26.01.2012
Furth, Landshut
Ein ganz besonderer runder Geburtstag in Furth
Anna Heigl: Mit 100 Jahren sind ihre Beine (fast) wie neu

Foto: pm
Hochbetagte Jubilarin empfing an ihrem Geburtstag den Mann, der ihr die Beine gerettet hat.
Schwere Durchblutungsstörungen sind auch im hohen Alter heilbar. Das ist die Botschaft von Dr. Hans-Peter Dinkel nach seinem Besuch bei seiner Patientin Anna Heigl zu ihrem 100. Geburtstag im Caritas Alten- und Pflegeheim in Furth. „Vor 15 bis 20 Jahren hätte man Frau Heigl den Unterschenkel noch amputieren müssen“, so der Chefarzt der Klinik für diagnostische und interventionelle Radiologie im Klinikum Landshut. Bei der Jubilarin kam es anders…
Sie kam im Alter von 95 Jahren erstmals wegen einer schweren Durchblutungsstörung und einem offenen Bein nach Landshut ins Klinikum. Wegen arterieller Geschwüre am Unterschenkel drohte eine Amputation. Alle Arterien waren entweder vollständig oder beinahe vollständig verschlossen. Ein gefäßchirurgischer Eingriff war nicht möglich.
Zwischen April 2007 und Dezember 2011 hatte Dinkel mehrere Eingriffe mit Kathetern vorgenommen und dabei diverse Methoden angewendet. So hatte er mit Ballons die Gefäße erweitert und mehrere Stents eingesetzt, also Metallprothesen, die verengte Arterien offen halten.
Zuletzt kamen dabei sogar modernste medikamentenbeschichtete Stents und Ballons zum Einsatz, die direkt an der inneren Oberfläche der kranken Gefäße hochwirksame Medikamente abgeben, um ein Wieder-Verschließen der Adern zu verhindern. Betreut wurde die Patientin dabei jeweils vom gesamten Team des Gefäßzentrums in Zusammenarbeit mit den Gefäßchirurgen um Chefarzt Dr. Georg Schober und den Pflegekräften der Gefäßstation 4a.
Nachdem die Arterien wieder frei waren, bildeten sich die Geschwüre wieder zurück und die offenen Wunden heilten ab. So konnte der Unterschenkel gerettet werden. „Das habe ich Ihnen zu verdanken“, so Anna Heigl beim Besuch ihres Arztes.
Als spezielles interventionelles Zentrum führen Radiologen und Gefäßchirurgen jedes Jahr viele Hundert Eingriffe dieser Art im Landshuter Klinikum durch. Gerade für ältere Patienten seien diese Eingriffe sehr schonend, heißt es in der aktuellen Presseinfo zum 100. Geburtstag von Anna Heigl. Es sei keine Narkose nötig und die Patienten erlitten keine Schmerzen. Eine örtliche Betäubung reiche aus.
Für die Familie Heigl ist Dinkel ein Glücksfall gewesen. Bis zum September 2011 hatte die Familie ihre Omi noch bei sich zu Hause, bevor sich die Tochter allmählich überfordert sah und ihre Mutter in die professionellen Hände des Caritas-Altenheims in Furth übergab. Ohne die erfolgreichen Eingriffe hätte die Familie die geliebte Oma wohl früher abgeben müssen.
Tochter Gisela Dregelyi will mit der Krankengeschichte ihrer Mutter vor allem anderen älteren Menschen Mut machen und mahnt, mit den älteren Angehörigen möglichst frühzeitig zum Arzt zu gehen. Lasse man sich zu lange Zeit, helfe auch die modernste Technik nicht mehr weiter.
Anna Heigl fühlt sich im Heim mittlerweile pudelwohl und hat sich sehr darüber gefreut, ihren Arzt auch einmal außerhalb des Klinikums zu sehen. Dinkel hat sich ebenfalls gefreut und sich bereits zum 101. Geburtstag angekündigt.
Autor: cb
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