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17.10.2012 Landshut

Kommentar der Woche

Oberbürgermeister allein zu Haus

Landshuts Oberbürgermeister Hans Rampf (li.) fand am Sonntag nur Trost bei seinen Stadtbediensteten.
Foto: Alexander Schmid
Landshut hat sich entschieden – und zwar gegen die Westtangente und gegen den Burgaufzug. Damit hat auch OB Hans Rampf doppelten Schiffbruch erlitten. Kein Wunder allerdings, schließlich hatte die Mannschaft ihren Kapitän schon vorher verlassen. Welcher CSUler hat in diesen zwei wichtigen Fragen sonst noch vorher klare Kante gezeigt?

Auch nach längerem Überlegen fällt mir niemand ein. Stattdessen trifft man die Bürgervertreter gerne bei Haferlmarkt- und Gehweg-Eröffnungen, Dult-Stammtischen, der Abschlussfeier der Fußball-Hobbyliga oder beim Benefiz-Rhönradturnen. Warum hat die Landshuter CSU nicht vorher deutlich gemacht, was man will oder eben nicht will?

 

Hans Rampf kann man nicht vorwerfen, dass die Bürger nicht gewusst hätten, was er vorhat und wohin seine Vorstellungen einer zukunftsträchtigen Stadt gehen. Rampf wurde mit mehr als 60 Prozent souverän als OB wiedergewählt – obwohl die Bürger wussten, für was er eintreten wird.

 

Er hat jetzt eine ganz andere „Baustelle“ – hausintern sozusagen: Der CSU-Mann stand am Sonntagabend ziemlich allein und verlassen im Sitzungssaal, um die Ergebnisse (und damit die Watsch’n der Bürger) auf sich hereinprasseln zu lassen. Rückendeckung der eigenen Partei: Fehlanzeige! Eine starke schwarze Schulter zum Anlehnen sucht man bei der CSU schon länger hilf- und ergebnislos.

 

Kein einziger CSU-Stadtrat fand am Sonntagabend den Weg ins Rathaus. Einige waren natürlich auf anderen Terminen unterwegs, zum Beispiel beim Festakt zum Jubiläum des Landestheaters in Passau. Aber dass es sich von der Partei- bzw. Fraktionsspitze nicht organisieren ließ, überhaupt jemanden hinzuschicken, ist enttäuschend und sogar eine Frechheit dem OB und auch den Bürgern gegenüber. Einfach abzutauchen ist auch eine Art sich unantastbar zu machen.

 

Überhaupt hätte man sich im Vorfeld der Diskussionen und Debatten mehr klare Meinungen aus dem Stadtrat gewünscht. Grüne und ödp waren – quasi traditionell – gegen beide Projekte. Und sonst? Nur gaaanz wenige zeigten Profil. Darunter eben auch Hans Rampf. Er hat sich damit natürlich angreifbar gemacht.

 

Aber wo war die CSU-Spitze? Hat man sonst keine echte Meinung? Oder sagt man diese lieber erst nachher, nicht dass plötzlich Gegenwind aus der Bevölkerung kommt? Oder hat gar Überschall-Mann Felix Baumgartner die Landshuter CSU mit seinem Rekordflug im schwarzen Loch versenkt?

 

Die eigene Partei ist von Hans Rampf abgerückt. Die gerade bei der CSU gerne viel zitierten geschlossenen Reihen finden sich nirgends. Erinnern sich an „Kevin – Allein zu Haus“? Der OB dürfte sich am Sonntagabend im Rathaus ähnlich einsam gefühlt haben.

Autor: Tobias Grießer

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