22.02.2012 Passau
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Seehofers Retro-Coup


Foto: Martin Bauer
Der „eingewechselte" Altstar Edmund Stoiber sorgte für Heimsieg der CSU im Duell der Polit-Giganten.

 

Als am Mittwoch gegen 12.45 Uhr die Dreiländerhalle unter dem donnernden Applaus von 10000 Händen bebte, musste es bis nach Vilshofen in den Ohren der SPD gedröhnt haben: Sieger des Politischen Aschermittwochs war am Ende mit 3:1 die CSU! Und auch dem letzten Zweifler innerhalb den eigenen Reihen wurde klar: Dass CSU-Spielführer Horst Seehofer den eigentlich nur noch auf der Polit-Tribüne sitzenden Alt-Star Edmund Stoiber aufs Feld, sprich ans Rednerpult, schickte, das war ein echter Coup!
 
Schon beim Einmarsch wurde Edmund Stoiber frenetisch und unter stehendem Applaus begrüßt. Stoiber, der seit 1979 den Politischen Aschermittwoch der CSU in Passau prägte – erst als Generalsekretär, schließlich als Parteichef und Ministerpräsident – ließ die Menge zum 60. Aschermittwochs-Jubiliäum in nostalgischem Retro-Feeling schwelgen: Stoiber, der „CSU-Superstar”!
 
Und für Seehofer ist Stoiber, der erneut klar bekannt hat, dass er nicht mehr auf die aktive politische Bühne zurückkehren wolle, keine Gefahr! Deshalb konnte sich der „bundespräsidial” gehandicapte Seehofer in seiner Rede vornehm zurückhalten, ohne fürchten zu müssen, dass ihm Stoiber die Show stehle. Vielmehr dokumentierte er damit: Die CSU hält zusammen.
 
Es schien, als hätte Seehofer den PaWo-Kommentar „Aschermittwoch: 1:0 für die SPD” vorausgeahnt. Er hob zur einstündigen Lob- und Danksagung an das CSU-Ministerteam an und bemühte dabei stets den Vergleich mit einer Fußballmannschaft – vom „Dribbelkünstler” Kultusminister Spaenle bis hin zu den Stürmerqualitäten einer Sozialministerin Haderthauer. Nicht über die anderen reden (oder lästern), sondern über die eigene Politik für die Zukunft sprechen. Das muss beim Gegner in Vilshofen gesessen haben – das war der Ausgleich!
 
Stoiber nahm Seehofers Flanke auf: „Die Südkurve steht!”,  sagte er mit Blick ins Publikum. Und: Der Politische Aschermittwoch in Passau sei das Heimspiel der CSU. Was folgte, war eine Polit-Bilanz ganz in der Tradition von CSU-Übervater Franz Josef Strauß, nämlich politische Standort-Bestimmung der CSU am Aschermittwoch in Passau. Und zwar nur in Passau mit der dort versammelten geballten Polit-Kompetenz: Deutschland brauche Bayern, Bayern brauche die CSU. Der Jubel nach Stoibers Auftritt war gigantisch: 2:1 für die CSU!
 
Zum Schluss durfte dann Generalsekretär Alexander Dobrindt doch noch für die allseits erheiternde Polit-Folklore sorgen, die das Salz in der Fastensuppe am Aschermittwoch ist: Frisch gebackener Vater (seine Frau brachte vor zwei Tagen Sohn Emeran zur Welt), 25 Kilo weniger – und daher umso motivierte, watschte der CSU-General den Gegner von der SPD nach allen Regeln her. Endstand: 3:1 Sieg für die CSU im Duell der Polit-Giganten!
 
Fazit: In der Rede so überraschend, so pfiffig und griffig, aber auch so elegant war der Auftritt der CSU-Mannschaft in Passau schon lange nicht mehr. Wenn der FC Bayern nur endlich auch mal so spielen würde…

Autor: Stefan Brandl
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