14.02.2017 Passau
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Das Handwerk ist ein Stück Heimat

Kfz-Mechaniker
Warum man sich doch für eine Ausbildung in einem Handwerksberuf entscheiden sollte.

In dieser Woche widmen wir uns in einer Sonderbeilage einem für junge Menschen in der Region wichtigen Thema: die Ausbildung und Berufswahl. Am Freitag werden die Zwischenzeugnisse verteilt. Und für die Schülerinnen und Schüler, die in der Abschlussklasse stehen, wird diese Halbjahresbilanz vielleicht zur Weichenstellung, dann nämlich, wenn sie sich für eine Berufsausbildung entscheiden und sich damit um einen Ausbildungsplatz bewerben. Doch wohin soll der Weg gehen?


Eltern wünschen sich für ihre Kinder natürlich die höchstmöglich beste Ausbildung. Die Gymnasien quellen daher über, weil das Hochschulstudium mittlerweile als Maß aller Dinge gilt. 2015 haben daher erstmals mehr junge Menschen ein Studium in Angriff genommen, als eine Lehre in einem Handwerksberuf angetreten. Und das, obwohl zum einen beim Studium schon längst nicht mehr alles Gold ist, was glänzt, wenn man beispielsweise den Medizinersektor betrachtet. Zum anderen aber das Handwerk nach wie vor goldenen Boden hat. Trotzdem treibt die Kreishandwerkerschaft Passau Sorgen um, was in der Zukunft ihren Nachwuchs betrifft.


Das Handwerk ist eine tragende Säule der Wirtschaft und der Gesellschaft. In Krisenzeiten kann man sich auf die kleinen und mittelständischen Betriebe verlassen, das haben sie Mitte der 2000er Jahre bewiesen, als die Industrie massenhaft Leute ausstellte und Kurzarbeit anordnete. Das Handwerk hat nicht einen wegen der Wirtschaftskrise entlassen. Gerade die Industrie aber ist es, die den Familienbetrieben das Leben schwer macht, indem sie junge Leute nach ihrer Lehre mit Kohle ans Fließband lockt. Die Handwerksbetriebe tragen die Kosten de Ausbildung junger Menschen, die Industrie sackt mit den Facharbeitern dann den Profit ein – eine ziemlich unsaubere Sache. Denn es gibt ja dafür keine „Ablöse“ wie in der Bundesliga.


Für das Handwerk ist der Azubi keine „billige“ Arbeitskraft, die nach der Lehrzeit wieder gehen kann. Familienbetriebe bilden in der Regel ihre Fachkräfte aus, damit sie im Betrieb – und wenn nicht im eignen, dann zumindest im Handwerk – bleiben. Und die Ausbildung im Handwerk im weltweit anerkannten und beneideten Dualen System aus Betrieb und Berufsschule ist eine komplexe und anspruchsvolle, mit der junge Menschen nach der Lehrzeit und eventuellem Meistertitel durchstarten können. Und zwar nicht irgendwo am Fließband in Ingolstadt, sondern in einem ehrbaren Beruf in der Heimat.


Denn das Handwerk ist ein Stück Heimat und Regionalität, das es zu bewahren gilt. Was ist, wenn es keine Semmeln mehr vor Ort gibt? Wenn der Klempner beim Rohrbruch nur noch per dauerbelegter Service-Hotline erreichbar ist? Das wäre eine Zukunft, die keiner haben will. Das merkt man aber erst, wenn es nicht mehr da ist…

Autor: Stefan Brandl

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