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30.07.2012 Deutschland
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Dabei sein ist alles


von Michael Kolpe

Was haben die Jungferninseln, die Malediven, San Marino oder aber Liechtenstein mit Deutschland gemeinsam? Nein, sie wurden nicht von einer Rating-Agentur auf Ramsch-Niveau herabgestuft. Viel schlimmer: Auch am Tag drei der Olympischen Spiele in London wartet Deutschland noch immer auf seine erste Medaille. Die schlechteste Bilanz seit 1968, und da gab es zu diesem Zeitpunkt erst sieben Entscheidungen.

 

Während Nordkorea, Usbekistan oder aber Kasachstan schon ihre Hymne hören durften, glänzt Deutschland bisher durch kollektives Versagen: Im Segeln „griechen”die Griechen an uns vorbei, beim Fechten sehen wir kaum einen Stich, beim Judo werden wir aufs Kreuz gelegt, beim Schießen ballern wir daneben und beim Schwimmen saufen wir (bisher) ab. Selbst beim Dressurreiten, der deutschen Domäne schlechthin, kommt es schon mal vor, dass sich der Hengst oder Wallach mehr für den Blumenkübel am Rande des Reitplatzes als für seine Piaffen interessiert. Unsere Schieß-Weltmeisterin im Skeet störte angeblich der Himmel, der durch die durchsichtige Hinterwand zu sehen war. Um eine Ausrede waren wir noch nie verlegen ... Haben wir etwa das olympische Motto „Dabei sein ist alles” zu wörtlich genommen?

 

Oder sind die Aussichten auf 15000 Euro Prämie für eine olympische Goldmedaille zu gering? Zum Vergleich: Aserbaidshan würdigt seine Sieger mit 640000 Euro, der Nachbarstaat Armenien gar mit 700000 Euro. Der Armenier Arsen Galstjan, der übrigens für Putins Russen die erste Goldene im Judo erkämpfte, wird sich wohl so richtig in den Allerwertesten beißen, denn Russland soll angeblich nur 140000 Euro zahlen.

 

Aber ich bin zuversichtlich, dass der „gordische Knoten” doch noch für Deutschland zerschlagen wird und wir in den kollektiven Freudentaumel abheben. Egal, wer die erste Medaille holt und sei es im Skeet oder Bogenschießen – er oder sie ist der Held schlechthin. Was auch Hoffnung machen sollte: Deutschland ist mit seiner Null-Bilanz nicht allein. Von den etwa 170 „Habenichtsen” hat Deutschland mit 392 Athleten mit Abstand die größte Delegation an Touristen. Einer wird schon das Gold-Ticket lösen ...

 

In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine schöne „Olympia-Zeit”!

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