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22.08.2012 Niedertaufkirchen

Überlebenskünstler

Kater Nemo (1): Von Auto angefahren und nach Tagen gerettet


Foto: privat
Nemo (1) ist ein wahrer Überlebenskämpfer: Bei der Geburt fast erstickt, wurde er jetzt von einem Auto ­angefahren, schwer ­verletzt und nach Tagen gerettet

Der Volksmund behauptet, dass Katzen sieben Leben haben. Das Schicksal von Kater Nemo (1) mag diese These bestätigen. Aber der Reihe nach:

 

Es ist wohl einer der größten Albträume von Kindern, wenn ihr Lieblingstier weg ist. So war der Schreck von Vicky (13), Jonathan (11) und dem Nesthäkchen Elias (5) groß, als sie mit ihren Eltern Heike und Georg aus einem wunderschönen Kroatien-Urlaub nach Niedertaufkirchen zurückkehrten. Groß war die Freude auf das Wiedersehen mit ihrem Nemo – doch Nemo war nicht da. Nach einem Anruf bei Oma und Opa war klar, dass der Kater bereits mehrere Tage nicht daheim war.

 

Findet Nemo – unter diesem Motto suchte die Familie viele Stunden nach ihrem Liebling – im Bewusstsein, dass der Kater ein kleiner Kämpfer ist. Bereits unmittelbar nach seiner Geburt fand man ihn im letzten Augenblick zufällig unter einer Decke, wo er bereits zu ersticken drohte. „Er war das kleinste Tier seines Wurfes. Schon da gab man ihm kaum Überlebenschancen, zumal die Katzenmutter von einem Auto überfahren wurde, als die Kätzchen erst vier Wochen alt waren. Nemo setzte sich auch am Fressnapf bei seinen Katzengeschwistern immer wieder durch und wurde sehr zutraulich – ein richtiger Schmusekater und der Liebling der Kinder”, so der Opa Manfred Nieveler gegenüber dem Mühldorfer Wochenblatt.

 

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Viele Stunden dauerte die Suche nach dem geliebten Stubentiger durch die fünfköpfige Familie. Was nach dem Frühstück begann, endete mit einem Happy End kurz vor Sonnenuntergang. Mutter Heike hörte ein leises verzweifeltes Miauen. Minuten später war klar: Nemo wurde gefunden. „Er lag in einer Furche am Rande eines Maisfeldes, halb im Wasser und sah erbärmlich aus”, so Mutter Heike. Sein Fell war struppig und triefend nass, beide Hinterbeine vermutlich durch einen Zusammenstoß mit einem Auto, das Nemo ins Maisfeld schleuderte schwer verletzt.

 

„Ein Hinterbein hatte eine riesige Fleischwunde, in der schon die Maden krabbelten, das andere war gebrochen”, so Opa Manfred. Er mache sich große Vorwürfe, dass Nemo unter seiner Obhut – die Großeltern schauten bei den Kindern auf dem Bauernhof während des Urlaubs nach dem rechten – diese schwere Zeit durchleben musste. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass Nemo lange drei Tage und drei Nächte bei starker Sonne und gewaltigem Gewitterregen im Maisfeld gelegen hat. Aber Nemo hatte noch die Kraft zu rufen, als er merkte, dass Rettung nahte. Mit dankbaren Augen schaute er seine Retterin an.

 

Es bedurfte aber noch der ärztlichen Kunst der Tierklinik in Schönau bei Eggenfelden. Nach 22 Uhr konnte die Nachtwache Kater Nemo helfen, und beide Beinchen wurden gerettet, so dass der Stubentiger bald wieder laufen kann. Die Behandlung war sehr teuer, und so erklärten Jonathan und Vicky spontan ihr gesamtes Taschen- und Zeugnisgeld zu spenden, um das Leben von Nemo zu retten. Denn eines können die Kinder nicht verstehen, wenn Erwachsene behaupten, dass es billiger wäre, den Kater einzuschläfern.

 

Den großen „Rest” legten Opa Manfred Nieveler und Mama Heike drauf. Für den Opa, einen pensionierten Berufsschullehrer und Hobbymusiker, eine Herzensangelegenheit, nicht nur weil er Kater Nemo und seine Enkel über alles liebt, sondern auch aus der Tatsache heraus, dass der 72-Jährige nicht ganz unschuldig war. Und Nemo kann sich auch freuen, hat sich sein Überlebenswille doch am Ende für ihn ausgezahlt ...
 

Autor: Michael Kolpe
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