18.01.2012
Landshut
„Es geschehen noch Zeichen und Wunder“
Ein Happy End im Kampf um den Stacheldrahtzaun

Foto: cb
Am Montag wurde der Natozaun beseitigt, Nachbar Friedrich Weimar ist zufrieden.
„Es geschehen noch Zeichen und Wunder.“ Rentner Friedrich Weimar (69, Bild o.) ist erleichtert. Denn der Stacheldrahtzaun, eines der letzten militärische Relikte am Gelände der ehemaligen Schochkaserne, ist weg. Am Montag wurden über 400 Meter des teilweise mit Rasiermesserscharfen Mini-Klingen ausgestatteten, so genannten Natozäune von Mitarbeitern einer Fachfirma beseitigt.
Weimar ist unmittelbarer Anlieger des ehemaigen Kaserneareals. Als seine Katze Lilly sich Ende August vergangenen Jahres an dem Stacheldraht schwer verletzte, ging er auf die Barrikaden (das Wochenblatt berichtete exklusiv). Er kämpfte für die Beseitigung der Zäune und wollte Schadenersatz für seine Tierarztrechnung. Denn: „Natozaun und Stacheldraht haben in der Stadt definitiv nichts verloren“, so der Tierliebhaber damals. Von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, der Eignerin der ehemaligen Schochkaserne, kassierte Weimar nichts als Abfuhren.
Zunächst wandte sich der Kasernenanwohner an das Landshuter Büro der Eigentümerin und wurde brüsk abgeschmettert. Der Stacheldrahtzaun stelle „für Menschen keine Gefahr dar“; er verhindere das Übersteigen der Zäune, was „aus Verkehrssicherheitsgründen so gewünscht“ sei.
Weimar ließ nicht locker, schaltete einen Anwalt ein und wandte sich direkt an die Zentrale der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in Bonn. Mit Antwort vom 9. Dezember erklärte Dr. Jürgen Gehb, Sprecher des Vorstands der Bundesanstalt: „Es handelt sich um eine ehemalige militärische Liegenschaft, von der vielfältige Gefahren ausgehen können und die mit verschiedenen ungenutzten Gebäuden versehen ist, die vor Vandalismus geschützt werden müssen.“
Müssen sie? Die neue Besitzerin der ehemaligen Schochkaserne, die Stadt Landshut, sieht das offenbar ganz anders. Als erstes musste unter ihrer Regie der komplette Stacheldrahtzaun an der Ecke Kasernenstraße/ Schönaustraße dran glauben.
Eine Maßnahme, die offensichtlich zur Chefsache erklärt wurde. Für die Stadt stehe „vor allem der Sicherheitsaspekt im Vordergrund“, so Oberbürgermeister Hans Rampf bei einem Vor-Ort-Termin am Montag gemeinsam mit dem Leiter Liegenschaften und Wirtschaft, Johann Winklmaier, Stadtkämmerer Rupert Aigner und Otmar Müller von der Fachfirma Haun KG. Zur Demontage des Zauns war schweres Gerät vonnöten: Aufgrund der speziellen Stacheldraht-Konstruktion kam neben Flex und Bolzenschneider auch ein Bagger zum Einsatz. Mögliches Gefahrenpotenzial wolle man auch angesichts der zunehmenden Bebauung im Vorfeld ausschließen, ergänzte Rampf.
Was Weimar stutzig macht: „Das hätte man mir doch auch schon am 9. Dezember sagen können, dass die ehemalige Schochkaserne an die Stadt verkauft wird und sich auch in Sachen Stacheldraht bald etwas tut.“ Der Rentner will allerdings nicht groß nachkarten: „Meine wichtigste Forderung ist erfüllt und die Tierarztrechnung kann ich mir gerade noch selber leisten.“
Ohnehin sieht er eher die Vorteile seines Kampfes gegen des Stacheldraht: „Das hat mir gezeigt, dass man als Einzelner doch etwas bewegen kann.“ Nachdem er sich mit seiner Geschichte an das Wochenblatt gewandt habe, habe er er ebenfalls viel spontanen Zuspruch und Aufmunterung vor allem von Nachbarn und Bekannten erhalten. Immer wieder haben mir die Leute gesagt: „Sie haben Recht; machen Sie weiter.“
Was passiert nun auf dem 25.000 Quadratmeter großen Areal? Die ehemaligen Kasernengebäude werden auf Kosten des Bundes abgerissen. Danach sollen dort Ein- und Zweifamilienhäuser sowie zwei dreigeschossige Blocks entstehen. Der Stacheldrahtzaun ist weg; nun darf sich Rentner Friedrich Weimar auf neue Nachbarn freuen.
Autor: Christian Blümel
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