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16.07.2012 Abensberg

Unterricht ab dem Schuljahr 2013/14

Berufsschule und Mittelschule kooperieren


Eine wichtige bildungspolitische Entscheidung wurde am Montag in der Aventinus Mittelschule bekannt gegeben: An der Mittelschule wird es ab dem Schuljahr 2013/14 Wirtschaftsschul-Unterricht geben. Möglich ist dies durch eine Kooperation mit der Kelheimer Berufsschule.

Montagmittag in Abensberg - es scheint fast so, als wäre Abensbergs Antwort auf die Entscheidung des Kreistags, den FOS/BOS-Standort komplett in Kelheim zu belassen, endlich gegeben. Abensberg hat ja im Kreis Kelheim den Ruf, über rebellisches Potenzial  zu verfügen, und das, aufgemerkt, mit einem CSU-Stadtchef vorne dran. In Abensberg selbst kommt diese kämpferische Seite gut an, Brandl hat, daran sei erinnert, nach zwei Amtsperioden als Bürgermeister drei Viertel der Stimmen erhalten und befindet sich seither in seiner dritten Amtsperiode als Erster Bürgermeister. Unstrittig ist auch seine Position im Gemeindetag - dem steht er vor und rasselt mit den Säbeln, wenn er befürchtet, dass die Gemeinden benachteiligt werden könnten. 

 

Wolfgang Brey ist ein Parteifreund, und beide sind sich mehr als grün. Mit Brey als Direktor ist die Aventinus Mittelschule in Abensberg zu einer fröhlichen Schule geworden; die Schüler sind immer mit dabei, wenn es darum geht, die Schule zu verschönern, es gibt Aktionen, an deren Ende ein viel zu großer Ministerpräsident in einem kleinen, von den Schülern gebauten Elektroauto sitzt und über den Schulhof tuckert, zuletzt waren eine ganze Reihe an Regierungsbeamten da und haben gesehen, was mit Phantasie und Herz möglich ist. Diese Schule lebt.

 

Brey war schon einmal als Bürgermeisterkandidat in der Nachbarstadt Neustadt an der Donau aktiv, damals forderte er ein Gymnasium für Neustadt. Er wurde verlacht, Faschingswägen der SPD zielten auf ihn und diese Idee ab. Den Schülern in Abensberg dürfte es lieber sein, dass er damals nicht gewonnen hat. Heute fordert ja ganz Neustadt ein Gymnasium - die Neustädter sehen sich benachteiligt, sind sie doch einer der ganz großen Geldgeber im Landkreis, aber es gibt viele Schwierigkeiten für die Ansiedlung eines Gymnasiums, eines staatlichen zumindest - die Geburtenzahlen sind rückläufig, auch wenn Neustadt auch aus den umliegenden Landkreisen Schüler anziehen würde, gab es noch kein positives Signal aus dem Kultusministerium. Brandl wiederum hat sich irgendwann in die Diskussion eingemischt und öffentlich mitgeteilt, er könne Neustadts Pläne nicht unterstützen, die Geburtenzahlen würden das nicht mehr hergeben. Außerdem sei das Gymnasium im Kloster Rohr dann gefährdet. Das hat ihm in Neustadt keine großen Freunde eingebracht, aber mit seiner Einschätzung liegt er gleichauf mit den Münchner Entscheidern. Seither will zumindest MdL Martin Neumeyer, ein Abensberger natürlich, den Neustädtern dezent den Hinweis geben, sie sollten vielleicht eine Privatschule anlocken, das gehe schneller als die ministerialen Mühlen und sei auch weniger risikoreich. Aber keiner will diesen Vorschlag hören.

 

Zurück nach Abensberg. Dort hat man die Entscheidung, Kelheim zum quasi alleinigen Standort der FOS/BOS zu machen, 2010 war das, nicht gebilligt - zumindest nicht bei der CSU. Und so kommt es schon einer Genugtuung gleich, wenn nun tatsächlich Abensberg als ein Modellprojekt (21 werden es in ganz Bayern zum Schulstart 2013/14) für eine Wirtschaftsschule an einer Mittelschule den Zuschlag erhalten hat. Am Ende stehen kaufmännisch gebildete Schüler, die einen Realschulabschluss haben. „Eine sehr wichtige bildungspolitische Eigenstellung für den Schulstandort Abensberg”, freut sich Brandl. Auch Biburgs Bürgermeister Thomas Zachmayer ist da, denn Biburg bildet mit Abensberg einen Schulverband. Zachmayer ist pragmatisch und sich sicher, dass das „etwas ganz Positives” wird und als Vater freut ihn die Entwicklung in Abensberg sowieso. „Was ist wichtig für die Schüler”, das sei der wichtigste Gedanke in der Bildungspolitik. „Bei diesem Projekt haben wir die Bildung am Kind orientiert.” Mit am Tisch im Aventinus-Lehrerzimmer sitzt Kelheims Berufsschul-Oberstudiendirektor Bernd Moser; auch er ist von der Sache überzeugt, von ihm, von der Berufsschule, kommen ja die Lehrkräfte. „Abensberg ist immer für eine Überraschung gut”, sagt er und deutet hinter sich, wo der Kuchlbauer-Turm steht. „Und jetzt dieses Schulprojekt, das könnte größere Auswirkungen für ganz Bayern haben”, sagt Moser. Und er regt gleich mal an, ob man zum kaufmännischen nicht auch einen technischen Bereich benötige.  Brandl bedankt sich natürlich sofort „für den Tipp und wenn das Erste funktioniert, treten wir auch den zweiten Beweis an.” Bastian Bohn, Jugendreferent von Abensberg, spricht von einer „Riesenchance” und er freut sich auch, dass „uns die Realschule und die Mittelschule in Abensberg so sehr am Herzen liegen.” Bohn hat an diesem Tag auch noch Geburtstag, und er hat doppelt Grund für gute Laune. Auch der Elternbeiratsvorsitzende Manfred Meyer ist begeistert. 

 

Direktor Brey - dessen Gesamtwirken in der Mittelschule an diesem Tag nicht nur von Zachmayer hervor gehoben wird -, erzählt, dass nun zwei Jahre geheime Arbeit hinter den Beteiligten liegen würden. Sein Ausblick: „Irgendwann werden Real- und Mittelschule verschmelzen”. Man müsse „den Druck aus den 5. und 6. Klassen nehmen”, den Schülern zuliebe; das zu frühe Auswahlverfahren, das praktiziert werde, ist seine Sache offenbar nicht. Die Zahlen seiner Schüler geben ihm recht, und der „Wall of Fame” zeige, was aus Hauptschülern werden kann. (Eine „Ahnengalerie” mit ehemaligen Schülern und deren heutigem beruflichem Wirken.) Sowieso: „Die Wirtschaftler im Landkreis wünschen sich eine Wirtschaftsschule. Dafür musste man bisher nach Regensburg oder Ingolstadt fahren.” Und in Abensberg sei dies, wie z.B. in Regensburg, keine private Wirtschaftsschule, sondern ein Teil der Berufsschule die ihr Angebot an der Abensberger Mittelschule erweitert. Begonnen wird mit der 7. Jahrgangsstufe.

 

Das war natürlich nicht alles - gleichzeitig mit dem Start der Wirtschaftsschul-Klasse(n) wird an der gesamten Aventinus Mittelschule mit E-Learning begonnen. Das heißt: Jeder Schüler erhält einen Laptop. Bis dahin ist man auch als Offene Ganztagsschule aufgestellt - und Kämmerer Hans-Peter Maier verzieht keine Mine und grinst sich lässig durch die ganze Informationsveranstaltung. Die Finanzierung steht offenbar.

Autor: Ingo Knott
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