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02.09.2012 Landshut

Dreister Betrug

Kieselsteine statt iPhone 4


Sogar ein Sachverständigengutachten war notwendig, ehe sich eine 35-jährige Gelegenheitsarbeiterin aus Landshut geschlagen gab und den Betrug einräumte: Sie hatte statt eines iPhones einem Internetkunden Kieselsteine geliefert.

Vor der 2. Strafkammer des Landgerichts handelte sie sich dafür eine Geldstrafe von 800 Euro ein. Auf einer Internet-Plattform hatte die Gelegenheitsarbeiterin, die von Sozialhilfe lebt und sich als Ausfahrerin ein paar Euro nebenbei verdient, im Mai letzten Jahres ein iPhone 4 für 451 Euro angeboten und fand prompt einen Käufer, der ihr das Geld auch überwies.

 

Als der 22-jährige Student aus Georgsmarienhütte in Niedersachsen erwartungsvoll das ein paar Tage später eintreffende Paket aus Niederbayern öffnete, war er stolzer Besitzer von ein paar Kieselsteinen.Und darauf sollte er zunächst aus sitzen bleiben; denn die Landshuterin, die sich wegen Betrugs zunächst vor dem Amtsgericht zu verantworten hatte, beharrte darauf, das iPhone weggeschickt zu haben. Selbst habe sie sich das teuere Teil natürlich nicht leisten können, berichtete sie. Sie habe es von einer türkischen Freundin zum Geburtstag geschenkt bekommen. Aber es habe ihr nicht gefallen, deshalb habe sie es im Internet verhökern wollen.

 

Beim Einpacken sei dann die Freundin dabei gewesen, man habe das Verpacken auch per Fotos dokumentiert und das Päckchen dann gemeinsam bei der Post in Freising aufgegeben. Kurzum, so die 35-Jährige: „Irgendjemand, vielleicht der Kurier, muss das Päckchen geöffnet und das iPhone gegen die Kieselsteine ausgetauscht haben.”

 

Mit dieser Version hatte die 35-Jährige beim Amtsgericht noch Erfolg und konnte einen Freispruch verbuchen. Allerdings legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein, so dass der Deal vor der 2. Strafkammer des Landgerichts neue aufgerollt wurde. Dort blieb die 35-Jährige zunächst bei ihrer Version, obwohl Vorsitzender Richter Robert Mader Zweifel hatte, ob das iPhone überhaupt existiert habe: Ein so nobles Geburtstagsgeschenk einer Freundin, die seinerzeit als Paketausfahrerin gearbeitet habe, sei zumindest ungewöhnlich.

 

Dass man es dann weiterverkaufe, obwohl es seinerzeit „Kult” gewesen sei, sei noch ungewöhnlicher. Und dass last not least kein Kaufvertrag vorliege, bestärke die Zweifel. Die wollte die 35-Jährige mit der Erklärung beseitigen, dass nicht die Freundin sondern ihr Bruder das Teil besorgt habe und die Quittung noch bei ihm rumliegen müsse. Ihre türkische Freundin bestätigte die Version, dass sie beim Verpacken und beim Absenden dabei gewesen sei.

 

Der niedersächsische Student räumte ein, dass das Internet-Angebot damals mehr als günstig gewesen sei, misstrauisch sei er aber erst geworden, als er über Wochen hinweg auf das Teil warten musste. Mehrfach habe er per Email reklamiert, aber nur hämische Antworten und schließlich das Paket mit Kieselsteinen bekommen.

 

Für die Gelegenheitsarbeiterin wohl überraschend, beauftragte die 2. Strafkammer einen Sachverständigen des Landeskriminalamtes mit der Klärung der Frage, ob das Paket auf dem Weg zum Empfänger bereits einmal geöffnet worden sei. Dies sei eindeutig nicht der Fall gewesen, so der Gutachter: Man habe in mehreren Versuchen den zum Packset gehörenden Klebestreifen vorsichtig - auch unter Einsatz eines Föns - abgelöst. Beim erneuten Zukleben seien dann aber „Luftblasen” entstanden und die seien auf dem Original-Päckchen nicht vorhanden gewesen.

 

Die Gelegenheitsarbeiterin gab sich geschlagen und räumte den Betrug ein, nicht ohne ihre Freundin, der ein Verfahren wegen Falschaussage drohte, noch „rauszuhauen”: Sie habe in einem unbeobachteten Augenblick beim Verpacken das iPhone gegen die Kieselsteine ausgetauscht, räumte sie ein.

 

Die Kammer verhängte, wie von der Staatsanwaltschaft beantragt, wegen Betrugs eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 20 Euro und bescheinigte der 35-Jährigen erhebliche kriminelle Energie, habe selbst noch ihre „beste Freundin” fast in eine Falschaussage laufen lassen. Neben der Geldstrafe erwartet die Gelegenheitsarbeiterin auch eine saftige Rechnung über die Verfahrenskosten. Wegen der Gutachtenerstellung musste immerhin an drei Tagen verhandelt werden.

Autor: ws

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