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11.12.2013 Landshut/Ergolding

Ergoldinger Baumarkt seit 30.11. dicht – Marktleiter hält die Stellung

Praktiker: Mitarbeiter hoffen aufs Wunder vor Weihnachten

Ein trostloser Anblick: Vom Ergoldinger Praktiker-Baumarkt sind nur leere Regale übrig geblieben.
Foto: Tobias Grießer
Der Praktiker-Baumarkt ist Ergolding ist seit 30. November dicht – und trotzdem haben die 45 Mitarbeiter die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sich vielleicht doch noch ein Investor oder Betreiber findet, der den rund 7.000 Quadratmeter großen Markt übernehmen will.

Die Informationen, die Marktleiter Rudolf Barth in den vergangenen Monaten aus der Zentrale in Hamburg und vom Insolvenzverwalter bekam, waren überaus dürftig. Barth zum Wochenblatt: „Das Einzige, was wir wussten, war, dass zum 30.11. zugesperrt wird. Aber bis heute gibt es keine Info, ob und wie es weitergeht.“

 

Ihr überaus dürftiges Wissen müssen sich Barth und seine Mitarbeiter – die seit 1. Dezember übergangsweise in eine Transfergesellschaft gewechselt und arbeitslos sind – mühsam aus der Zeitung oder dem Internet zusammensammeln. „Einige Standorte wurden ja bereits von Hornbach, OBI oder Hagebau übernommen. Mit uns spricht aber niemand, was mit unserem Markt passiert“, so der frustrierte Marktleiter. Und Barth geht noch weiter: „Wir haben nicht das Gefühl, dass irgendjemand versucht, unseren Standort wirklich weiterzubringen. Wir fühlen uns vom Insolvenzverwalter regelrecht im Stich gelassen.“

 

Die Transfergesellschaft unterstütze die Angestellten neben der Arbeitsagentur, um irgendwo unterzukommen, so Barth. Aber nicht recht lange. Er sei seit 20 Jahren bei Praktiker beschäftigt – und ihn werde die Transfergesellschaft zum Beispiel nur vier Monate unterstützen. „Eine verdammt kurze Galgenfrist!“ Danach sei er arbeitslos.

 

„Außer mir ist jetzt keiner mehr da“. Zu tun hat Barth, der als Einziger bis zum 31. Dezember beschäftigt ist, allerdings schon jetzt nicht mehr viel. Der Baumarkt, der in Landshut seit rund 28 Jahren besteht und immer gut lief – „stets mit schwarzen Zahlen, trotz der Mitbewerber direkt vor der Haustür“ – ist bereits abverkauft und leer geräumt. Es stehen nur mehr die leeren Regale, die Einkaufswagen und sonstiges Inventar herum.

Geöffnet ist nicht mehr, der letzte Kunde ist längst weg - der Praktiker-Markt ist geschlossen.
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Geöffnet ist nicht mehr, der letzte Kunde ist längst weg - der Praktiker-Markt ist geschlossen.

Am Donnerstag werde zudem die EDV abgebaut, Computer und Telefone werden abgeholt. Dann gibt‘s für Rudolf Barth wirklich nichts mehr zu tun. Ab und zu würden einige seiner Mitarbeiter im Baumarkt vorbeikommen, „wenn sie mein Auto draußen stehen sehen.“ Aber mit neuen Informationen könne er nicht dienen. Barth: „Aber man sieht, welch ein tolles Team wir sind. Das zeigt auch die Tatsache, dass bis zum letzten Tag keiner meiner Leute gekündigt hat. Die Kollegen haben ihren Job geliebt.“

 

So kurios es klingt, aber Rudolf Barth und vieler seiner Mitarbeiter hoffen immer noch: „Wir bräuchten nur jemanden, der hier einen Baumarkt machen will. Das Team steht parat – egal, ob Huber oder Meier draußen draufsteht, ob wir grüne oder rosa T-Shirts tragen. Wenn wir nichts können – aber wir können Baumarkt!“

Er lege für seine Mitarbeiter die Hand ins Feuer und sei sich sicher, dass jeder das Letzte gebe, wenn in Ergolding ein neuer Baumarkt betrieben werde. Rudolf Barth: „Es wäre für alle das schönste Weihnachtsgeschenk, sollte sich doch noch ein Nachbetreiber finden. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt!“

 

Holger Voskuhl, Pressereferent des Heidelberger Rechtsanwalts und Insolvenzverwalters Christopher Seagon, zeigt sich auch dem Wochenblatt gegenüber äußerst wortkarg: „Wenn es etwas mitzuteilen gibt, teilen wir das zu gegebener Zeit schon mit.“ Im Fall Ergolding liege es laut Voskuhl nicht einzig am Insolvenzverwalter. „In vielen Fällen spielt der Vermieter das Zünglein an der Waage.“ Wie es genau um den hiesigen Praktiker-Baumarkt steht, konnte oder wollte Voskuhl nicht sagen.

 

Das Makabere an der Sache: Laut Rudolf Barth würden sich noch täglich Kunden bei ihm melden. Barth zum Wochenblatt: „Die fragen nach Weihnachtsdeko, Christbaumständern und Lichterketten...“

Autor: Tobias Grießer

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