14.10.2010
Landshut
17-Jähriger ist der Publikumsliebling auf dem Eis
Tobias Rieder – ein Landshuter rockt Kanada

Foto: lw
Die heimischen Cannibals dümpeln in den Niederungen der 2. Bundesliga vor sich hin, es herrscht Tristesse in der einstigen Eishockey-Hochburg Landshut. Nachvollziehbar ja, aber wenn man den Blick gen Übersee richtet, findet man doch noch einen Landshuter Kufencrack, dessen Name zur Zeit in aller Munde ist: Tobias Rieder.
Das 17-jährige Ausnahmetalent hat in der kanadischen Kleinstadt Kitchener (nahe Toronto) mit den dort beheimateten Rangers einen Traumstart hingelegt, von dem die Cannibals hierzulande nur träumen können. In den ersten sechs Saisonspielen der Ontario Hockey League (OHL) gingen die Rangers fünf Mal als Sieger vom Eis, Rieder gelangen dabei stolze elf Scorerpunkte (fünf Tore, sechs Assists). Ein Einstand nach Maß für den 17-Jährigen, der binnen kürzester Zeit zum neuen Publikumsliebling in Kitchener avanciert ist.
Zwar ist die Saison in der OHL noch jung, dennoch straft Rieder schon jetzt die vermeintlichen Experten hierzulande lügen, die seinem Wechsel nach Kanada im Vorfeld kritisch gegenüberstanden. Er sei noch zu jung, sagten die einen, in kanadischen Juniorenligen hätte sich bislang noch kein Deutscher durchsetzen können, sagten die anderen.
Ein einfaches Unterfangen dürfte es für einen 17-jährigen Burschen freilich nicht sein, das vertraute Umfeld hinter sich zu lassen und Tausende Kilometer entfernt in Kanada den Grundstein für eine erfolgreiche Karriere zu legen. „Als ich hier aus dem Flugzeug ausgestiegen bin, ging mir schon gleich durch den Kopf, dass das doch nicht alles so einfach ist“, erinnert sich Rieder. Mittlerweile hat er sich aber bestens akklimatisiert: „Ich habe nach wie vor viel Kontakt zu meiner Familie und Freunden in Landshut. Außerdem wurde ich von meiner Gastfamilie, bei der ich hier lebe, super aufgenommen, und auch mit meinen neuen Mannschaftskollegen unternehme ich sehr viel“, sagt der Ex-Kannibale.
„Ein absolut irres Gefühl“ sei es gewesen, als er vorm ersten Heimspiel vom Stadionsprecher aufs Eis gerufen wurde. Dass ihm bei seiner Premiere auch gleich noch sein erstes Tor gelang, rundete den perfekten Einstand natürlich noch ab. „Das ist einfach eine Wahnsinnskulisse. Bei jedem Heimspiel sind hier 7.000 Zuschauer“, so Rieder.
Wer sich davon selbst überzeugen möchte, sollte sich die beiden Filme ansehen. Bei letzterem wird die Eishockeyhoffnung nach 6:45 Minuten aufs Eis gerufen. Okay, an der Aussprache („Ländschatt“) sollte der Stadionsprecher noch arbeiten, trotzdem fiebert man schon hier mit dem Landshuter Jungspund mit.
Autor: Matthias Jell/ad
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