Mittelschule Mühldorf
Neonazi-Aufmarsch im Unterricht thematisiert

Am 14. Januar kam es zum Aufmarsch von ca. 70 Neonazis in Mühldorf. Drei Tage danach wollte Lehrerin Elke Schott im Ethikunterricht der 8. Klasse an der Mittelschule Mühldorf das Thema „Freundschaft, Liebe und Sexualität” besprechen. „Doch die Schülerinnen und Schüler durchkreuzten meine Unterrichtsplanung mit Fragen zum Nazi-Aufmarsch. Ich merkte gleich: Sie wollten reden, sich mitteilen, Fragen stellen”, schildert die Lehrerin die Situation.
Eine Änderung des Unterrichtsthemas war die logische Folge. Am Dienstag, 24. Januar, behandelte der Ethikunterricht die Thematik: „Das Ereignis vom 14.01.2012 in der Presse”. Die 14-jährigen Schülerinnen und Schüler glänzten durch tolle Mitarbeit und Gedanken, die durchaus nachdenklich machen. Hier sind einige davon:
Julia: „Ich möchte nicht wissen, wie sich ein Max Mannheimer (Anm. d. Red.: jüdischer Überlebender des Holocaust) gefühlt hat. Was der alles durchgemacht hat, wünscht man keinem.”
Fidan: „Mich hat das alles sehr getroffen, da ich selbst Ausländer bin. Es hat mich gefreut, wie sich die Mühldorfer für uns eingesetzt haben. Aber ich hatte auch Angst. Was ist, wenn es zu Handgreiflichkeiten kommt? Genau an diesem Tag habe ich mich wohl gefühlt, weil ich wusste, dass die Mühldorfer hinter mir stehen. Da waren wir eine Gemeinde. Ich fühle mich jetzt wie ein Mühldorfer.”
Adrian: „Ich konnte leider nicht mitdemonstrieren. Aber ich habe gehört, dass es ein voller Erfolg war und die Neonazis abgezogen sind. Viele Redner, darunter auch G. Knoblauch, unser Bürgermeister, haben betont, dass es richtig und wichtig ist, mutig und entschlossen gegen die Neonazis vorzugehen. Auch Schüler unserer Schule waren dabei.”
Yasar: „Ich war auch mutig und habe immer geschrieen: Nazis raus! Wir werden immer so stark sein.”
Leah: „Die Mühldorfer/innen haben sie sozusagen aus der Stadt vertrieben.”
Emine: „Wir haben es nicht zugelassen, dass die Neonazis sich aufführen. Wir sind doch alle Menschen und könnten uns auch sehr gut verstehen, wenn wir es wollen. Wir wissen, was manche früher erlebt haben. Aber wir werden es nicht zulassen, dass es wieder so wird wie früher.”
Das waren nur sechs Meinungen, drei von deutschen und drei von ausländischen Schülern, aber durchaus repräsentativ für die gesamte Ethikgruppe. Und das nächste Thema wurde dadurch auch gleich gefunden, wie Elke Schott verrät: „In diesem Zusammenhang stachen mir die die Worte von dem Kolumnisten Dirk Ippen ins Auge, der schrieb: Nichts ist so geeignet, das Böse in der Welt zu befördern, wie gute Menschen, die wegschauen und nichts tun. Das wird wohl im nächsten Ethikunterricht eine Rolle spielen.”
Unser Bild oben zeigt den Großteil der Ethikgruppe Klasse 8 der Mittelschule Mühldorf mit Lehrerin Elke Schott (3. von links).
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