28.09.2017 Ortenburg

Klassik am Schloss in Ortenburg

„Nein, ich habe die Hörner nicht gehört – zu meiner Schande!“

Wolfram Graul dirigierte die 60 Musiker und 80 Chormitglieder.
Foto: Greiler
Bekenntnisse eines Zuspätgekommenen bei Klassik am Schloss in Ortenburg

Es gibt freudige Wochenend-Termine, wie Klassik am Schloss. Und weniger freudige: als Hilfsarbeiter auf einer privaten Baustelle eingeteilt zu sein.


Wenn beides zusammenfällt, kann’s schon mal ungünstig ausgehen. Samstagabend, 18.38 Uhr: Komme verschwitzt und verdreckt vom „Bau“, eigentlich mit gutem Gefühl: was geschafft. So, jetzt schnell unter die Dusche, umziehen, ab nach Ortenburg. Suche die Karten raus – oh, F…erdammt! Beginn: 19 Uhr. Das ist nicht mehr zu schaffen!


Aber bis zur Pause! Gedacht, getan … Es ist dunkel, als ich ankomme, die Pausengespräche in und um das Festivalzelt am Fuße des erleuchteten Schlosses Ortenburg sind in vollem Gang. Bekenne einem Bekannten: „Habe mich verspätet.“ Er: „Hast du die Hörner gehört? Hervorragend, nicht?“ Ich muss gestehen: „Nein, ich habe die Hörner nicht gehört. Leider!“


Die Pause geht dem Ende zu, ich treffe auf Klassik am Schloss-Initiator Heinz „Bull“ Huber, er: „Hast du die Hörner gehört? Sagenhaft!“ Ich murmle mit tiefem Ausdruck des Bedauerns: „Nein, …“.


Erfreut stelle ich fest, dass ich noch den Auftritt des Großen Chores aus Heinrich-Schütz-Ensemble Vornbach und Juvenis Chor vor mir habe. Lina vom Berg hat mit den Sängerinnen und Sängern Johannes Brahms‘ Gesang der Parzen, Nänie, Schicksalslied für großen Chor und Orchester einstudiert.


Das „Begleitorchester“ ist ein überaus hochkarätiges – aus Musikern des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, dirigiert von Wolfram Graul; schon zum dritten Mal in Ortenburg. Sie haben im ersten Teil die rund 600 Besucher begeistert, speziell die Hornisten Carsten Duffin, Thomas Ruh, Francois Bastian und Norbert Dausacker mit Schuhmanns Konzertstück F-Dur, op 86. Sie wissen schön, die „Hörner“ …


Er ist schon eine Wucht, der 80-köpfig angekündigte Chor in Einklang mit einem professionellen, 60 Musiker zählenden Orchester dieser Klasse! Getragener, elegischer Gesang, dramatische Instrumental-Passagen!


Zu Recht gibt es anschließend lang anhaltenden Beifall, mehrere Verbeugungen werden fällig. Zufriedene bis euphorische Gäste, darunter viel Fachpublikum; zufriedene bis euphorische Veranstalter, dito Sponsor Karl Wißpeintner (Micro Epsilon), dem das 3. Klassik am Schloss besonders gut gefallen hat!


Also, vormerken, wenn 2018 wieder ein „Klassik am Schloss“ angekündigt wird. Rechtzeitig Karten besorgen. Und rechtzeitig drauf schauen, wann ein derartiger Kulturgenuss, für den man sonst weit fahren müsste, beginnt!


Im Folgenden aus berufenem Munde eine Kurz-Einschätzung dessen, was ich im ersten Teil des Abends versäumt habe:
Dr. Heribert Bögl, Vilshofen, war zum ersten Mal bei Klassik am Schloss und überrascht über den „perfekten Klang“ im Festivalzelt: „Man hat jede einzelne Stimme gehört. In manchen Konzertsälen ist das oft breiig, im Ortenburger Zelt war der Klang glasklar!“


Sehr angetan hatten es Dr. Bögl auch die Nachwuchsmusiker vom Jugendorchester Sinfonietta aus Bad Birnbach: „Die haben das ausgezeichnet gemacht, speziell das letzte Stück war rhythmisch sehr schwierig!“


Auch Dr. Bögl war begeistert von den vier Hornisten, die „ganz fantastisch und seidenweich gespielt“ hätten. Beeindruckt war Dr. Bögl auch vom Zusammenspiel des Orchesters mit dem großen Chor. Die Musiker des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks zu kritisieren stünde ihm gar nicht an, auf jeden Fall hätten die Profis vollen Einsatz gegeben. Für ein Konzert auf solch hohem Niveau müsste man sonst „nach Minga“ fahren!

Autor: Fritz Greiler

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