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08.08.2012 Passau

Anwohner laufen gegen Studentenwohnheim Sturm

„Hilfe! Studi-Lärm raubt uns den Schlaf!”


Was vehemente Gegner der neuen Sperrzeitverlängerung schon düster für die Zukunft prognostizierten, ist in der Passauer Donau-Schwaben-Straße scheinbar schon harte Realität.

Die Mehrheit der Bewohner des dortigen Studentenwohnheims zieht es nämlich schon lange nicht mehr in die Feiermeilen der Innenstadt. An warmen Sommerabenden wird dort einfach auf dem heimischen Hof gelagert, getrunken und gefeiert. Die Anwohner in der direkten Nachbarschaft, darunter viele Familien mit kleinen Kindern, haben davon jetzt die Schnauze gestrichen voll. 

 

„Es wird einfach immer schlimmer. Jetzt im Sommer geht’s dort ja schon fast täglich rund. Aber auch an den kalten Tagen sind die da drüben regelmäßig lautstark vertreten”, so die aufgebrachten Anwohner unisono. Alkohol soll in rauen Mengen fließen und mit dem elitären Promillepegel soll auch der Lärmpegel nachts unzumutbare Höhen erklimmen. „Unser Schlafzimmerfenster können wir eigentlich schon lange nicht mehr kippen. Jetzt im Sommer ist das echt schlimm. Man hat nur die Wahl zwischen ein bisschen mehr Nachtruhe und stickiger Luft oder etwas Abkühlung durch das gekippte Fenster inklusive der Gaudi vom Wohnheimgelände. Da bekommt man so oder so kein Auge zu”, klagt Susanne Schreiner.


„Wir werden unseres Schlafes beraubt. Zur Zeit täglich, von 18 Uhr am Abend bis 4 Uhr morgens. Das ist eindeutig zu viel für uns. Unsere Toleranz hat ein Ende. Wir haben schon mit dem Hausmeister gesprochen, aber der ist noch jung und feiert wohl selbst noch gerne mit. Beamten der Passauer Polizei sind mittlerweile schon zwei- bis dreimal die Woche hier, wollen aber eigentlich schon gar nicht mehr kommen. Ab sofort werden wir auf deren Rat daher Anzeigen erstatten und alles genau dokumentieren”, so der gemeinsame Tenor. Ein saftiger Beschwerdebrief an den Betreiber des Wohnheims, das Studentenwerk Niederbayern/Oberpfalz, wurde ebenfalls bereits verschickt. Eine Antwort blieb bisher aus. Auch der PaWo lag zum Redaktionsschluss noch keine Stellungnahme vor.


Vom Studentenwerk wünschen sich die gebeutelten Anwohner ein Feierverbot nach 22 Uhr für die Wohnanlage. „Vielleicht wäre aber auch eine große Schallschutzwand eine Option, um zumindest eine Dämpfung des Schallpegels zu erreichen. Sollte unser Anliegen nicht gehört werden, leiten wir die Angelegenheit an unseren Anwalt weiter, weil es so einfach nicht mehr geht”, so Michael Fuchs, der selbst direkt gegenüber des Wohnheims ein Einfamilienhaus besitzt.


Intern wurde aber wohl bereits gehandelt. Auf der Facebook-Seite des Wohnheims ist zu lesen: „Es wurde gegen unser liebes Wohnheim Strafanzeige wegen Ruhestörung gestellt. Wir bitten euch, zumindest vorerst ab 22 Uhr im Hof sich ruhig zu verhalten und die Nachtruhe einzuhalten. Ansonsten nimmt es sich das Studentenwerk heraus mit Abmahnungen zu arbeiten.” Ob den betroffenen Studenten die ernste Lage aber schon wirklich bewusst ist, steht bei Kommentaren wie „Obwohl die Hälfte weg ist? Respekt!” oder „Ja total lustig...” auf einem ganz anderen Blatt Papier.  

Autor: Martin Bauer