CSU-Aschermittwoch 2012 in Passau
Zahmer Seehofer – gefeierter Stoiber

Mit mehr als zehnminütiger Verspätung erfolgte um 10.12 Uhr der gemeinsame Einzug in die voll besetzte Dreiländerhalle. CSU-Bezirkschef Manfred Weber machte mit einer etwas lang geratenen Rede („Bayerische SPD ein Trümmerhaufen", „München braucht Ude nicht mehr – und Bayern erst recht nicht") den Auftakt, bis dann schließlich Landrat Franz Meyer seine Grußworte ans Volk richten durfte
Dann betrat Übergangs-Bundespräsident Horst Seehofer die Bühne und hielt sich merklich zurück („Wo wir sind, ist oben!"). Mehrfach bekräftigte er sein erklärtes Ziel, Bayern schuldenfrei zu machen und vergaß auch nicht, Bundeskanzlerin Angela Merkel zu loben.
Er bekräftige seine Kritik am System des Länderfinanzausgleichs: „Wir werden alles tun, damit es verändert wird!" Bayern sei das einzige Bundesland, das es geschafft habe, von einem Empfängerland zu einem Geberland zu werden und habe inzwischen das Elffache von dem bezahlt, was es selbst an Hilfen kassiert habe.
Seehofer sagte, er führe mit den anderen Ministerpräsidenten derzeit Gespräche über den Länderfinanzausgleich. „Uns geht es um die Herstellung von Gerechtigkeit." Falls diese Gespräche nicht zum Erfolg führen, werde Bayern den Länderfinanzausgleich noch in diesem Jahr vor das Bundesverfassungsgericht bringen.
Seehofer hielt sich in seiner Aschermittwochsrede wie angekündigt mit Angriffen auf die politischen Gegner zurück. Er ist derzeit nach dem Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff als Bundesratspräsident formell das deutsche Staatsoberhaupt. Viel Stimmung kam bei seiner Rede in der Halle nicht auf. Einen kleinen Aufreger gab es am Rande, als sich zwei Greenpeace-Aktivistinnen mit Plakaten („Schützt unsere alten Buchenwälder", „Stoppt die Säge") in der Halle postierten und kurz darauf aus der Halle komplimentiert wurden (siehe Video).
Alles wartete auf Edmund Stoiber, der auf der Bühne frenetisch gefeiert wurde und kurz vor 13 Uhr mit seiner Rede fertig war. Stoiber lobte die Festlegung auf den 2010 noch gegen Wulff unterlegenen Joachim Gauck als neuen Bundespräsidenten als „sehr gute Wahl". Der ehemalige Ministerpräsident: „Man kann auch mit dem zweiten Aufschlag ein Ass verwandeln!" Er hob hervor, dass der 2010 von SPD und Grünen nominierte Gauck auch konservative Werte verkörpere. Gauck sei gegen die Mitgliedschaft der Türkei in der Europäischen Union - „ja, was soll ich denn gegen den Mann einwenden", so Stoiber.
Am Ende wurde das „blonde Fallbeil" – wie er früher genannt wurde – von der Menge frenetisch gefeiert, obwohl auch bei ihm die harten Attacken Mangelware waren. „Er ist ein ganz Großer!" rief Seehofer noch einmal ins Mikro. Und die Dreiländerhalle wurde mit einem Mal zum Fußballstadion, als alle „Oh wie ist das schön" sangen. An diesem Vormittag war Edmund Stoiber der gefühlte Ministerpräsident.
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