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04.09.2012 Landshut

Blindgänger und giftiges Füllmaterial

Bombige Überraschungen aus der Vergangenheit

Luftaufnahme Bahnhof
Foto: Archiv
Der zweite Weltkrieg steckt noch immer im Erdboden. Wer in Landshut baut, muss nicht nur mit Bomben und Blindgängern rechnen, zum Teil wurden die Krater mit giftigem Material verfüllt.

 

Erst hab ich noch gedacht, das ist ein Stück Holz.“ Als der Baggerfahrer dann aber seinen Fund in der Landshuter Wohnsiedlung genauer unter die Lupe nahm, bekam er einen gehörigen Schrecken. Das rund 50 Zentimeter lange „Holzstück“, das er bei Aushubarbeiten entdeckt hatte, entpuppte sich beim genaueren Hinsehen als eine scharfe Sprenggranate. Explosive Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg versetzen die Rettungskräfte auch Jahrzehnte nach Kriegsende immer wieder in Alarmbereitschaft. Ihre Sprengkraft ist auch nach Jahrzehnten noch immer verheerend, wie die Sprengung einer 250-Kilo-Bombe in München in der letzten Woche zeigte. Für die Spezialisten des Sprengkommandos war der Fund auf der Baustelle in Landshut zwar eher eine Kleinigkeit. Doch in der Erde können noch weitaus größere Überraschungen lauern.
 
Im Zweiten Weltkrieg hatten die Amerikaner auch die Stadt Landshut bombardiert. Der schwerste Angriff war der am 19. März 1945. 476 „fliegende Festungen“ – B 17 Bomber der Air Force – visierten den Bahnhof an und radierten ihn mit einem Flächenbombardement von der Landkarte (Foto). Allerdings explodierte bei Weitem nicht jede Bombe.
 
 
 
Viele davon rosten jetzt im Boden immer noch vor sich hin. Genau das ist der Grund, warum Bauherren sich die Bebauungspläne der Stadt Landshut noch vor dem ersten Spatenstich genau ansehen sollten. Verantwortlich ist nämlich immer der Grundstücksbesitzer. Und in den Hochrisikogebieten der Stadt wird auf diese Gefahr hingewiesen.
 
In Zeiten, wo wegen Grundwasser-Wärmepumpen immer häufiger ins Erdreich gebohrt wird, ist das Thema aktueller denn je. Wo überall unliebsame Überraschungen lauern können, das weiß Stefan Jahn – im Fachbereich Umwelt der Stadt zuständig für den Bodenschutz. „Das hier ist die Lebensversicherung für alle Baggerfahrer“, erklärt er und zieht ein Foto aus einer ganzen Reihe von Hängeordnern. Dabei handelt es sich um eine von vielen Luftaufnahmen, die die Amerikaner nach dem Angriff auf Landshut gemacht haben.
 
Bahnhofsareal war ein riesiger Krater
Die Fotos kann Jahn dabei rund 20 bunten Linien zuordnen, die er auf einem Stadtplan eingezeichnet hat. „Dabei handelt es sich um die Flugrouten der Bomber.“ Auf den Fotos zu sehen sind jede Menge Einschlagkrater. Weil immer mehrere Fliegerbomben auf einmal abgeworfen wurden, kann man die Stellen, wo voraussichtlich immer noch ein Blindgänger liegt, gut lokalisieren. Ist ein Sprengsatz nicht hochgegangen, gibt es eine „Lücke“ in der Reihe von Kratern. Schwierigkeiten hat man mit dieser Methode lediglich im Landshuter Bahnhofsgebiet. Das Areal dort war praktisch ein einziger gewaltiger Bombenkrater.
Risikogebiete in Landshut sind der Bereich um den Bahnhof, die Wolfgangsiedlung sowie der Stadtteil Nikola. Vereinzelt wurden aber auch Ziele in anderen Stadtteilen, unter anderem entlang von Bahnlinien oder von Stromleitungen, angesteuert.
Doch nicht nur die Bomben selbst bereiten dem Umweltamt Kopfzerbrechen, sondern auch das Material, mit dem die Krater nach Kriegsende aufgefüllt wurden. Weil es nicht genügend Baumaterial gab, wurde alles verwendet, was irgendwie geeignet schien – auch giftiger Abfall. An solchen Stellen darf auf keinen Fall Regenwasser versickert werden. Giftstoffe würden sonst ins Grundwasser gelangen.
 
Verwendet wurden damals zum Beispiel giftige Schlacken, unter anderem aus einer Glockengießerei. Sollte der Bauherr bei Bauarbeiten auf diese auffälligen dunklen Flecken stoßen, dann muss auf alle Fälle fachgerecht von Experten entsorgt werden. Denn das könnte laut den Experten vom Umweltamt ja „irgendwas sein“. Irgendwas Giftiges zum Beispiel.
Autor: Alexander Schmid

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