26.01.2012 Landshut
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Der Kommentar der Woche

Portion Humor und viel Leidensfähigkeit

Der Landshuter Stadtrat.
Foto: Tobias Grießer
„Jedes Ding hat drei Seiten – eine positive, eine negative und eine komische.“ Das sagte einst Karl Valentin. Und seine weisen Worte helfen mir des öfteren, manche Angelegenheit nicht allzu bierernst zu nehmen. Nur mit einer gewissen Portion Humor – und einem Schuss Leidensfähigkeit – sind teilweise Sitzungen des Landshuter Stadtrats (wahlweise auch des Bau-, Verkehrs-, Liegenschafts- oder Umweltsenats etc.) zu überstehen.

Nüchterne Prognosen hinsichtlich des bevorstehenden Zeitkorridors in den heiligen Hallen des Rathauses sind äußerst schwer bis schier unmöglich. So kann man durchaus bei fünf Tagesordnungspunkten, die auf vier gestrafft werden, sein blaues Wunder erleben. So wie am vergangenen Freitagnachmittag.

 

Dass die Herren und Damen Stadträte beim Punkt „Unterstützung der Resolution des Marktes Ergolding zum Weiterbau der B15 neu südlich der A92“ eine Grundsatzdiskussion par excellence ins Leben rufen, war ursprünglich nicht abzusehen. Und überraschte die Stadtväter und -mütter wohl auch selbst.

 

Allerdings wollte niemand mit seiner – überwiegend bereits seit längerem bekannten und mehrfach vorgetragenen – Meinung hinterm Berg halten. „Wortzerklauberer“ Valentin hätte wohl seine helle Freude und reichlich Futter fürs nächste Bühnenprogramm gehabt. Das Sprichwort „Reden bringt die Leute zusammen“ traf allerdings in keinster Weise zu.

 

Vielmehr trifft – und hier halte ich es neuerlich mit Valentin – der Spruch „Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen“ den Nagel auf den städtischen Kopf. Wie sagte 3. Bürgermeister Gerd Steinberger so treffend: „Hier wird endlos geredet – Hauptsache die Zeit vergeht!“ Aber zum Schweigen konnte er sich dann freilich auch nicht durchringen. Frei nach Valentin: „Mögen hätt’ er schon wollen, aber dürfen hat er sich nicht getraut.“

 

Wenn man bedenkt, dass die Stadträte bereits vor den Sitzungen in ihren Fraktionen die Themen diskutieren, mag man sich gar nicht vorstellen, wie es sonst im Plenarsaal zugehen würde. Ob es allerdings irgendwann besser – sprich: zielgerichteter – wird, wage ich zu bezweifeln. „Sicher ist, dass nichts sicher ist; drum bin ich vorsichtshalber misstrauisch!“ (auch Karl Valentin) und: „Heute ist die gute, alte Zeit von morgen“ (sowieso Valentin) erwecken übelste Befürchtungen hinsichtlich bevorstehenden Zeitdiebstahls. „Hoffentlich wird es nicht so schlimm wie es schon ist“ (natürlich auch von Karl Valentin). Aber die Hoffnung stirbt zuletzt…

 

Zusammenfassend sei gesagt, dass es seit längerem einen nach wie vor gültigen Plenumsbeschluss pro B15neu gibt und folglich auch 31 von 39 Stadträten – nach weit über einer Stunde – dafür stimmten, die Ergoldinger Resolution zu unterstützen.



Autor: Tobias Grießer

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