21.03.2017 Passau
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Nur Wasser und gar kein Brot nicht?


Foto: Wolfgang Korduletsch
Gedanken zur Fastenzeit im Speziellen und zur Ernährung im Allgemeinen

Und? Fasten Sie auch gerade, jetzt zur Fastenzeit? Es gibt zwei Lager, wie jüngst in einem Gespräch deutlich geworden: Ein drahtiger Handwerker bekennt, auf seine tägliche Tafel Schokolade zu verzichten, was ihn sehr hart ankomme! „Ich ernähre mich das ganze Jahr über bewusst, deshalb faste ich nicht!“, erwidert seine Gesprächspartnerin!
 
Glücklich, wer das von sich sagen kann. Nicht, dass man nicht selber wüsste, was gut für einen wäre. Manche behaupten, der Körper wisse selbst am besten, was er brauche. Meiner schreit leider ständig nach Süßigkeiten und Chips!
 
Und ich muss beruflich erschwerte Bedingungen für mich geltend machen. Die Fastenzeit geht in Bayern einher mit der Starkbierzeit. Und wenn man dienstlich nicht nur ständig zu Starkbierfesten darf, sondern muss, wird es hart. Was wird immer kredenzt? Schweinsbraten!
 
Und Flüssiges bricht zwar Fasten nicht, aber Starkbiergenuss die Vorgaben der Straßenverkehrsordnung. „Wasser trinken nur die Viecher“, sagte mal ein früherer Landrat zu mir, als ich mir ein Stilles bestellte. Außerdem darf es abends mal was mit Geschmack sein. Da alkoholfreie Biere extrem in ihrer Süffigkeit differieren, hat man oft die Wahl der Qual zwischen Apfelschorle oder, ja manche greifen sogar spätabends dazu, Spezi!
 
Sie sehen, man hat es als Starkbier-Reporter nicht leicht! Und die Frage nach dem täglich Brot stellt sich das ganze Jahr über. In Zeiten, in denen beide Partner berufstätig sind, verlagert sich dieses Thema an den Arbeitsplatz: Statt „Was koche ich heute?“ heißt es „Was holen wir heute?“
 
Vorkochen wäre natürlich eine feine Sache. Aber irgendwie ist nie die Zeit dazu. Ich bewundere die Kollegin, die ihr Essen von zuhause mitbringt. Aber selbst sie isst nebenher über der Computertastatur!
 
Is(s)t das gesund? Grüble ich. Und habe keine Lösung parat. Zumal man beim Essen immer mehr zu bedenken hat. Vorige Woche brachte der Ernährungswissenschaftler Karl von Koerber, neben dem gesundheitlichen Aspekt, im PaWo-Interview noch den einer nachhaltigen Essenskultur ins Spiel! Nachhaltig war keine meiner vielen früheren Diäten. Hat man einmal gewaltig über die Stränge geschlagen, tut man sich schwer, das Hüftgold dauerhaft wieder runterzubekommen.
 
Ein Bekannter hat 40 Kilo geschafft! Wie? Er hat auf alles verzichtet, was mein Leben lebenswert macht! Kohlehydrate! Musiker Westernhagen ist auch mit über 60 noch ein „dünner Hering“, weil er kein Brot esse, vor allem des Glutens wegen! Ich kann auf Bier verzichten und auf Fleisch, aber nicht auf Kartoffel, Knödel – und unser gutes Schwarzbrot!

Jüngst bei der Brotzeit riss meine Frau mich aus meiner Essens-Grübelei: „Appetit holt man sich auswärts, gegessen wird zuhause!“ … Von was war gerade die Rede?

 

 

Autor: Fritz Greiler