04.10.2017 Passau

PaWo-Interview mit Halo Saibold:

Eine Welt ganz ohne Fleisch-Esser – tut denn das wirklich not?

Kochen Essen Herd
Foto: 123rf.com
PaWo-Interview mit Halo Saibold zum Dokufilm „The End of Meat – Eine Welt ohne Fleisch“

Wie wäre wohl eine Zukunft ohne Fleisch? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Dokumentarfilm „The End of Meat – Eine Welt ohne Fleisch“ von Regisseur Marc Pierschel. Der Filmemacher setzt sich mit den Auswirkungen unseres hohen Fleischkonsums auf uns und unsere Umwelt auseinander und zeigt, welche Vorteile eine rein pflanzliche Ernährung mit sich bringt.


Am Donnerstag, 12. Oktober, können Interessierte bei der Filmvorführung im Scharfrichter Kino (19 Uhr) ins Gespräch mit Halo Saibold kommen. Die PaWo sprach vorab mit der überzeugten Vegetarierin und Passauer Kreisrätin (Bündnis 90/Die Grünen).

 

Halo Saibold
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Halo Saibold
Seit wann ernähren Sie sich vegetarisch und warum?

Vor etwa 35 Jahren habe ich meine Ausbildung zur Gesundheitsberaterin begonnen und aus Vernunftsgründen versucht, vegetarisch und vollwertig zu leben. Nach etwa zehn Tagen bemerkte ich bereits einige Veränderungen: Ich war geistig rege, sprühte vor Energie – und stank nicht mehr am Klo!


Dies überzeugte mich erst einmal und ich blieb dabei. Allerdings wurde ich keine „Pudding-Vegetarierin“, die alles gleich lässt, nur auf Fleisch verzichtet. Ich stieg auf Vollkornprodukte, Gemüse und Obst um. Heute ist es etwa so, dass wir zirka 10 Prozent Fleisch und Wurst essen – im Jahr. Denn ein Bio-Schinken oder ein Bio-Hähnchen kann schon etwas Tolles sein, wenn man’s nicht selbst schlachten muss!

 

Vision: Wie wäre eine Zukunft ohne Fleisch?

Nun, ganz ohne muss nicht sein – aber auf jeden Fall gäbe es ein besseres Leben für die Tiere, keine Probleme mit dem Grundwasser, genügend Nahrung für alle auf der Welt, keine weiteren Abholzungen der Tropenwälder für Sojaanbau etc. und die zivilisatorisch bedingten Krankheiten würden minimiert, siehe China-Study u.a.

 

Und was ist mit dem Argument, dass es zu wenig Anbauflächen gibt für eine weltweit vegetarische/vegane Ernährung?

Dieses Argument stimmt einfach nicht! Die UN-Welternährungs-Organisation FAO sagt in ihren Berichten, dass genügend pflanzliche Lebensmittel für 10 Milliarden Menschen erzeugt werden können. Ganz Indien und große Teile von China haben bisher vegetarisch gelebt – problematisch wird es, wenn unser westlicher Ernährungsstil nachgeahmt wird. Die ersten Auswirkungen sind bereits bemerkbar: Krebsraten und Übergewicht steigen bereits in den sogenannten Aufsteiger-Ländern.


Welche gesundheitlichen Vorteile hat die vegane Ernährung?

Nun, man kann vegan leben, man muss es aber nicht. Es gibt viele gute Gründe dafür, aber aus gesundheitlicher Sicht muss man nicht auf alle tierischen Produkte verzichten.

 


Konsum von tierischem Eiweiß reduzieren

 

Auf jeden Fall werden die Lebensmittel von Veganern ganz bewusst ausgewählt und allein durch die Vermeidung von tierischem Eiweiß sind große gesundheitliche Vorteile zu erwarten. Und allein das Bewusstsein, kein Tier zu missbrauchen oder ihm gar zu schaden, dabei auch die Umwelt zu schonen und bestimmt nicht auf Kosten der Menschen in den südlichen Ländern zu leben, ist sicher sehr befriedigend und damit auch gesundheitsfördernd. Problematisch wird es für mich, wenn bei der veganen Ernährung viele industriell bearbeitete Produkte verwendet werden. Denn Soja-Milch, Soja-Butter, auch Tofu und viele andere Produkte sind keine vollwertigen Lebensmittel; sie wurden zerteilt, neu zusammengesetzt, es sind keine echten „Lebensmittel“.


Welche Krankheiten fußen auf unserem Fleischkonsum?

Es ist ja nicht nur der hohe Fleischverzehr – es geht generell um tierisches Eiweiß! Wir befinden uns in einem „Eiweiß-Mastprogramm“, bedenkt man, dass neben Fleisch und Wurst auch noch eine Unmenge an Joghurt, Quark, Milch, Käse und andere Produkte, gegessen werden. Oft hilft mir die Frage: „Was wurde früher davon gegessen?“, um wieder ein richtiges Maß zu erhalten.


Offiziell anerkannt sind Dickdarmkrebs und andere Krebs-Arten, Herz-Kreislauferkrankungen, Gicht – um die wichtigsten zu nennen. Aber auch Rheuma, Migräne, manche Erkältungen, Autoimmunkrankheiten sind darauf zurückzuführen. Das Schlimmste ist aber, dass unser ganzer Stoffwechsel durcheinandergerät und insbesondere unser Immunsystem nicht mehr gut funktioniert. Es gibt einen hochinteressanten Film: „Gabel statt Skalpell“, den ich allen empfehlen kann!

 

Was ist Ihr fleischloses Lieblingsgericht?

Mit Salat befüllte Vollkorn-Pfannkuchen oder auch Zucchini-Pflanzerl mit Dip und Börek (Teigtaschen mit Spinat und Feta!).
Als Festtagsessen gibt es bei uns einen Gerstenring mit Paprikagemüse – natürlich mit einer großen Schüssel Salat als Vorspeise!

Autor: Tatjana Brand

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