01.02.2012 Landshut
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Ein Stadtrat und sein dringendes Bedürfnis

"Landshut braucht die nette Toilette"

Dult-Toilette
Foto: Schmid
Stadtrat Ludwig Zellner hat die Nase voll von versifften öffentlichen WCs. Seine Lösung: Die "nette Toilette". Die kostet weniger und ist in anderen Städten schon ein Erfolgsmodell.

Man kennt das ja: Einkaufen in der Stadt, stundenlanges Shoppen und Bummeln, da bekommt man nicht nur Hunger, sondern muss auch ganz anderen dringenden Bedürfnissen nachgehen. Dafür gibt’s öffentliche Toiletten wie auf der Dult oder hinter dem Rathaus. Die kosten die Stadt nicht nur jede Menge Geld, sondern es gibt auch andere Probleme. „Die stinken doch, dass es dich rückwärts umhaut“, bringt es CSU-Stadtrat Ludwig Zellner auf den Punkt. Deshalb hat er sich was ausgedacht: Warum nicht eine Idee aufgreifen, die in vielen anderen Städten längst erfolgreich praktiziert wird und auch hier in Landshut die „nette Toilette“ einführen? Am Montag befasste sich der Verwaltungssenat mit Zellners Antrag. Das Prinzip der netten Toilette ist einfach: Gaststätten oder auch Geschäftsleute stellen ihre stillen Örtchen nicht nur ihren Kunden und Gästen, sondern jedem zur Verfügung. Weil das in Sachen Reinigung und Unkosten einen Mehraufwand bedeutet, werden die Teilnehmer der Aktion von der Stadt finanziell unterstützt.

 
Das Beispiel rechnet sich. Neue Toilettenhäuschen bzw. ihre Sanierung einschließlich vandalensicherer Edelstahlausführung kosten mal schnell so viel wie ein Einfamilienhäuschen (siehe Dult-WC). Die Pflege bzw. Reinigung ist zudem extrem teuer. 
Die Stadt Aalen, die das System erfunden hat, kann das mit eindrucksvollen Zahlen belegen. 130.000 Euro kostete sie der Neubau eines WC-Häuschens. 40.000 Euro pro Jahr kommen an Reinigungs- und Wartungskosten dazu. Die nette Toilette, sprich die Zuschüsse, die sie an die teilnehmenden Gastwirte zahlt, schlagen dagegen insgesamt nur mit 17.000 Euro zu Buche.
In Deutschland wenden schon zig Städte die Idee an (www.die-nette-toilette.de) – und alle sind zufrieden. Die Städte, weil sie nicht mehr so hohe Kosten haben, die Gastwirte, weil sie einen Zuschuss und im Zweifelsfall neue Gäste in ihre Lokale bekommen und natürlich die Toilettenbesucher, die gepflegte und saubere Toiletten überall in der Stadt vorfinden, in denen es wenig bis gar keinen Vandalismus gibt, weil ja ständig jemand ein Auge auf das Örtchen hat. Lokale und Geschäfte, die sich dem Verbund anschließen, bekommen zudem ein Hinweisschild, das sie als Teilnehmer der Aktion ausweist.
 
Für die Stadt Landshut würde das laut Verwaltung bedeuten, dass sie für zehn „nette Toiletten“ einen Aufwand von rund 6.000 Euro pro Jahr hätte. Kein Vergleich zu den Kosten für den Betrieb einer normalen öffentlichen Toilette. In Würzburg zahlt die Stadt für eine einfache „nette Toilette“ dem Betreiber 50 Euro monatlich, für eine behindertengerechte oder eine mit Wickeltisch 75 Euro, für behindertengerechte WCs mit Wickeltisch gar 100 Euro.
 
Für Ludwig Zellner jedenfalls ist das eine Spitzenidee. „Auch die Leute müssen kein schlechtes Gewissen mehr haben, wenn sie in einem Lokal auf die Toilette gehen, obwohl sie kein Gast waren.“
Der Verwaltungssenat fasste den Beschluss, dass jetzt die Bereitschaft der Gastwirte erfragt wird. Falls ja, dann könnte es auch schon bald in Landshut die „nette Toilette“ geben.
 
Braucht Landshut eine nette Toilette? Stimmen Sie hier ab.


Autor: Alexander Schmid

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