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18.09.2012 Landshut

Viel zu teuer, technisch unmöglich – und doch wird investiert

Landfahrer: Stadt pumpt doch Geld in ungeeigneten Standplatz

»Landfahrer», Sinti und Roma in Auloh
Foto: Stolzenberg
Eigentlich ist die Sache klar: Berggrub ist als Standplatz für Landfahrer denkbar ungeeignet, auch wenn man sich im Liegenschaftssenat schon dreimal für diese Lösung ausgesprochen hat. Doch dem Landshuter Stadtrat ist das offenbar egal und er macht die Geldbörse auf.

 

Statt der ursprünglich vorgesehenen rund 30.000 Euro will man jetzt bis zu 200.000 Euro investieren, obwohl das Baureferat den Platz gleich aus mehreren Gründen für absolut ungeeignet hält. Ein entsprechender Entschluss wurde am Freitag im Rathaus gefällt.
Wie jetzt in der Stadtratssitzung am Freitag bekannt wurde, müssten für einen 5.000-Quadratmeter großen Platz bei der JVA rund 280.000 Euro investiert werden.
 
Der Grund für die Kostenexplosion ist, dass es wohl nicht damit getan ist, einfach nur etwas Erde auf die Seite zu schieben und eine 3.000 Quadratmeter große Fläche zu schaffen, wie man sich das so schön im Liegenschaftssenat ausgemalt hatte.
Zählungen beim letzten Aufenthalt der Landfahrer im Juni bei Auloh (Foto) hatten nämlich ergeben, dass man wohl nicht nur mit etwa 30 Gespannen, sondern eher mit 60 Wohnwagengespannen rechnen müsse. Der Platzbedarf für die Landfahrer würde sich damit auf 5.000 bis 6.000 Quadratmeter erhöhen, führte Baureferatsleiter Johannes Doll aus.
 
Die Kosten für die Erdarbeiten würden sich damit auf 150.000 Euro belaufen, die nötige Regenwasserbeseitigung über eine Sickeranlage würde 100.000 Euro kosten, Strom- und Wasserkosten würden auf 30.000 Euro kommen. Ohne einen expliziten Haushaltsansatz, den es nicht gibt, sei das Ganze nicht realisierbar.
 
Außerdem gibt es massive technische Probleme. Die notwendige Abwasserbeseitigung in Berggrub sei aufgrund eines fehlenden Kanals technisch nicht realisierbar, wie es in der Sitzungsvorlage der Verwaltung hieß. Eine Kläranlage aber würde, wegen der nur wenigen Tage dauernden Aufenthalte, nicht funktionieren. Selbst mobile Toiletten wären nur schwer zu organisieren – und teuer.
 
Doch dem Großteil der Stadträte ist das egal. Sie wollen an dem Standort festhalten. Vor allem auch, weil die Auloher Stadträte Rudi Schnur und Helmut Radlmeier (CSU), aber auch Erwin Schneck (FW) befürchteten, dass es massiven Widerstand in dem Stadtteil geben werde, wenn man einen von der Verwaltung anvisierten Standplatz in der Nähe der Gretlmühle realisiere. „Das ist die Rache der Verwaltung“, so Schnur in der Sitzung am Freitag zu diesem Vorschlag.
 
Schließlich einigte man sich darauf, in Berggrub zu bleiben und – entgegen der Empfehlung der Verwaltung – bei einem nur 3.000 Quadratmeter großen Standplatz zu bleiben, auf Strom- und Wasseranschlüsse zu verzichten.
 
Doch auch diese Variante wird Landshut wohl immer noch knapp unter 200.000 Euro kosten. „Dann muss man auch den Mut haben, das in den Haushalt zu bringen“, so Oberbürgermeister Hans Rampf. Den Mut hatten die Stadträte, obwohl man ja eigentlich sparen wollte.
 
Der Standplatz in Berggrub bleibt – entgegen der Meinung der Experten vom Baureferat.

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