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30.10.2012 Passau
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Die Nacht der Heimsuchung


Allen Unkenrufen zum Trotz: Halloween hat den Einzug in den „Brauchtums-Kalender" geschafft.

 

Sie treten aus dem Zwielicht, sie kommen an deine Tür und klingeln gerade dann, wenn’s gleich gar nicht passt – zum Abendessen etwa oder wenn man unter die Dusche will. Aber das Licht abzudrehen, sich zu verschanzen und nicht zu atmen wagen, hilft nicht. Du kannst den Horden der Finsternis nicht entkommen. Sie entsteigen den höllischen Abgründen der Kindergärten – kleine Bestien, gar schrecklich anzusehen. Sie drohen in schriller Stimme mit unendlichen Qualen. Und wehe, du hast nichts Passendes, um die Fürsten und Prinzessinnen der Dunkelheit zu besänftigen – Gummibärchen etwa oder ein Milky Way – dann renn, als ginge es um dein Leben, sofort in den nächsten Edeka und besorg dir was Süßes. Denn sie kommen Mittwoch! Weil Mittwoch ist die Nacht des Grauens, die Nacht der Heimsuchung: Halloween.
 
Bayerische Brauchtumsschützer, die sich jahrelang gegen diesen „amerikanischen Krampf” gestemmt haben (und noch tun), hatten keine Chance. Das Geister-Spektakel Halloween hat längst Einzug in den Veranstaltungskalender gehalten, der Kürbis als Symbol ist Herbststandard in den Küchen geworden, Halloween-Deko und Halloween-Partys fast Pflicht und selbst die Versicherungsbranche nutzt den gruseligen Scherztag, um Eltern an ihre Haftpflichtversicherung zu erinnern. Kann ja sein, dass ihr kleiner Vampir oder Zombie an Halloween das mit dem „Saueren” mal allzu übertrieben wörtlich nimmt.
 
Ehrlich gesagt ist Halloween wirklich ein schöner Spaß für die Kinder – so verkleidet im Dunkeln von Haus zu Haus zu ziehen und satt Süßigkeiten einzuheimsen. Und die allermeisten Erwachsenen machen den Spaß mit. Hab ich selber erlebt, als ich mal mit unserer damals noch Kleineren um die Häuser zog. Pfundweise brachten wir Schleckzeug-Beute mit nach Hause. Saueres gab’s nur für mich: Weil meine fiese grüne Monstermaske hinter der Sicherheitskamera seine Frau erschreckte, wollte mich einer fast verprügeln. Übrigens: Süßes fürs Kind gab’s von ihm auch nicht.
 
Aber solche Spaßbremsen sind die Ausnahme. Die Kinder jedenfalls freuen sich, wenn man mitmacht, sich vor ihnen gruselt und dafür mit Süßigkeiten belohnt. Auch wenn das aus den USA kommt und nicht aus dem Bayerwald – Brauchtum lebt vom Mitmachen, nicht von der Herkunft. Und wenn als Dracula, Scream oder Michael Myers verkleidete Knirpse um die Häuser schleichen, ist das immer noch fröhlicher, als Krampus und Rauhnacht.

Autor: Stefan Brandl

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