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18.04.2012 Landshut

Kreditkartenschwindel nach elf Jahren sanktioniert

Der lange Atem der Justiz

Kreditkarten
Foto: manwalk/pixelio.de
1,65 Millionen Euro Schaden: 59-jähriger Landshuter zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt

 

Sage und schreibe elf Jahre, nachdem die Ermittlungen gegen eine Bande von Kreditkartenbetrügern in Gang kamen, wurde jetzt einer der führenden Köpfe der Bande, ein 59-jährigen ungarischen Fensterputzer, zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt.

 

Laut der von Staatsanwalt Ralph Reiter vertretenen Anklage hatte der Ungarn zusammen mit seiner Ehefrau und zwei Landsleuten 1998 in Landshut die „SLS Nutzfahrzeug GmbH” gegründet, die dann 2001 in „SLS Consulting und Handels GmbH” umgetauft wurde und sich fortan kriminellen Geschäften widmete, wie die von Staatsanwalt Ralph Reiter vertretene Anklage dem Fensterputzer vorwarf.

 

Im Juli 2001 habe der Angeklagte für die „SLS” mit einem Frankfurter Finanzdienstleister  einen Euro- und Visakarten-Akzeptanzvertrag abgeschlossen, der potenziellen „SLS”-Kunden den Einkauf mittels Kreditkartenzahlung ermöglichte. Und für entsprechende „Kunden” sorgte dann der 59-Jährige selbst: Er beauftragte unbekannte Mittäter damit, über das Internet Scheinbestellungen vorzunehmen, nachdem er ihnen die Internetadresse, den jeweiligen Benutzernamen sowie das entsprechende Passwort mitteilte.

 

Nachdem die nach wie vor unbekannten „Kunden” sich auf der SLS-Webseite eingeloggt hatten, tätigten sie Schein-Warenkäufe und landeten schließlich auf der Abrechnungsseite, wo die sie mit tatsächlich existenten Kreditkartennummern, die durch Datenspionage erlangt worden waren sowie fiktiven Kreditkarteninhaberadressen den Kauf abschlossen.

 

Die SLS meldete dann die Internet-Verkäufe mit den entsprechenden Kreditkartendaten online an den Frankfurter Finanzdienstleister, der den jeweiligen Betrag in Form einer Gutschrift auf das Geschäftskonto der SLS transferierte. Allerdings protestierten die „echten” Kreditkarteninhaber, nachdem ihre Konten belastet worden waren und widersprachen ausnahmslos den Abbuchungen. Das Frankfurter Unternehmen musste die Abbuchungen - die Anklage ging von über 800 Fällen aus - stornieren und blieb damit auf 1,65 Millionen Euro, die der SLS innerhalb weniger Monate gutgeschrieben worden waren, sitzen. Die kriminelle Tour flog mehr oder minder Ende 2001 durch einen Zufall auf:

 

Eine ungarische Staatsbürgerin geriet wegen des Verdachts der Geldwäsche ins Visier der Landshuter Kripo, nachdem sie unter verschiedenen Namen Geld von SLS-Konto abgehoben hatte. Wie sich später herausstellte, handelte sie im Auftrag der ungarischen Hintermänner. Der 59-Jährige wurde zwar mit internationalem Haftbefehl gesucht, bleib aber vermeintlich verschollen - bis er vor sechs Monaten in Landshut festgenommen werden konnte, wo er in den letzten Jahre unerkannt und unbehelligt in einer von seiner Ehefrau erworbenen Eigentumswohnung lebte. 

Autor: ws

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