18.12.2015 Landshut

Vom Wüstenstaat ins kühle Nass

Schwimmen für Flüchtlinge: Wolfgang und die "Wassernudeln"


Foto: Graf
Der Landshuter Schwimmclub 53 bringt jungen Flüchtlingen aus Syrien im Lehrbecken der Grundschule St. Wolfgang Schwimmen bei.

Arme und Beine bewegen sich ein wenig hektisch. Und setzt im Schwimmbad mal etwas „Seegang“ ein, werden die Köpfe noch mit aller Kraft über Wasser gehalten. Sieht man allerdings von diesen anfängertypischen Eigenarten ab, geben die sechs syrischen Teenager, denen der Schwimmclub 53 seit Anfang Oktober das Schwimmen beibringt, bereits passable „Wasserratten“ ab. Unter der väterlichen Aufsicht von Wolfgang Bovensiepen bekommen die Flüchtlingskinder, die zwischen zwölf und 16 Jahre alt sind, einmal in der Woche Unterricht im Lehrschwimmbecken der Grundschule St. Wolfgang.

 
 
„Die Jungs haben viel Spaß im Wasser und sind sehr willig, zu lernen“, freut sich Bovensiepen. Der Rentner, der seit 1960 Mitglied im SC 53 ist und seit 1971 Schwimmkurse gibt, ist wahrscheinlich Landshuts dienstältester „Bade-Instruktor“ – und ein sehr guter obendrein. Fällt einem seiner Schützlinge das Gleiten auf der Wasseroberfläche plötzlich zu schwer, schnappt sich Bovensiepen einfach eine bunte „Wassernudel“ und wickelt sie dem „Lehrling“ um die Hüften. Durch die Schaumstoffhilfen werden auch die blutigsten Anfänger zu mutigen „Albatrossen“ und lernen, die Angst vor Wasser abzubauen.
 
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Auf die Idee, einen Schwimmkurs für junge Flüchtlinge anzubieten, kam der SC 53 durch eine Anfrage der AWO sowie zahlreiche Schlagzeilen, in denen Asylbewerbern fehlende Schwimmfertigkeiten zum Verhängnis wurden.
 
 
Schwimmkurs soll Tragödien verhindern
 
 
Pressewart Hartmut Kuhnert zum Wochenblatt: „Als wir davon erfuhren, dass diese Menschen immer wieder in Baggerseen und Seen ertrinken, haben wir uns im Verein dazu entschlossen, Hilfe zu leisten und Schwimmkurse anzubieten.“ Diese Hilfe findet seit Oktober in Form eines Pilotprojektes statt, das von der Stadt und der Caritas unterstützt wird. Am 18. Dezember findet die vorerst letzte von insgesamt zehn 45-minütigen Unterrichtseinheiten statt. Ob es im Frühjahr einen weiteren Schwimmkurs für Flüchtlinge geben wird, will der SC 53 erst in den nächsten Tagen entscheiden. Hier spielt freilich auch die Zukunft des Wolfgangsbades eine entscheidende Rolle. Bovensiepen stünde jedenfalls für eine Neuauflage bereit. „Auf jeden Fall würde ich den Kurs gerne weitermachen“, erklärt der 68-Jährige mit nassen Haaren und einem breiten Grinsen im Gesicht.
 
 
Zu viel Freude bereitet Bovensiepen die Arbeit mit den jungen Menschen, die bereits so gut Deutsch sprechen, dass die Kommunikation zwischen dem Niederbayern und den Schülern aus Vorderasien kein Problem mehr ist. Und falls doch mal etwas unklar sein sollte, steht immer noch ein Dolmetscher zur Seite – oder Bovensiepen geht einfach mit gutem Beispiel voran, zieht seine Bahnen durchs Wolfgangsbad und steckt alle mit seiner guten Laune und der Freude an Bewegung an. Schließlich soll der Schwimmkurs nicht nur Leben retten, sondern auch jede Menge Spaß bereiten.
Autor: Alexander Graf

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