb-news/download-und-musterbrief


Weitere wichtige Punkte zum Verhalten:

– Keine Zusagen am Telefon
– Niemals einen geforderten Betrag einem unbekannten Empfänger überweisen, um z. B. einen angeblichen Gewinn zu erhalten.
– Regelmäßig die Kontoauszüge überprüfen und unberechtigte Abbuchungen sofort bei der Bank zurückbuchen lassen. Eventuell Anzeige bei der Polizei
– Persönliche Daten nur sehr sparsam weitergeben. Fragen Sie nach!
– Wichtig: Lesen Sie bei der Teilnahme an Gewinnspielen und Lotterien das „Kleingedruckte“ sorgfältig durch.


Bei weiteren Fragen kann man sich an die Passauer Beratungsstelle des VerbraucherService Bayern im KDFB wenden: Tel. 0851/36248.

Autor: Tatjana Brand

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