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23.08.2012 Passau
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…da waren's nur noch zwei!

Hans Koller und Gerhard Waschler (r.)
Foto: Archiv/Brandl
Munteres Kandidatenpurzeln in der Landkreis-CSU bis zum Schluss: Gawlik macht Weg frei für Koller – heißt das jetzt Weg frei für Waschler?

 

Ups, das ging jetzt aber schnell! Das Lüftchen, das den beiden möglichen CSU-Landtagskandidaten Koller und Gawlik in Form unserer Internet-Umfrage ins Gesicht wehte, hat den ersten gleich glatt umgehauen: Stephan Gawlik, Bürgermeister zu Fürstenstein, hat den Hut, den er gerade mal am Montag vor einer Woche in den Ring geworfen hat, jetzt am Donnerstag wieder aufgehoben. Zwei Kandidaten aus dem Landkreis Passau würden sich gegenseitig schwächen, so die Begründung für den überraschenden Rückzieher. Soll’s lieber der Koller Hanse machen. Im Klartext heißt das: Tschuldigung, ich trau mich lieber doch nicht! Am Ende hole ich mir noch eine blutige Nase von den eigenen Leuten…
 
Im Rückblick betrachtet ist das jetzt wohl der letzte Akt eines Trauerspiels des ach als so hoffnungsvoll eingestuften CSU-Nachwuchses aus dem Landkreis Passau. Am 1. Mai 2011 ging’s los, als hinter den Kulissen die Weichen für den Generationswechsel hätten gestellt werden sollen – mit der Machtübernahmen im CSU-Fraktionsvorsitz im Passauer Kreistag. Schon das ein klägliches Scheitern: Die Übernahme klappte zwar – Raimund Kneidinger löste Reinhold Hoenicka ab – ab zu einem hohen Preis: Klaus Weidinger – einer dieser jungen Hoffnungsträger – war damals schon als „Königsmörder" angeschlagen, schoss sich mit seiner Datenklau-Affäre dann selber endgültig ab. Da waren’s nur noch drei.
 
Jetzt wurde Raimund Kneidinger hoch gehandelt. Der Bundeswahlkreisgeschäftsführer galt als heißer Favorit für die Kobler-Nachfolge. Doch der avancierte nach Josef Federhofers Rücktritt plötzlich zum Vize-Landrat – und fühlte sich fortan für die niedrigeren kommunalen Weihen geschaffen. Da waren’s nur noch zwei.
 
Oder zweieinhalb? Denn ein weiteres hoffnungsvolles Polit-Talent aus den Reihen der Jungen Union wurde gleich mal mit der Bezirkstagskandidatur kaltgestellt: Josef Heisl jun. aus Salzweg. Dem hätten viele Insider trotz seines jungen Alters einiges zugetraut. Und wohl wird er sich in den Hintern beißen, seine Ansprüche nicht früher geltend gemacht zu haben. Da waren’s jetzt aber wirklich nur noch zwei.
 
Und von diesen beiden letzten schwarzen Negerlein blieb Stephan Gawlik lange Zeit in der sicheren Deckung, obwohl er oft richtig zur Kandidatur gedrängt wurde, weil nur er die Geschlossenheit der Landkreis-Delegierten bei der Nominierung gegen Gerhard Waschler hätte garantieren können. Hans Koller galt nämlich eher als ein ziemlicher Wackel-Kandidat, einige der Landkreis-Delegierten sollen gesagt haben: Wenn Koller kommt, wählen wir Waschler. Und so blieb Gawlik – ganz offensichtlich allzu siegessicher – bis zum Schluss in seiner Eierschale, schlüpfte erst, als Kobler seinen  Verzicht offiziell bekannt gab.
 
Aber da war es wohl schon zu spät: Hunde, die man zur Jagd tragen muss, fangen halt keinen Hasen. Auch nicht in den eigenen Reihen. Und wer weiß, ob sich da Hans Koller nicht als der schlauere Polit-Fuchs im Poker um die Delegiertengunst erwiesen hat. Denn am Ende bleibt jetzt nur einer, nämlich er.
 
Hans Koller, der ewige Zweite, der schon für alles mögliche kandidiert hat, aber stets ausgebremst wurde. Ist jetzt endlich seine Zeit gekommen? Nun, warum nicht! Zumindest hat er nie wie die anderen zerflossenen Hoffnungsträger um den heißen Brei rumgedruckst, sondern immer gesagt, er wolle für den Landtag kandidieren. Dann soll er’s halt machen.
 
Oder bleibt er wieder nur Zweiter? Ganz genüsslich kann sich nämlich der Passauer Stadt-CSU-Kreisvorsitzende und Nominierungs-Kandidat Gerhard Waschler zurücklehnen und das schon fast peinliche Theater „Wie man sich als Kandidat selbst abschießt – eine Anleitung zur politischen Selbstdemontage” aus dem Landkreis verfolgen. Denn mit jedem weniger, stiegen seine Chancen, am 6. Oktober die Delegierten für sich zu überzeugen – Generationswechsel hin oder her.
 
Noch sind die Landkreis-Delegierten die mehreren, aber wenn tatsächlich nicht geschlossen für Hans Koller gestimmt wird, dann wird’s eng für den Landkreis-Kandidaten. Denn da gibt es immer noch die Delegierten aus dem Bayerwald. Die werden zwar irgendwie kaum registriert, aber die sind wohl am Ende das Zünglein an der Waage.

Autor: Stefan Brandl

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