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05.10.2012 Siegenburg

Verzweiflung nach Brand

Neues Zuhause für Vierbeiner gesucht


Ilka Schmitt versteht die Welt nicht mehr: Sie muss bis Jahresende aus dem Haus ausziehen, in dem schon ihre Mutter gewohnt hatte und weiß nicht wohin mit ihren Tieren. Drei Pferde und ein lustiger Esel - die Lage ist ernst.

Während des Gesprächs bricht Ilka Schmitt immer wieder in Tränen aus. Den Glauben an die Menschheit habe sie verloren, sagt sie, jetzt, wo ihr gekündigt wurde. Was aus den Pferden wird, die seit Jahrzehnten hier leben, interessiert nicht und die Erinnerungen an ihre Mutter ist sowieso ihre Sache. 

 
Von vorne: Ende August war infolge eines Kabelbrandes das Blockhaus am Rande des Dürnbucher Forstes in Brand geraten. Es kam niemand zu Schaden, das Feuer konnte gelöscht werden, doch der Schaden, den Flammen und Löschwasser angerichtet hatten, war immens. Nachdem Hausbesitzerin und Mieterin sich Anfangs noch gegenseitig getröstet hatten und beschlossen, alles wieder her zu richten, kam Anfang September die Überraschung: 
 
 
Die Mieter sollten ausziehen, verlangte die Hausbesitzerin plötzlich und war nicht mehr um zu stimmen. Ilka Schmitt bot an, ihr Haus auf eigene Faust und eigene Kosten zu renovieren – ohne Erfolg. Alles Bitten und Betteln war umsonst. Der Job, die Tiere – all das interessierte plötzlich nicht mehr. Die Kündigung zum 31. Dezember steht. 
 
 
Es folgten Wochen der erfolglosen Suche nach einer neuen Bleibe für alle. Ein alter Bauernhof wäre passend, ein bezahlbares Häuschen irgendwo am Ortsrand, wo man Pferde halten kann käme in Frage, doch es findet sich nichts. Eine Drei-Zimmer-Wohnung ist gefunden, allerdings nur für Menschen. 
 
 
Ilka Schmitt, 62, Schrotthändlerin (immer noch „Ich würde nie vom Staat leben wollen!), ist ratlos. Die vier Pferde und ein betagter Esel brauchen nämlich nun ein neues Zuhause. 
 
 
Den Esel hat ihre Mutter auf dem Gillamoos gekauft. Dort stand Jacomo (45) und sollte, falls nicht verkauft, geschlachtet werden. „Den ganzen Weg von Abensberg nach Siegenburg ist sie mit dem Esel gelaufen, weil der nicht um alles in den Hänger wollte” erzählt… und schluchzt schon wieder. „Die Tiere waren meiner Mutter so wichtig. Sie hat lieber selbst trocken Brot gegessen als für die Pferde keine Karotten kaufen zu können” erzählt sie. Die Katze nimmt der Sohn, einen kleinen Hund kann eine Tochter aufnehmen. Die beiden großen, alten Hunde sind nicht mehr bei bester Gesundheit müssen wohl eingeschläfert werden. Doch die Pferde?
 
 
„Sie sind allesamt kerngesund, die kann man doch nicht töten” ruft Ilka Schmitt verzweifelt. Außer Esel Jacomo gibt es noch: Smokey, 44 Jahre, das erste Reitpony der inzwischen ebenfalls verstorbenen Schwester. Alle haben Smokey geliebt und das gutmütige Tier kommt mit Menschen und Tieren gut aus. „Ideal für einen Streichelzoo“ ist die Idee. „Ein Streichelzoo wäre ein guter Platz für alle“, meint die Besitzerin. „Es sind liebe, friedliche Tiere, die Menschen mögen“. 
 
 
So auch Freica, 34 Jahre. Auch sie wurde, wie Jacomo vor dem Schlachthaus gerettet und war lange Mamas Lieblingspferd. Eine Schwester war mit ihr auf Turnieren, nichts wirklich Großes, aber das Pferderennen in Neustadt ist Freica mit Begeisterung und mit Erfolg gelaufen. Auch Kardenal 24, war als Turnierpferd aktiv. Zu ihm gibt es noch einen passenden Sattel als Dreingabe. Er war wohl, erinnert sich die Besitzerin, einmal ein sehr wertvolles Pferd. 
 
 
Einzig der gescheckte Smiley hat schon einen Platz gefunden, an dem seine jetzige Besitzerin ihn auch ab und zu besuchen darf. Denn das ist ihr wichtig: Dass die Tiere einen guten Platz finden und sie auch ab und an mal vorbauschauen kann, um sie zu sehen. 
Wer kann eines der Pferde aufnehmen? – Oder wer wüsste eine Lösung? Die Besitzerin ist für jeden Vorschlag dankbar. Einfach anrufen: 09444/ 1208. Alle Tiere wurden vorschriftsmäßig geimpft und natürlich gibt es sie mit Papieren. 

 

Nach unserem Artikel und der Online-Veröffentlichung hat sich die Lage bei Ilka Schmitt dramatisch verbessert - lesen Sie hier den neuesten Sachstand. 

Autor: Anna Maria Mora

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