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03.07.2012 Hauzenberg/Passau
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Der große Coup der CSU


Erst Tittling, nun Hauzenberg: Wird der „parteifreie Kandidat” zum Erfolgs-Modell der CSU in Stadt und Land?

 

Das „Einfliegen” von Kandidaten mangels eigener Bereitschaft aufgrund undurchschlagbarer gordischer Knoten scheint sich zum Erfolgsmodell der CSU im Landkreis Passau zu entwickeln. Nach dem Sieg des parteifreien CSU-Bürgermeisterkandidaten Helmut Willmerdinger in Tittling ging die Rechnung nun auch in Hauzenberg auf. Mit Gudrun Donaubauer besetzte dort am Dienstag nun ebenfalls eine „CSU’lerin ohne Parteibuch” den Chefsessel im Rathaus. Was wohl heißen mag: Es ist zwar opportun, sich ohne Parteiemblem zu präsentieren, aber beruhigend gut zu wissen, die Partei im Rücken zu haben. Vor allem dann, wenn die Bürger vom „Establishment” durchaus ein bisschen die Nase voll haben.
 
Denn die Parallelen zwischen Tittling und Hauzenberg sind überdeutlich: Hier wie dort wollten die Bürger einen Neuanfang mit einer Person, die über allem „Sumpf” erhaben ist. Die Hauzenberger wollen einen Chef im Rathaus, der den eisernen Besen in die Hand nimmt und dort mal sauber ausmistet. Denn die so genannte „Kassen-Affäre” hat nicht nur ein paar Porzellanteller zerschlagen, sie hat tief das Vertrauen der Bürger in ihre politische wie verwaltungstechnische Führungsspitze erschüttert. Dieses Vertrauen wiederherzustellen ist nun Gudrun Donaubauers schwierigste Aufgabe. Die Erwartungen an sie sind hoch, man wird sie wohl gleich an ihren ersten Taten messen.
 
Für die CSU allerdings heißt ihr Wahlsieg: Schulterklopfen ob eines geschickten Schachzuges. Man braucht keine Kandidaten mehr, die sich im Marsch durch die Partei-Institutionen nach oben profilieren müssen, es klappt auch ziemlich gut mit Quereinsteigern ohne Parteibuch in der Hand und vor allem ohne Jahre vorher hemdsärmelige Kärrnerarbeit leisten zu müssen. Verliert er, ist das seine Sache, gewinnt er, profitiert auch die Partei. Denn Hauptsache, das Amt ist unser!
 
Ein Modell also für die Zukunft der CSU in Stadt und Land? Es scheint so! Wo immer die Wahlsituation undurchsichtig vage und brenzlig ist, kommt der große Coup von außen. Schon jetzt liebäugeln sogar einige in der Passauer Stadt-CSU, mangels geeignetem Personal doch einen Kandidaten von außerhalb gegen SPD-Schwergewicht Dupper ins Feld zu führen. Ob dieses neue CSU-Modell aber einer großen Volkspartei auf die Dauer würdig erscheint, ist fraglich. Denn auch in Hauzenberg haben sich viele gefragt: Haben die keinen – oder traut sich bloß keiner..?

Autor: Stefan Brandl

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