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14.09.2011 Kelheim

Aus Protest gegen Wiesenhof-Zustände

CSU-Merkl gibt Bundesverdienstkreuz zurück


Kelheims stellvertretender Landrat, langjährige Landtagsabgeordnete und Ex-Staatssekretär Dr. Gerhard Merkl will sein Bundesverdienstkreuz abgeben. Der Grund: Auch der Eigentümer der kürzlich in die Schlagzeilen geratenen Wiesenhof-Gruppe hat diesen Orden. Tierschützer und Vegetarier Merkl will nicht mit ihm in einer Linie stehen.

In der Kolumne Merkls Tiereck, die Merkl und seine Gattin seit vielen Jahren exklusiv für das Wochenblatt im Landkreis Kelheim schreiben, wird immer wieder auf das Leid der Tiere besonders in der Intensivhaltung aufmerksam gemacht. Obwohl verdienter CSUler, scheut Merkl keinen Gegenwind, wenn seine Ehefrau oder er selbst massiv vor den Folgen warnen, die unsere Art der Lebensmittelerzeugung haben.

Im Fokus steht dabei immer wieder die Achtung vor der Natur und ihren Geschöpfen, also auch der Tiere. Und so war es naheliegend, dass die Wochenblatt-Redaktion für den Landkreis Kelheim Merkl auch auf die Reportage des Fernsehteams von Report Mainz aufmerksam machte.

Dort wurden Aufnahmen gezeigt, die vielen Betrachtern übel aufgestoßen sein mögen - Wiesenhof-Mitarbeiter gehen mit äußerster Brutalität ihrem Geschäft nach; Hühnchen werden zertreten und erschlagen.

Gerhard Merkl hat sich den Beitrag angesehen und recherchiert - und dabei erfahren müssen, dass der Inhaber der Wiesenhof-Gruppe selbst Bundesverdienstkreuz-Träger ist. Lesen Sie hier, was Merkl in der neuesten Kolumne im Wochenblatt für den Landkreis Kelheim schreibt:

 

Warum ich die hohe Auszeichnung abgebe

 

Volksfestzeit -– Hendlzeit – Höhepunkt: das Oktoberfest. Dann werden auf Millionen Hähnchen, die in diesem Jahr auf bayerischen Volksfesten in den Mägen endeten, nochmals Hunderttausende folgen. Aber kein Konsument wird sich über das Produkt, das er da verzehrt, Gedanken machen, sonst würde er es nicht tun, jedenfalls wohl dann nicht, wenn er eine Reportage, Ende August von der ARD ausgestrahlt, gesehen hätte über „Wiesenhof“,  einen  der größten Geflügelfleischproduzenten Europas. „Wiesenhof“: „Gütesiegel“ für den Verbraucher?


In den 700 Subunternehmen der Firmengruppe werden 4,5 Millionen Hühner pro Woche (rund 270 Millionen pro Jahr) geschlachtet – grausam umgebracht, wie es im Film drastisch gezeigt wird. Hühnern wird das Genick gebrochen, dann werden sie in Transportkisten gepfercht, auch wenn sie noch nicht tot sind, manche werden gegen Wände geschleudert, um sie auf diese Weise zu töten, Hähne mit voller Wucht in Kisten geworfen, wo sie elend zugrunde gehen.


Bis es soweit ist, haben sie ein langes Martyrium hinter sich. Kurz nach dem Schlüpfen kommen sie über Fließbänder zur Aussortierung. Die einen werden lebend zu Tierfutter geschreddert, für die anderen geht es zu Aufzuchtstationen, wo sie bis zur Schlachtung auf engstem Raum vegetieren. Dort ist das Leben für die Tiere die Hölle. Ein Tierarzt, der dies beobachtet hat, spricht von nicht vorstellbarer, grausamer Tierquälerei. Jeder normale Betrachter ekelt sich und ist angewidert von dem, was er sieht: Tote Tiere liegen unter den anderen, z.T. offenbar tagelang, manchen Tieren sieht man an, dass sie krank sind, weil sie sich kaum fortbewegen können, dazwischen Arbeiter, die die Tiere brutal mit Fußtritten zusammentreiben … dann endlich kommt der qualvolle Tod.


Meine Frau und ich sind seit vielen Jahren Vegetarier, weniger, weil Fleisch ungesund ist, aber aus Achtung vor allem Leben, insbesondere, weil Massentierhaltung  und Tierquälerei untrennbar miteinander verbunden sind. Wären wir es nicht, wären wir zu solchen nach diesem Film geworden.


Man muss ein für Mitleid und Schmerzempfindung anderen gegenüber gänzlich abgestorbener Mensch sein, wenn man solches Tun wie bei Wiesenhof verantwortet und wenn man dieses Tun auch noch mit dem Motto verkauft: „Verantwortung für Mensch, Tier und Umwelt.“ So der Eigentümer der Wiesenhof -Gruppe, Paul Heinz Wesjohann. Darauf angesprochen, wie brutal es in den Wiesenhof -Betrieben zugeht, entgegnet er: „Ich bin Unternehmer und richte mich nach dem Konsumenten“. Ein wahres Wort, bestimmt doch der Konsument  Quantität und Qualität – und weist darauf hin, dass „die moderne Geflügelzucht das ehemalige Luxusprodukt Fleisch   erschwinglich gemacht“ hat und deshalb sei dies eine „soziale Tat“.

 

Das habe wohl auch der Bundespräsident so gesehen, schließt der Bericht, dem ich Letzteres entnommen habe, sarkastisch,  Wesjohann sei nämlich mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Welch Hohn! Für mich steht darum fest: Ich gebe mein Bundesverdienstkreuz jetzt zurück.

 

Beachten Sie hierzu auch unsere Umfrage, die Sie rechts auf der Homepage der Wochenblatt-Seite für den Landkreis Kelheim finden.

Autor: Ingo Knott
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