Landshuter Fraktionschefin kandidiert gegen eigenen Minister
„CSU-Größen zücken das Messer”

Die Personalie hat in Landshut und München eingeschlagen wie eine Bombe, ihre Folgen sind noch nicht einmal im Ansatz abzusehen. In der Landeshauptstadt kriegen sich Rote, Grüne, Orange und Gelbe gar nicht ein vor Begeisterung über ihren Coup, der fast allmächtigen CSU und ihrem vermeintlichen Selbstläufer-Kandidaten Schneider eine respektable Gegenbewerberin in den Weg zu stellen, die günstigerweise auch noch selbst eine prominente Christsoziale ist. Nicht ohne Grund bejubelte SPD-Landtagsfraktionschef Markus Rinderspacher Goderbauer-Marchner als „weiblichen Joachim Gauck der bayerischen Medienpolitik”. Das Bild zeigt Rinderspacher und seine Kollegen von den Grünen, den FW (Jutta Widmann aus Landshut) und Liberalen bei der offiziellen Vorstellungeiner strahlenden Kandidatin Goderbauer-Marchner am Mittwoch in München.
Bei der CSU ist die Stimmung dagegen ins Bodenlose gerutscht. In München sieht ihr Fraktionsvorsitzender Georg Schmid angesichts des Verhaltens der FDP „den Koalitionsvertrag massiv verletzt”. Und auch in Landshut hat sich die Journalismus-Professorin an der Bundeswehr-Hochschule München innerparteilich keine Freunde gemacht, um es ganz vorsichtig auszudrücken. Der Kreisvorsitzende Helmut Radlmeier sprach von einer „CSU-feindlichen Aktion”, und während sich die Parteigranden wie MdB Wolfgang Götzer und Bezirkstagspräsident Manfred Hölzlein noch kontrolliert entsetzt äußerten („kein Verständnis” bzw. „nicht das geringste Verständnis”), haut die Junge Union gewaltig auf die Pauke.
Ihr Kreisvorsitzender Thomas Haslinger nennt es „beschämend, wie sich persönliches Interesse” Goderbauer-Marchners und „politisches Kalkül der Opposition bzw. der FDP im Landtag hier vermischen”. Die Professorin selbst habe mit diesem Schritt „ihre Integrität und Glaubwürdigkeit verspielt”. Haslinger wirft sogar die Frage auf, ob Goderbauer-Marchner „als CSU-Fraktionsvorsitzende noch haltbar ist”.
Die so Gescholtene scheint sich unterdessen gar nicht unwohl zu fühlen in ihrer Rolle, die sie im Moment mit einer Mischung aus Sportsgeist und heiterem Gemüt ausfüllt. Dass sie ihre Partei auf allen Ebenen zum Tanzen bringen würde, musste ihr klar sein. Und dass sie aktuell neben den Landshuter auch die Münchner Medien großflächig beschäftigt, muss kein unangenehmer Nebeneffekt sein. Eine halbe Seite in der „Süddeutschen”, gleich zwei Geschichten auf Seite 2 der „AZ”, eine Story in der „Bild” – das ist die aktuelle mediale Zwischenbilanz am Morgen des 23. Dezember. Gabriele Goderbauer-Marchner sagt dazu: „Das ist Demokratie!”
FW-Landeschef Hubert Aiwanger hat ihr inzwischen angeboten, zu den Freien Wählern zu wechseln, wenn sie sich die Attacken prominenter Parteifreunde nicht antun wolle. Aiwanger wörtlich: „Da wagt es eine hochqualifizierte Person, sich um einen Posten zu bewerben, ohne vorher in der CSU-Parteizentrale um Erlaubnis zu fragen, und schon zücken namhafte CSU-Größen das Messer.”
Kommentieren
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.
Geben Sie bitte folgende Daten an.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden! Mit dem Login erklären Sie sich mit den Nutzungsbedingungen einverstanden.
| gewünschter Benutzername: | |
| gewünschtes Passwort: | |
| Wiederholung Passwort: | |
| Email: |
Wieviele Beine hat ein Mensch? (Bitte Zahl eingeben):





zurück

