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31.07.2012 Vilshofen
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Vilshofens „Mutter Courage”


SPD-Stadträtin Sigrid Huber holte zum Rundumschlag gegen verkorkste Stadtpolitik aus.

 

Da rieb man sich aber in Vilshofen an der Donau die Augen: Am Samstag zog SPD-Stadträtin Sigrid Huber im „Vilshofener Anzeiger” verbal so krachert vom Leder, dass sie nun für die einen als „Krawall-Tante” gilt, für die anderen jedoch als „Mutter Courage”, die sich endlich mal traute, den Finger in die Wunden einer verkorksten Stadtpolitik zu legen. Nicht nur das: Sie streute auch noch reichlich Salz drauf. Ihre unverblümte Analyse der Vilshofener Stadtpolitik: eine von Stillstand und Dilettantismus geprägte Lethargie, die meist ins Nirvana führt. Abgewatscht wurden in diesem Rundumschlag nicht nur die Genossen aus den eigenen Reihen („Vollpfosten” im Kreistag), nein gleich der ganze Stadtrat (könne laut Huber weder reden und schreiben) und ganz besonders Bürgermeister Georg Krenn („Sehe keinen Hans Gschwendtner”).
 
Wie wahr das in den Ohren vieler Vilshofener Bürger klingen mag, denn tatsächlich liefern Bürgermeister Krenn und sein Team eher suboptimale Ergebnisse ab. Das jüngste Beispiel mit der getürkten Rathaus-Pressemitteilung in Sachen Vergabe beim Promenadenfest war das i-Tüpferl an Glaubwürdigkeits- und Vertrauensverlust (siehe Bericht Seite 4). Für uns Medienschaffende eine glatte Frechheit. Man muss sich das mal vorstellen: Ein Bürgermeister biegt sich wider besseres Wissens die Wahrheit zurecht, wie er sie braucht, und lässt diese falsche Darstellung dann auch noch öffentlich via Pressemitteilung verlautbaren. Wie bitteschön, soll man da nun künftig mit dem Wort des Bürgermeisters umgehen?
 
Der Bürgermeister aber schüttelt sich ab, er habe in Sachen Pressemitteilung nix falsch gemacht. Und auch Sigrid Hubers mutige (weil auch freche) Polit-Analyse wird wohl unter den Teppich gekehrt werden, als hätte sie nie etwas gesagt. Denn keiner der in Vilshofen politisch Verantwortlichen fühlt sich von ihr angesprochen, weil es laufe ja alles super im Vilshofener Stadtrat. Und überhaupt, mei so ist sie halt, die Sigrid Huber, wie sie leibt und lebt. Lassen mer’s reden und mach mer weiter wie bisher. Passt scho!
 
Wirklich? Am Samstag beim Atelier-Fest ihres Gatten erntete Sigrid Huber viel Schulterklopfen für ihre deutliche Kritik und ihre Sorge um die Zukunft der Stadt. Aber sie wird verpuffen, wenn keiner bereit ist Kritik unvoreingenommen anzunehmen. Wie andernorts auch. Denn Sigrid Hubers gibt es überall – nur hört man ihnen nirgends zu, weil sie nicht Recht haben dürfen. Weil Politik eben auch eitel ist.

Autor: Stefan Brandl

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