12.04.2017 Passau / Hofkirchen (OÖ)

Burg-Freunde retten die Ruine

Die Burgruine Falkenstein: Gemeinsam retten, was geht!

Die Burg-Freunde um Stadtfuchs Matthias Koopmann (hinten 5. v. l.) opfern ihre Wochenenden zur Rettung der ehemals majestätischen oberösterreichischen Burgruine Falkenstein.
Foto: Privat
Freiwillige treffen sich seit sechs Jahren zur Rettung der Burganlage.

Schon seit rund 880 Jahren thront die Burg Falkenstein (an der Ranna) hoch oben auf einem Fels. Erst majestätisch, dann idyllisch, jetzt in die Jahre gekommen. Doch der erstmals 1140 urkundlich erwähnte Adelssitz droht zu verfallen. Deshalb opfern Mitglieder eines von Passauer Stadtfuchs Matthias Koopmann in Zusammenarbeit mit Hofkirchens Bürgermeister Martin Raab ins Leben gerufenen freiwilligen Helferprojekts immer mal wieder freiwillig ein Wochenende zur Rettung von Burg Falkenstein – oder eben von dem, was noch von der einst so majestätischen Burg übrig ist. Denn, so heißt es in dem Projekttitel „Bürger retten Burgen – Sanierungszentrum Falkenstein“: „Sowohl in Deutschland wie in Österreich ist aktuell ein dramatisch beschleunigter Verfall von Burgruinen festzustellen. In den nächsten Jahren ist ein zunehmender Anstieg der Totalverluste zu erwarten. Privaten Eigentümern, staatlichen und kommunalen Einrichtungen fehlen ausreichende Mittel, um der negativen Entwicklung effektiv und nachhaltig zu begegnen.“


Historische Ansicht der Burg Falkenstein.
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Da dem begeisterten Engagement ehrenamtlicher Ruinen- sanierer aber allzu oft fehlende Fachkenntnisse und Erfahrungen im Umgang mit historischem Mauerwerk, Werkstoffen und Baubefunden gegenüberstehen, hat sich der Passauer Stadtfuchs, Stadtrat, Prähistoriker und Kulturkurator Matthias Koopmann der Rettung der Burgruine Falkenstein verschrieben. Und er ist nicht alleine! Zahlreiche freiwillige Helfer packen mit an. Matthias Koopmann erzählt: „In der siebenjährigen Laufzeit des Projekts haben sich bisher rund 70 freiwillige Helfer aus Passau, Vilshofen, Ruderting, Hauzenberg, Wegscheid, Wien, Salzburg, Linz, Esternberg, der Steiermark und sogar aus Kärnten und den USA an den Sanierungsarbeiten beteiligt. Zwölf Helfer sind es am Wochenende im Schnitt – darunter auch bekannte Persönlichkeiten wie Grünen-Fraktionsvorsitzender und WGP-Aufsichtsratsvorsitzender Karl Synek, Klaus Fiedler (CSU-Ortsvorsitzender in Haidenhof-Auerbach zusammen mit seinem Sohn) und CSU-Vizekreisvorsitzender Michael Hasenberger (mit Frau).“ Koopmann freut sich: „Im Zuge der Workshops konnte vor allem das Burgpalais weitgehend restauriert werden.“


Falkenstein soll als Musterprojekt dienen


Zudem soll das Musterprojekt „Falkenstein“, für das von Koopmann auch ein EU-Förderantrag gestellt wurde, als grenzübergreifendes Schulungszentrum für ehrenamtliche Ruinenhelfer etabliert werden; auch ein grundlegender Praxis-Leitfaden zur Sanierung historischer Burgruinen soll dabei entwickelt und verlegt werden. Und: „Insbesondere soll das Projekt Falkenstein langfristig als Schulungszentrum und Beratungsstelle für bayerisch-österreichische Ruinenprojekte zur Verfügung stehen“, schildert Matthias Koopmann.


Der Passauer Kulturkurator informiert: „Alle Sanierungsarbeiten erfolgen in enger Abstimmung und mit Unterstützung des österreichischen Bundesdenkmalamtes. Hier sind wir besonders der oberösterreichischen Landeskonservatorin Frau Dr. Ulrike Knall-Brskovsky für ihre Förderung und rege Anteilnahme am Projekt zu großem Dank verpflichtet.“


Der verfallene Rest der einst so prächtigen Burganlage Falkenstein.
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In den ersten Jahren wurden die inneren Mauerschalen und Laibungsbögen der Fensternischen im Wohnturm der Hauptburg saniert. Seit 2013 konzentrieren sich die Arbeiten auf die Vorburg, insbesondere die Sanierung des Torhauses und eines als Fragment erhaltenen Flankierungsturms. Der drohende Einsturz des Turmes ist inzwischen abgewendet. Koopmann erklärt weiter: „Zur Sanierung gehören auch Freilegungsarbeiten. So konnten mittlerweile mehrere verschüttete Raumeinheiten der Vorburg wieder freigelegt, sichtbar gemacht und grundgesichert werden. Die Arbeiten in der Vorburg sollen bis 2019 abgeschlossen sein. Dann wird die Hauptburg wieder in Angriff genommen. Für Tempo und Fortgang der Sanierung stellt die Anzahl der zur Verfügung stehenden Helfer den entscheidenden Faktor dar.“


Grundsätzlich handelt es sich bei der Sanierung um ein langfristig angelegtes Projekt, wobei die Ruine nach und nach vom Sanierungs- in einen Pflegezustand zu überführen ist. Vor allem geht es darum, wieder eine gefahrlose Begehbarkeit der ganzen Anlage zu erreichen. Matthias Koopmann meint: „Die vergleichbare Sanierung der Ruine Windhaag in Oberösterreich erfolgt kontinuierlich seit 20 Jahren. Gegenüber Falkenstein handelt es sich um eine deutlich kleinere Anlage.“


Ganz wesentlich für das Projekt, das 2018 umgesetzt werden soll, ist das Engagement des Hofkirchener Bürgermeisters Martin Raab, der auch Obmann des Erhaltungsvereins ist, und seines Amtsleiters, Thomas Neundlinger, denen die Sanierung der Burg ein besonderes Herzensanliegen ist. Matthias Koopmann fungiert dabei als Martin Raabs Stellvertreter und ist als Projektleiter verantwortlich für die Planung und Umsetzung der Sanierungsarbeiten.

 

Vom 21. bis 24. April (täglich von 9 bis 18 Uhr) haben freiwillige Helfer wieder die Gelegenheit an der Rettung der Burgruine Falkenstein aktiv mitzuwirken. Anmeldungen per Mail unter stadtfuchspassau@aol.com oder unter Tel. 0851/45892. Anmeldungen sollten spätestens zwei Tage vor dem Einsatz-Wochenende eingehen.

Autor: Tatjana Brand

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