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28.09.2012 Landshut

Heimgärten, Wut und die „Vergewaltigung der Isar“

Der Aufstand der Gartenbesitzer


Tränen stehen der Frau in den Augen. „Acht Jahre habe ich auf den Garten gewartet. Er ist mein kleines Paradies.“ Ein Paradies, das sie nicht so leicht aufgeben will – aber bald vielleicht aufgeben muss.

 

Sie zieht Unterschriftenlisten aus ihrer Tasche. „Alle Anwohner haben unterzeichnet“, sagt sie und schüttelt den Kopf. Das, was das Wasserwirtschaftsamt in der Schützenstraße plant, ist für sie eine Katastrophe. Genauso für die anderen Zuschauer des Bausenats, die sich am vergangenen Donnerstag im Sitzungssaal des Rathauses drängten. So viele waren gekommen, dass die Stühle nicht ausreichten. Und das, obwohl der Stadt eigentlich die Hände gebunden sind.
 
Denn was mit der Isar passiert, das liegt in der Hand des Wasserwirtschaftsamtes. Das plant eine Renaturierung unter ökologischen Gesichtspunkten im Stadtgebiet. Das bedeutet für die Schützenstraße: Die Steilufer sollen weg, die Isar zugänglicher werden, Kiesbänke entstehen, so wie es in München auch schon gemacht wurde. Dafür müssen aber die rund 55 Gärten weg.
Bereits im Jahr 2010 hatte sich der Stadtrat für ein solches Programm entschieden. Besserer Zugang zur Isar ist ja auch eine feine Sache. Allerdings dachte man damals wohl nicht an die Gartenbesitzer, die es seit Jahrzehnten an der Isar gibt.
Stadtrat Ludwig Graf von den Freien Wählern war der erste, der im Wochenblatt vor einigen Wochen auf das Problem aufmerksam gemacht hatte. Im Bausenat hat er am Donnerstag schnell Mitstreiter quer durch alle Fraktionen gefunden, sehr zur Freude der Gartenbesitzer, die begeistert applaudierten.
 
Isar soll wieder natürlicher fließen
 
Manch ein Stadtrat ließ sich dabei wohl von dem Emotionen mitreißen. So sprach Erwin Schneck (Freie Wähler) gar von einer „Vergewaltigung der Isar im Stadtgebiet“.
Das hat das Wasserwirtschaftsamt natürlich nicht vor. Im Gegenteil: Es geht, ganz sachlich betrachtet, eher darum eine Vergewaltigung rückgängig zu machen. „Allerdings an der wohl sensibelsten Stelle im Stadtgebiet“, wie auch OB Hans Rampf bemerkte. Das will der Bausenat den Gartenbesitzern nicht antun. Jedenfalls nicht sieben der neun anwesenden Räte.
 
Susanne Fischer von den Grünen und Elke März-Granda sahen es nämlich etwas anders. Schließlich gehe es um eine Renaturierung und darum, die Isar zugänglich für alle Landshuter zu machen. Dem Argument einiger Stadträte, dass sich in so einem Fall nur „Alkis“ am Isarstrand tummeln und für Lärm und Dreck sorgen würden, konnten sie nicht nachvollziehen. Außerdem, so die beiden, habe man 2010 im Stadtrat just diese Renaturierung beschlossen. Der Bausenat sprach sich trotzdem gegen die Maßnahme aus. Doch das hatte eigentlich gar nicht zur Diskussion gestanden. Entschieden werden konnte eigentlich nur, ob man sich an der Gestaltung des neuen Uferbereichs mit einem Park beteiligen will, weil sonst die Renaturierung rein unter ökologischen Gesichtspunkten erfolge, wie das Wasserwirtschaftsamt mitteilte. Man darf gespannt sein, wie die staatliche Behörde entscheiden wird. Sie hat auf alle Fälle das letzte Wort – und die Gartenbesitzer lediglich Verträge, die immer nur ein Jahr laufen.

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