16.01.2012 Kelheim
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Paar entkommt Concordia

Festgeklebte Rettungsboote


Foto: Ingrid Lauerer
Christa und Bernhard Sperger aus Kelheim sind der Costa Concordia entkommen. Lesen Sie hier, was das Unternehmer-Ehepaar im Wochenblatt-Gespräch über das Schiffsunglück zu berichten hat.

 

Während am Montagnachmittag noch 16 Vermisste im Schiffswrack der Costa Concordia gesucht und sechs Tote zu beklagen sind, befinden sich zwei Kelheimer, ihre Tante aus Bodenmais sowie eine Angestellte bereits wieder wohlbehalten in der Heimat.
 
 
Christa und Bernhard Sperger sind zusammen mit ihrer Angestellten Gabriele Brünner bereits am Sonntagmorgen mit dem Bus aus Italien in Kelheim angekommen. Ruhe gefunden haben Christa und Bernhard Sperger aber noch lange nicht. Groß ist das Interesse der Medien an ihrer Rettung, das Fernsehen hat bereits seine Arbeit geleistet, das Telefon klingelt ohne Unterlass. „Ich bin schon viel herumgekommen“, erzählt Bernhard Sperger in einer Telefonpause, auch auf Schiffen; bislang sei nichts passiert.
 
 
Ihren Weihnachtsurlaub haben die Spergers auf der Costa Concordia verbracht. Der unglückliche Freitag war der letzte Tag, ausgerechnet da musste es passieren. „Für meine Begriffe war eindeutig der Kapitän Schuld“, so Bernhard Sperger. Schon beim ersten Zusammentreffen machte er auf ihn einen unguten Eindruck.
 
 
„Als das Schiff auf den Felsen aufgelaufen war, hat es sich sofort geneigt, einige Zeit später sackte es in die andere Richtung ab“, berichtet Sperger. Und dann dauert es noch eine ganze Stunde, bis endlich Alarm ausgerufen wird; vorher war immer nur von technischen Problemen die Rede.
 
 
Übel nimmt der Gerettete der gesamten Führungs-Crew des Schiffs, „dass sich kein Einziger hat blicken lassen“. Besonders positiv hingegen sind die „kleinen“ Schiffsangestellten eingesprungen. Da haben junge Männer, schätzungsweise um die 20 Jahre alt, ihre Schwimmwesten an Passagiere abgegeben. Das Bedienungspersonal aus dem Schiffsrestaurant hat tatkräftig zugelangt bei der Rettung der Passagiere, ebenso der Maschinist. Keine Sprachschwierigkeiten hemmten die Hilfsbereitschaft.
 
 
„Die Rettungsboote waren zum Teil total fest“, berichtet Bernhard Sperger, mit Lack an der Befestigung verklebt. „Eines der Boote wurde mit dem Hammer losgeschlagen“, erinnert sich Sperger. Die Verteilung der Schwimmwesten, eigentlich Aufgabe des führenden Schiffspersonals, verlief chaotisch, völlig ungeordnet. Wer weiter oben im 14 Stockwerke aus dem Wasser ragenden Luxus-Dampfer war, hatte die besseren Chancen eine Schwimmweste zu ergattern.
 
 
„Ich habe schon in Erwägung gezogen, an Land zu schwimmen“, betont Bernhard Sperger. Das Wasser sei ganz ruhig gewesen. Um den Platz im Rettungsboot war er dann trotzdem froh, denn das Wasser ist auch im südlichen Italien im Januar bitterkalt.
 
 
Die Vier aus der Reisegruppe aus Kelheim haben sich während der Bergung aus den Augen verloren. Nach dem Eintreffen auf der Insel San Giglio finden sie sich wieder. Eine alte Fähre bringt sie vom kaum besiedelten Eiland aufs Festland. In einer Turnhalle werden sie mit dem Nötigsten versorgt. Nach einigen Stunden startet der Bus, den der Reiseveranstalter gesandt hat, mit den Überlebenden, darunter Christa und Bernhard Sperger mit Gabriele Brünner und der Verwandten aus Bodenmais in Richtung Heimat und kommen wohlbehalten am Sonntagmorgen an.


Autor: Ingrid Lauerer
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