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16.05.2012 Landshut

Wurst-Werbung stößt konservativen Damen sauer auf

Die rote Lola: Viel zu scharf für die Frauen-Union


Scharf, aber mit Geschmack!“ Das verspricht die Werbung der bekannten Landshuter Metzgerei Mayer den Kunden, die sich die „Rote Lola“, die „Lolita“ oder die „Kolbasz“ zu Gemüte führen. Das allerdings passt den sittenstrengen Damen von der Landshuter Frauen-Union gar nicht.

Die protestieren jetzt öffentlich gegen die Werbung, die in ihren Augen „sexistisch“ ist. Gemeint sind in der Reklame aber nicht etwa exotische Damen mit seltsamen Namen. Nein, die Rede ist von pikant gewürzten Würsten. Weil man „scharf, aber mit Geschmack“ eben auch anders verstehen kann, hat sich die Metzgerei „aus Leidenschaft“, wie es in einer Anzeige auch im Wochenblatt hieß, eine witzige Idee einfallen lassen. „Wir wollten mal etwas anderes machen als die klassische Metzgerwerbung“, so Xaver Mayer.

 
Und deshalb wurde neben den scharfen Würsten eine – sagen wir mal – scharfe junge Dame teilweise abgebildet. Spärlich nur mit Slip bekleidet und durchaus hübsch anzusehen, lässt sie das Mini-Bekleidungsstück auch noch mit dem Daumen neckisch schnalzen.
Wenngleich es auch Kritiker geben mag, die finden, dass sich wohl ein Mann – vor allem in Bezug auf eine scharfe Wurst – besser als Model geeignet hätte, kam die unbekannte Nackte auf der Reklame gut an. Jedenfalls bei den meisten von Mayers Kunden: „Gefühlte 25 Prozent haben gesagt, das brauche es doch nicht. Den anderen hat‘s gefallen“, so Mayer. Vor allem, weil die heiße Werbung im Laden selbst jede Menge Stoff für lustige Gespräche über die Ladentheke hinweg bot. „In den Läden war die Gaudi groß“, so Mayer auf Anfrage des Wochenblattes. Nur die Damen der Frauen-Union verstehen diesbezüglich offenbar keinen Spaß. In einem öffentlichen Schreiben vom Donnerstag, unterzeichnet von der ersten Vorsitzenden Elisabeth Diewald, heißt es: „Sehr geehrte Damen und Herren, im Namen der Frauen-Union, Kreisverband Landshut-Stadt, und als deren 1. Vorsitzende möchte ich Ihnen unsere heftige Missbilligung gegen Ihre Werbekampagne, bei der Sie Ihre ,scharfe Wurst‘ – wohl witzig gemeint – im Zusammenhang mit einer Dame im knappen Spitzenhöschen anpreisen, ausdrücken. Wir halten diese Form der Werbung in extremer Weise für sexistisch, diskriminierend, herabsetzend und respektlos.“
 
Und weiter: „Wir möchten Sie daher bitten – auch im Interesse Ihrer langjährigen Kunden – derartige Werbekampagnen sofort und auch in Zukunft aus Ihrem Repertoire zu verbannen.“ Ob das passieren wird, ist fraglich. Zwar ist die „scharfe Lola“, die auch auf Plakatwänden in der Stadt zu sehen war, mittlerweile verschwunden. Allerdings nicht wegen der Beschwerde der Frauen-Union, von der Mayer durch das Wochenblatt erfuhr. Laut dem Metzgerei-Chef plane man eine neue, ebenfalls untypische Metzger-Kampagne. Man darf gespannt sein, was die Frauen-Union als Wächterin von Anstand und Moral dazu sagen wird.
Autor: Alexander Schmid

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