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16.08.2012 Abensberg

Stadt will an Ursprung erinnern

Gillahof-Kapelle: Krach mit Salleck


Es gibt gewichtige Leute, die wollen zum 700. Gillamoos im Jahre 2013 an die Ursprünge erinnern und eine Wallfahrtskapelle bauen - und es gibt gewichtige Leute, die das Festgelände für die Zukunft fit machen wollen. Abensberg diskutiert.

Noch vor seinem Urlaub hat Bürgermeister Dr. Uwe Brandl Briefe an potenzielle Finanziers verschickt, in denen er um Unterstützung für eine Maßnahme bittet, die zum 700. Geburtstag des Gillamoos-Festes im Jahre 2013 greifen soll: „Der Jahrmarkt geht auf eine Wallfahrt zurück, die zu einer kleinen Kapelle führte, der beim Gillahof errichtet war, der sich unmittelbar an der Grenze zum Stadtgebiet Abensberg befindet.”

 
 
Die Kapelle gibt es heute nicht mehr, und Brandl will nun, mit rund 100.000 Euro an Sponsorengeldern und einer etwa gleichen Menge an Eigenleistungen diese Kapelle wieder entstehen und damit auch die Wallfahrt wieder aufleben lassen. Die Ägidiusfigur gibt es noch. „Unser Plan sieht vor, dass wir (…) im Herbst den Rohbau erstellen und im Frühjahr fertigstellen, um dann im Juli des nächsten Jahres eine Sternwallfahrt zur Gillamooskapelle zu organisieren (…).”
 
 
Natürlich ging auch an den Chef der Brauerei Kuchlbauer, Leonhard Salleck, ein solches Schreiben - und der erteilte Brandl eine Abfuhr. Er erinnert daran, dass er mit seinem Festwirt Karl Germann den Gillamoosgottesdienst vor über 30 Jahren eingeführt hat, 2007 hat Salleck neben dem Stadel ein Marterl errichtet, um die Wallfahrt wieder einzuführen. „Mit einigen Leuten, die Sinn für derartiges haben, wurde das auch praktiziert (…). Meine Absichten kamen aus meinem Herzen und (…) wären, wenn diese auch vom höchsten Amtsträger angenommen worden wären, eine sehr passende Lösung für die Erinnerung an den Sinn des Gillamooses. Außerdem habe ich (…) die Kosten selber getragen. Deshalb glaube ich, meine Schuldigkeit in dieser Angelegenheit getan zu haben.”
 
 
Salleck schlägt statt dessen vor, für 200.000 Euro mittels Verbundpflaster die Festwiese herzurichten - und schreibt deutlich, dass davon mehr Leute etwas hätten als von einer neuen Kapelle; da würde er dann auch gerne mitzahlen. Brandl wiederum antwortete, dass dafür 200.000 Euro keinesfalls reichen würden, was Salleck auf Karpfham verweisen ließ, wo es so günstig gelöst worden ist. „Jederzeit” würde er den Beweis antreten, dass man für 35 Euro pro Quadratmeter pflastern kann. 
 
 
 
Hier nun der Briefwechsel zwischen Abensbergs 1. Bürgermeister Dr. Uwe Brandl und Leonhard Salleck, Brauerei Kuchlbauer. 
 
 
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9.07.2012
 
 
Anfrage um Unterstützung 700 Jahre Gillamoos Abensberg 
 
 
Sehr geehrter Herr Salleck, 
 
 
ich darf mir erlauben, auf diesem Weg mit Ihnen in Kontakt zu treten. Die Stadt Abensberg bereitet für das kommende Jahr eine große Jubiläumsveranstaltung vor. 
 
Unser Gillamoos-Jahrmarkt, der mittlerweile bundesweite Beachtung gefunden hat, feiert sein 700jähriges Bestehen. Der Jahrmarkt geht auf eine Wallfahrt zurück, die zu einer kleinen Kapelle führte, die beim Gillahof errichet war, der sich unmittelbar an der Grenze zum Stadtgebiet Abensberg befindet. 
 
Die Kapelle exisitiert leider nicht mehr. Wir wollen auch jetzt mithilfe vieler Ehrenamtlicher diese Kapelle wieder entstehen lassen und damit auch die Wallfahrt wieder aufleben lassen. Das Inventar, inbesondere die wertvolle Ägidiusfigur, ist noch vorhanden. Die Errichtung der Kapelle wird Kosten in einer Größenordnung von rund 100.000 Euro auslösen, wobei weitere 100.000 Euro an Eigenleistungen eingeplant sind. 
 
Ich erlaube mir anzufragen, ob Sie eine Möglichkeiten sehen, dieses überregional bedeutende Projekt, das Anziehungspunkt für die gesamte Region werden soll, finanziell zu unterstützen. 
 
Unser Plan sieht vor, dass wir bis August die notwendigen Sponsorengelder eingeworben haben, im Herbst den Rohbau erstellen und im Frühjahr fertigstellen, um dann im Juli des nächsten Jahres eine Sternwallfahrt zur Gillamooskapelle zu organisieren, zu der wir jetzt schon herzlich einladen möchten. 
 
Die Ausstellung einer steuerlich berücksichtigungsfähigen Spendenquittung ist möglich. Sehr wichtig ist es, dass als Verwendungszweck „Wallfahrtskapelle“ angegeben wird. Bitte geben Sie auch die konkreten Daten an, an welche Adresse die Spendenbescheinigung ausgefertigt werden soll. 
 
Mit freundlichem Gruß
Ihr 
 
Dr. Uwe Brandl 
1. Bürgermeister 
 
 
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12.07.2012
 
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Dr. Brandl, 
 
 
gestern erhielten wir Ihr Schreiben vom 09.07.2012 
 
Zu Ihrem Vorhaben, zum 700jährigen Jubiläum eine Gillamooskapelle zu errichten, darf ich Ihnen folgendes mitteilen: 
 
Vor mehr als dreißig Jahren haben mein Festwirt Karl Germann und ich mit großem Erfolg den Gillamoosgottesdienst eingeführt, um an den Ursprung des Gillamooses wieder anzubinden. Im Jahr 2007 habe ich ein Gillamoosmarterl neben dem Stadel errichtet, um die Wallfahrt wieder einzuführen. 
 
Mit einigen Leuten, die Sinn für derartiges haben, wurde das auch praktiziert, wobei ein großer Vorteil ist, dass man vom Marterl in kurzer Zeit zum Gottesdienst gelangt und somit keine Zeit- und Wegeprobleme enstehen. 
 
Meine Absichten kamen aus meinem Herzen und wurden logisch zum jährlichen Gillamoosablauf gut gelöst und wären, wenn diese auch vom höchsten Amtsträger angenommen worden wären, eine sehr passende Lösung für die Erinnerung an den Sinn des Gillamooses. 
 
Außerdem habe ich selbstverständlich die Kosten selber getragen. Deshalb glaube ich, meine Schuldigkeit in dieser Angelegenheit getan zu haben. 
 
Ich bin nicht zu feige, Ihnen meine Meinung zu sagen und sehe Ihre Gillamooskapelle skeptisch, problematisch und gegen den von mir seit einer Generation eingeführten Gillamoosgottesdienst und die Wallfahrt seit 5 Jahren gerichtet und kontraproduktiv. 
 
Ob Ihr Vorhaben für das Gemeinwohl gut ist, wir die Zeit zeigen, wenn es realisiert wird. Was ein „überregional bedeutendes Projekt als Anziehungspunkt für die gesamte Region“ werden soll, ist nicht nachvollziehbar. 
 
Wenn Sie z.B für 200.000 Euro ein einfaches Verbundspflaster auf die Gillamooswege auflegen, ist das Geld sehr zweckdienlich ausgegeben. Damit kann man einen 1.000 Meter langen und 6 Meter breiten Weg pflastern, „den ganzen Gillamoos“! In Karpfham wurde so vorgegangen und dieses Problem gelöst. 
 
Es steht mir nicht zu, mich in Ihre Angelegenheiten einzumischen, aber unterstützen kann ich diese leider nicht, wobei ich alles, was für den Gillamoos gut ist, schon immer unterstütze und fördere. 
 
Mit freundlichen Grüßen
 
Leonhard Salleck 
 
 
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16.07.2012 
 
Sehr geehrter Herr Salleck, 
 
 
ich habe offengestanden lange überlegt, ob ich auf Ihr Schreiben überhaupt reagiere. Offensichtlich sind Sie der festen Überzeugung, dass nur das für den Gillamoos und die Stadt Abensberg gut ist, was Ihrer Meinung entspricht. Das bedauere ich außenordentlich. 
 
Ich möchte Sie zumindest darum bitten, dass Sie sich künftig irgendwelcher ominöser Kosteneinschätzungen enthalten. Die von Ihnen ins Feld geführte Unterstellung, für 200.000,00 Euro wäre ein einfaches Verbundspflaster auf dem Gillamoos zu installieren, ist völlig widersinnig. Wir haben Kosteneinschätzungen vorliegen, wenn es sich bisher Ihrer Kenntnisnahme entzieht, wir bewegen uns im Überschwemmungsbereich und haben auch an eine ordnungsgemäße Entwässerung des Straßenbereichs zu denken und auch an die Gesamtinfrastruktur. 
 
Ich bitte deshalb, von derartigen ominösen Behauptungen künftig Abstand zu nehmen. Auch ich mische mich nicht in Ihre gewerblichen Planungsansätze ein und werde selbstverständlich auch weiterhin alles unterstützen, was den Gesamtort Abensberg, insbesondere allen Bürgerinnen und Bürgern zu Gute kommt. 
 
Ich möchte nur darauf verweisen, dass die Idee, die ehemalige Kapelle beim Gillahof wieder aufzustellen, Ergebnis einer Arbeitskreis Besprechung war, bei dem nicht nur die politische Vertretung der Stadt Abensberg präsent ist. Es geht auch überhaupt nicht darum, irgendwelche kontraproduktiven Ansätze auszulösen. Sie sollten mit derartigen Bewertungen sehr vorsichtig sein. 
 
Es war zu keinem Zeitpunkt daran gedacht, den Gillamoos zu verlegen oder etwa an der Gillamooszeit selbst irgendwelche Gegenveranstaltungen aufzuziehen. 
 
Ich hoffe, Sie nehmen es künftig auch nicht übel, wenn auch ich mir die Freiheit nehme, bestimmte Projekte, die von Ihnen initiiert werden, in gleicher Weise zu kommentieren, wie Sie das im Fall der Stadt Abensberg für richtig halten. 
 
Mit freundlichem Gruß 
 
Dr. Uwe Brandl 
1. Bürgermeister 
 
 
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08.08.2012
 
 
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Dr. Brandl!
 
 
Auf Ihr Sponsorenanfrageschreiben vom 09.07. 2012 zum Bau einer „Gillamooskapelle“ war ich Ihnen als größerer Gillamoosbeteiligter eine Antwort schuldig, da ich andere zu lösende Gillamoosanliegen für viel dringlicher und effizienter halte und mich gerne dafür einsetzen und auch mit finanziellen Mitteln unterstützen würde. 
 
Da Sie mir bisher mit nicht stichhaltigen Argumenten und mit nicht notwendigen, nicht zutreffenden Zumutungen geantwortet haben, antworte ich Ihnen und gehe an die Öffentlichkeit, um die Meinung der Bevölkerung zu erfahren. 
 
Ich nannte Ihnen Fakten und den Vorschlag, 1.000 Meter Gillamooswege zu befestigen für ca. 200.000,00 Euro, was auch als Investition für die Kapelle angegeben wurde. Sie nannten meine Zahlen widersinnig und ominös. Ich kann dabei bleiben und diese nachhaltig vertreten. Auch Ihr „Überschwemmungsgebietargument“ ist nicht hinderlich, da es gegenstandslos ist. 
 
Sie haben anders geplant und natürlich kostet die Infrastruktur zusätzlich. Davon habe ich nicht gesprochen, da man diese auch später seitlich an den Wegen einbringen kann. Das ist sowieso sinnvoller, weil man die Straße nicht mehr aufreißen muss, wenn Änderungen notwendig sind. So wurde zum Beispiel im Kelheimer Hafen verfahren. 
 
Seit Jahren warten wir nach den Ankündigungen Ihrer „Zuschuss- und Förderinvestitionen“ für die Befestigung der Wege diesbezüglich und müssten nach Ihren Vermutungen brav weiter zurecht kommen in der gewohnten „Staubwolke“ bei schönem Wetter und Dreck bei Regen, obwohl dies leicht abzustellen wäre, wenn man das Wohl der Bevölkerung im Auge hätte und aktiv wäre. 
 
Mein Vorschlag hat den 1.000fachen Nutzeffekt wie der Ihre, wenn Ihre Kapelle von 500 Leuten im Jahr besucht wird und von meinem Vorschlag 500.000 Nutzer große Vorteile haben würden, und das Renommee der Stadt Abensberg wesentlich verbessert werden könnte in den Köpfen von einer halben Million Menschen im Jahr. 
 
Wenn Sie das Geld für Ihre Kapelle bereits eingesammelt haben von Spendern, halte ich auch das für eine akzeptable Sache. Vor allem, wenn Sie es selber bezählt hätten, wie Sie das mir vorschlagen, wenn ich die Pflasterung der 1.000 Meter Gillamooswege übernehmen soll. Spätestens jetzt müssten Sie merken, dass das unrealistisch ist, denn das tun Sie sicher nicht. 
 
Ich habe Ihnen geschrieben, dass ich die Vermittlung des Gillamoossinnes mit dem Gillamoosgottesdienst gelöst habe. Die Teilnahme ist freiwillig, deshalb haben Sie noch nicht teilgenommen. Der Staub und der Dreck sind unweigerlich Zwang für die Gäste, wofür Sie ab jetzt verantwortlich sind. 
 
Die Gillamooswege pflastern ist Sache der Stadt und meinetwegen auch von Spendern, zu denen ich mich gerne zählen würde, wenn da zum Gillamoosjubiläum eine Realisierung möglich wäre. 
Jedenfalls würde  ich jederzeit gerne den Beweis antreten, dass man für 35,00 Euro pro Quadratmeter auf der Gillamooswiese den Bereich, der mich betrifft, pflastern kann und das selbstverständlich auf eigene Kosten. 
 
Für das Karpfhamer Volksfest wurden so die Wege befestigt, vielleicht hilft uns der heilige Ägidius auch in Abensberg mit einer Friedensstiftung  zu besserer Einsicht und Praxis. An mir soll es nicht liegen. 
 
Ich will die Lösung des Problems aus ganzem Herzen und bitte die Bevölkerung und den Stadtrat um Unterstützung meines „700 Jahr Jubiläumsvorschlages“, die Gillamooswiese staub- und schmutzfrei zu machen, damit die Abensberger Veranstaltungen eine ordentliche Qualität für die Besucher aus Nah und Fern bieten. 
 
Mit bestem Dank und freundlichen Grüßen. 
 
Salleck Leonhard  
 
 
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Autor: Ingo Knott
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