12.03.2012 Passau


Die Wut an der Zapfsäule






Pendler aus unserer Region sind die Melkkühe der Nation.

 

Erinnern Sie sich noch dunkel an die Zeit vor rund zehn Jahren kurz nach der Euro-Umstellung, als die Benzin-Angabe an der Zapfsäule schneller rotierte als die Preisangabe? Was haben wir uns da gefreut – aber nicht sehr lange, weil ganz schnell drehte sich alles wieder andersrum. Und heute dreht sich die Preisscheibe in Rekordzeit so schnell, dass einem beim Zuschauen richtig schlecht wird. So schlecht, dass einem die Wut im Bauch hochkocht. Wut auf die Scheichs, auf die Mineralölkonzerne – auf die Politik. Vor allem auf die da oben!
 
Die Wut an der Zapfsäule ist verständlich, gerade in unseren Breiten in und um Passau, wo man ständig das – wohl berechtigte – Gefühl hat, man zahle mehr fürs Benzin, als der bundesrepublikanische Durchschnitt: 1,67 Euro fürs Super, 1,55 für den Diesel (die berühmte kleine 9 hintendran aufgerundet) und das weit vor den Osterferien, zu denen die Öl-Bosse traditionsgemäß nochmal die Preisschraube nach oben drehen werden – das ist schlicht Wahnsinn. Aber keiner will diesen Irrsinn stoppen. Warum auch? Sind die Benzinpreise hoch, geht’s Vater Staat doppelt gut.
 
Irgendwie ist der Verbraucher immer der Gelackmeierte. Und in dem Fall die Pendler aus dem Bayerwald gleich doppelt. Die dürfen nämlich nicht nur ihr eigenes Rekord-Benzin zahlen, sondern das der anderen gleich noch mit. Zum Beispiel, indem sie ab sofort in Passau zehn Cent mehr für die Kugel Eis berappen müssen. Alle reichen ihre gesteigerten Kosten – auf welchem Sektor auch immer – nach unten an den Verbraucher weiter. Und der muss sich ohnmächtig melken lassen – via Mehrwertsteuer gleich zwei Mal. Und bittet er mal vorsichtig um eine steuerliche Entlastung, zum Beispiel durch die Pendlerpauschale, dann zeigt im Vater Staat die lange Nase.
 
Denn der denkt gar nicht daran, die ohnehin viel zu geringe (weil nach der Euro-Umstellung quasi halbierte) Pendlerpauschale als gerechten Ausgleich nach oben zu setzen. Die politische Arroganz a la Schäuble in Berlin braucht ja nicht zu tanken, die lässt sich ja in fetten Dienstwagen (die übrigens auch der Bayerwald-Pendler mitbezahlt) kutschieren.
 
Im Gegenteil: Vater Staat ist z.B. der griechische Rock näher als das Hemd der Pendler aus dem Bayerwald. Und wenn es ihr letztes wäre, das würde er ihnen auch noch nehmen. So ist er halt. Aber wie soll man sich dagegen wehren? Sinnlos, jemandem seine Sorgen vorzutragen, dem sie schlicht egal sind…

Autor: Stefan Brandl
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