11.09.2012 Kelheim/Abensberg


„Nicht mal mehr ein Tütchen”






Die „Shades of Grey”-Bücher von E L James sind der Renner: Auch im Landkreis Kelheim kaufen Kundinnen und Kunden aller Altersschichten die bisher in Deutschland erschienenen zwei Bände, in denen es um SM-Sex geht. Band 3 folgt im Oktober.

Etwas gewundert hat sich die Buchhändlerin Silke Nagel schon – ein Sadomaso-Buch, das die Bestseller-Hitlisten anführt? Bei dem Kundschaft „von 17 bis 70” gleich den zweiten Band bestellt und seither begierig auf den dritten Teil wartet?

 

Der Run auf die „Shades of Grey”-Bücher hat auch den Landkreis Kelheim erreicht, und so wie der Abensbergerin im Einkaufs-Zentrum geht es wohl allen Buchläden im Landkreis – „Brave oder flippige Leute, junge Paare oder Ältere: alle lesen dieses Buch”, wundert sich Frau Nagel. Aber was nützt es - der Verkauf läuft wie geschmiert, der erste und der zweite Band sind derzeit die meistverkauften Romane in Deutschland (nicht nur da; der Erfolg ist international), und Teil 3 ist für den 24. Oktober angekündigt.

 

Frau Nagel und ihr Team haben nach anfänglicher Verwunderung nun einen Tisch aufgebaut, auf dem sich nicht nur die „Shades”-Bücher befinden. Ist das zu offensiv? Offenbar nicht: „Nicht mal mehr ein Tütchen” verlangen die Leute, die sich die Bücher kaufen. O Tempora, O Mores.

 

Und manchmal wundert man sich: Mütter, die ihren 17jährigen Töchtern das Buch mitbringen, sind ebenso unter der Kundschaft. Bitte beachten Sie zu diesem Thema auch unsere Umfrage der Woche.

 


Artikel mit Diashow!10.09.2011-1

 

Anmerkungen der Redaktion: Unterm Strich allerdings muss man sich nicht über Gebühr wundern - in den 70ern war es die Mutzenbacherin, in den 80ern die „O.”, später kam „Gwendoline” ins Kino - und „9 1/2 Wochen” mit Kim Basinger und Mickey Rourke sorgte ebenfalls für mehr Lust auf Sado-Sex. Seit dem neuen Jahrtausend bricht das Pornographische auch ins Mainstream-Kino ein („Lucia und der Sex” als nur EIN Beispiel) - nun also „Shades of Grey”. Diese Bücher kann man als Gegenentwurf zu den verkitschten „Twilight”-Büchern lesen, die ja die typische amerikanische Enthaltsamkeit lobpreisen, während es in „Shades” um eine 21jährige geht (die ist noch Jungfrau), die sich von einem etwas älteren, natürlich reichen, natürlich schönen, natürlich auch schwer traumatisierten Burschen in die Welt von Dominanz und Unterwerfung einführen lässt. Wäre das alles nicht so verdammt Konsalik-like geschrieben, man könnte glatt drauf abfahren. • Für ein älteres Publikum empfiehlt die Redaktion das bösartige „Streng” von Regis Jauffret (im Piper-Verlag erschienen); theoretische Grundlagen kann man zum Beispiel mit dem hervorragenden Buch „Entfremdung bei Perversionen” von Masud Khan nachlesen. Und wer DANACH Charlotte Roche liest, wird eher nachdenklich, als dass ihn ihre Schreibe aufgeilt. Aber Schluss jetzt, runter von der Psycho-Couch!

Autor: Ingo Knott
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