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20.07.2012 Landshut

Warum eine eigentlich langweilige CSU-Veranstaltung doch ganz interessant war

"Lieber Herbert, vielen Dank für deine Anmerkung"

Herbert Huber auf der Kreishauptversammlung
Foto: Schmid
Eigentlich war es ein langweiliger Termin: Die CSU wählte auf ihrer Kreishauptversammlung am Donnerstag im Bernlochner in Landshut die Delegierten, die wiederum den Landtags- und Bundestagskandidaten mitbestimmen dürfen. Doch dann ergriff Ex-Staatssekretär Herbert Huber das Wort.

Erst lief alles ab wie immer. Der Kreisvorsitzende der Landshuter CSU, Helmut Radlmeier begrüßt, alles klatscht. Radlmeier gibt einen Rückblick auf CSU-Aktivitäten, Applaus. Radlmeier will die Wahl ankündigen, wieder klatschen die Leute. Doch dann steht plötzlich Herbert Huber, ehemaliger Staatssekretär und einer aus der alten CSU-Garde, auf. Alles ist still.

"Wer kandidiert jetzt eigentlich für was?", will Huber wissen. Man habe zwar einiges aus den Medien erfahren, er würde aber gerne direkt von der Parteispitze informiert werden. Das sei bisher nicht passiert. Bevor die Delegierten gewählt würden, so Huber, hätte er gerne die Zusage, dass die CSU-Mitglieder in einer eigenen Veranstaltung über die Pläne, wer welches Mandat bekleiden solle, informiert würden.

 

Hubers Auftritt wirkte befremdlich, drückte aber eines ganz gut aus: Die Unzufriedenheit von großen Teilen der Parteibasis mit der Führungsarbeit des Kreisvorsitzenden. Immerhin hatte er den Mut, das offen vor versammelter Mannschaft auszusprechen, was viele denken. Und das ist wohl: Schluss mit Mauschelei und Postengeschachere hinter verschlossenen Türen!

 

Radlmeier reagierte sichtlich unsicher darauf. "Lieber Herbert, vielen Dank für deine Anmerkung", erklärte er am Mikrofon und erzählte etwas in der Art, dass heute die Delegierten gewählt würden, redete von einer "ganz normalen Prozedur" und davon, dass es "nicht mehr oder weniger" sei. Die Delegierten aus der Stadt und dem Landkreis Landshut sowie aus Kelheim würden dann im Oktober die Kandidaten wählen.

 

Schließlich schnappte sich Oberbürgermeister Hans Rampf sein Sakko, ging auf die Bühne, half Radlmeier aus der Patsche und sprach Klartext: Die CSU in Stadt und Landkreis hätten sich darauf verständigt, dass Radlmeier als Direktkandidat  für den Landtag und Gertraud Goderbauer als Kandidatin für den Bundestag ins Rennen geschickt würden. Punkt. Und Rampf kündgte noch etwas an: "In den nächsten Wochen werde es eine Mitgliederversammlung geben, auf der "noch einiges geklärt" werden würde.

 

Hubers Wortmeldung war natürlich zu erwarten. Denn in der CSU haben sich längst mehrere Lager gebildet. Und so harmlos und befremdlich sie daherkam, sie reichte aus, um Radlmeiers Führungsschwäche offen zu legen. Dass der Oberbürgermeister von Landshut ihm aus der Patsche helfen musste, wirft nicht gerade ein vorteilhaftes Licht auf den Kreisvorsitzenden. Hintergrund der Angelegenheit ist, dass in der CSU gerade ein Machtkampf ausgefochten wird. Vielen passt es nicht, dass Radlmeier ein Mandat nur deshalb für sich beansprucht, weil das einem Kreisvorsitzendem nunmal zusteht. Auch sehen viele es als die falsche Taktik an, ein überregionales Mandat nur als Sprungbrett für die Oberbürgermeisterwahl nutzen zu wollen. "Wenn man nur für zwei Jahre in den Landtag will, dann ist das unglaubwürdig", so ein CSU-Mitglied am Rande.

Autor: Alexander Schmid

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