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07.06.2012 Langquaid

Ein Ersatzbesuch mit Mehrwert

Viel Lob vom Staatsminister


Als Schirmherr des Langquaid-Tags war er verhindert, doch nun hat sich der Leiter der Staatskanzlei, Staatsminister Thomas Kreuzer revanchiert - und kam kaum mehr weg. Mehrfach betonte er, wie ihn die Entwicklung Langquaids beeindrucke.

 

Am frühen Nachmittag sitzen Bürgermeister Herbert Blascheck und sein Gast vor dem Huberbräu in Langquaid; „Wir haben mit allen Sinnen genossen” wird Blascheck später sagen und damit ein Bierchen meinen, das er mit dem Minister getrunken hat.
 
 
Schweigend ist es wohl nicht vonstatten gegangen, denn Thomas Kreuzer zeigt sich dann im Rathaus, mit dabei nun die Pressemeute und ein tiefstapelnder Leitender Beamter namens Otto Lang („Mich brauchen‘S nicht aufschreiben, ich bin ja nicht wichtig.”) bestens informiert über die Entwicklung der Marktgemeinde in den letzten Jahren und, das ist für einen aus der Staatskanzlei ja dann doch auch wichtig, die Verwendung der Zuschüsse, die mitverantwortlich sind für das stete Aufwärts in diesem Ort.
 
 
Den Beweis, so es denn noch einen gebraucht hätte, hat der Bürgermeister bereits angetreten - schon vor dem Huberbräu-Zwischenstopp. Ein Besuch des Kindergartens Rappelkiste und danach der Firma Hetronic, dann die Begutachtung der bereits sehbaren Ergebnisse der Städtebausanierung - später, nach dem Besuch im Rathaus mit Eintrag ins Goldene Buch und Pressegespräch - steht noch ein Gespräch mit der Lenkungsgruppe „Soziale Stadt” an, im Mehrgenerationenhaus.
 
 
Thomas Kreuzer: „Es ist ein besonderes Erlebnis, dass man eine Gemeinde hat mit einem derartigen Zuzug, insbesondere an jungen Familien mit Kindern. Das Gegenteil ist leider oft der Fall. Herzlichen Glückwunsch!” Drei Kindergärten, eine Grund- und Mittelschule – „Sie sind sehr gut aufgestellt”, sagt Kreuzer. Auch „die Firma, die wir gesehen haben, ist ein Aushängeschild - nicht nur der Steuern wegen, sondern auch wegen der Arbeitsplätze.” Und die beiden „toughen Damen an der Spitze”, die „das Ruder herumgerissen haben”, die nötigen ihm Respekt ab.
 
 
Auch der anschließende Gang durch Langquaids Ortsmitte gefiel dem Minister. „Ich kenne die Mittel, die hier für den Städtebau eingesetzt werden, und wenn ich jetzt über den Marktplatz schreite weiß ich, dass das Geld angekommen ist.” Kreuzer spricht nicht aus dem hohlen Bauch, er ist selbst seit 1984 Stadtrat in Kempten und war viele Jahre Sanierungsbeauftragter. Man muss sich fast wundern, dass BM Blascheck und Otto Lang nicht einfach platzen vor Stolz, als Kreuzer sagt: „Ich habe beste Eindrücke und nur engagierte Leute kennen gelernt - meinen herzlichen Glückwunsch.”
 
 
Blascheck platzt also nicht, und bedankt sich für den Besuch. Er lobt auch die Vertreter der Regierung, mit denen er immer wieder zu tun hat: „Der Kontakt zu den Fördergebern ist sehr wichtig”; klar: zwei Millionen Euro Städtebauförderung und sechs Millionen für den Schulbereich lassen sich nicht im Vorbeigehen abholen. Aber es scheint eine beiderseits gute Zusammenarbeit zu sein: „Die sind alle sehr praxisorientiert.” 
 
 
 
So scheint‘s auch in der Marktgemeinde zu sein: „In diesem Sitzungssaal kann man viel beschließen, aber es muss die Leute auch erreichen.” Ein Lippenbekenntnis? Hört sich ja immer gut an! „Der Mittelpunkt aller Parteien hier - ist Langquaid.”
 
 
Blaschecks Gemeinderat hat bereits 2002 angefangen, Photovoltaik-Anlagen zu fördern. Heute ist in Langquaid der Anteil der Erneuerbaren Energien bei 85 Prozent. „Dieser Strom ist eine Chance für den ländlichen Raum”, ist Kreuzer gleich bei der Sache: „In zehn Jahren wollen wir in Bayern 50 Prozent unserer Energie aus Erneuerbaren Energien beziehen.” Da kommt das nächste Thema um die Ecke. „Wir setzen dabei stark auf Biogas. Allerdings nicht die Maisfresser, sondern die Gülleanlagen. Wir haben unser Potenzial bei viehhaltenden Betrieben noch lange nicht ausgeschöpft.”
 
 
Zu diesem Thema gibt es - fast möchte man sagen natürlich - auch eine Langquaider Geschichte: „Wir hatten 2008/2009 eine Anfrage auf Errichtung einer industriellen Biogasanlage. Das wurde schließlich vom Marktgemeinderat abgelehnt, weil es nicht mit unseren ökologischen Zielsetzungen überein stimmt.” Kreuzer pflichtet dem bei: „Wir haben solche Anlagen nicht gewollt, wo keine Kuh mehr auf dem Hof steht und die Biogasanlage das Futter von den Maisfeldern erhält.” Das sitzt und wird in manchem Gemeinderat im Kreis Kelheim für Grübeln sorgen. Fehlentwicklungen im Fördergelderbereich seien inzwischen korrgiert, sagt Kreuzer.
 
 
Otto Lang sagt dazu: „Das war überhaupt eine der schönsten Sitzungen, die ich erlebt habe. Die Diskussion ging bis zu den Auswirkungen auf die Entwicklungsländer.” - Blascheck: „Das macht uns stark, das wir das können in Langquaid. Reden.” Man könnte jetzt eine Flasche Schampus aufmachen, aber die Lernkungsgruppe Soziale Stadt wartet bereits im Mehrgenerationenhaus. Otto Lang verschwindet in seinem Büro, und Kreuzer und Blascheck laufen durch den Ort, zum MGH, wie man es hier kurz nennt.
 
 
„Hier haben wir mit Frau Wedel (Betreiberin des ans Mehrgenerationenhaus angeschlossene Altenwohnheims, Anm. d. Red.) eine besondere Form der Betreuung älterer Menschen entwickelt”, sagt Blascheck. „Der Erfolg gibt uns recht, das Pflegekonzept kommt an.” Inzwischen hat auch die Bundesregierung das Konzept des Mehrgenerationenhauses anerkannt, und als der Bund ausrief, dass jeder Landkreis ein derartiges Haus haben sollte, war Langquaid schon da - auch der Fördermittel wegen. Als dann das EU-Recht diese Bezuschussung deutschlandweit untersagte, hing das Langquaider Haus schon am Folgeprogramm. Aber, die Finanzen sind das eine, das andere sind Leute, die das alles umsetzen. Blascheck: „Dank Frau Wedel können wir das hier machen.”
 
 
Die Lenkungsgruppe Soziale Stadt hat sehr delikate Häppchen vorbereitet (Anmerkung der Red.: Danke!), und nachdem Bürgermeister Blascheck den Herrn aus der Staatskanzlei hier kurz vorstellt, will der nochmal kurz sagen, wie sehr ihm Langquaid gefällt. „Alles steht tipptopp da, man kann nur gratulieren.”
 
 
Sorgen gibt es seitens des Fortbestands der ländlichen Schulen - da kommen einige Fragen von den Leuten der Lenkungsgruppe, aber Kreuzer will „die Prognose des Lehrerverbands nicht teilen. Wir glauben, dass wir die Mittelschule flächendeckend halten. Es vergeht kein Handwerks-Termin, bei dem wir nicht auf die Wichtigkeit der Mittelschulen hingewiesen werden.” Aus der Lenkungsgruppe kommt der Einwurf Mittelschulen seien - damals noch als Hauptschulen - regelrecht verteufelt worden. Aber war das wirklich die Politik, die hohe? Kreuzer: „Leider setzen Eltern ihre Kinder einem großen Leistungsdruck aus und wollen nicht anerkennen, dass für ihr Kind die Mittelschule passt.” Das sei aber nicht tragisch - diese Leute seien auf dem Arbeitsmarkt gesucht, und noch nicht einmal die Hälfte der Zugangsberechtigungen für ein Studium in Bayern werden übers Abitur geholt. „Es ist leider manchen Eltern nicht beizubringen”, sagt Kreuzer. Wenigstens gebe es in Bayern noch den Notenschlüssel und Aufnahmeprüfungen – „Wer die versaut, kann nicht aufs Gymnasium. Was glauben Sie, welchem Druck der Elternverbände wir da stand halten.”
 
 
Bevor die Wochenblatt-Redaktion abrücken muss, kommt aus der Runde noch die „unglaublich schlechte Bezahlung” in Sozialberufen als Thema. Kreuzer schätzt, dass sich „der Markt noch bemerkbar machen wird. Wenn Leute gesucht und gebraucht werden, geht das in der Marktwirtschaft über den Preis.” Steigerungen würden sich natürlich auf die Kosten auswirken - und laut Kreuzer gibt es bereits private Einrichtungen, die „das über den Preis regeln. Die staatlichen Stellen werden da nachziehen müssen.” Da kämpft man aber auch gegen manche Idiotien - „die EU will Abitur für solche Bereiche!”
Autor: Ingo Knott
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