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19.10.2012 Deutschland
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Harter Horror mit Witz: REC 3


Gar nicht so witzig wie allseits proklamiert ist der dritte Teil der spanischen Horrorfilmreihe REC.

Seit dem 12. Oktober steht REC 3: Genesis als DVD und BluRay in den deutschen Läden; uncut und ab 18 Jahre. Nach den ersten beiden REC-Filmen, in denen im Handkamera-/Found Footage-Verfahren über den Ausbruch eines aggressiven Virus in einem spanischen Wohnkomplex berichtet wurde, verlassen die Macher diese Handlungsebene und präsentieren eine groß angelegte Hochzeit, auf der im Laufe der Feier eben jenes Virus in Erscheinung tritt. 

 

Sehr geschickt umgesetzt ist der Sprung vom Doku-Stil ins Filmische, und pointiert sind die dann doch sichtbaren inhaltlichen Verknüpfungen mit den ersten Teilen; das Virus nimmt ja schließlich irgendwo seinen Anfang. 

 

Aber los geht es mit der Feier recht schnell, es herrscht allseits blendende Stimmung, bis, ja bis der eine Onkel mit leicht verzücktem Gesicht vom Geländer und auf einen der Tische plumpst. Entgegen aller Wahrscheinlichkeiten aber ist er nicht tot, er beisst seine Frau, und los geht der Terror. Ähnlichkeiten zu Roger Corman‘s Poe-Rausch Die Maske des Roten Todes sind nicht von der Hand zu weisen, wenn die feine (spanische, wir sind ja in Spanien - und da sind Klassenkämpfe nicht mehr weit) Gesellschaft vom vermeintlich Ausgesperrten dahin gerafft wird; hier: ein Virus.

 

Besagter Virus ist ja nicht irgend einer, er ist, das verraten die beiden Vorgängerfilme, kein dahergelaufenes Zombieding, sondern in der christlichen Mythologie zu verorten und einem wohl besessenen Kind entsprungen. Und so gibt es in REC 3 unglaublich intensive Momente, wenn ein Priester irgendwann drauf kommt, dass heftiges Beten die Raserei eindämmt. 

 

Bis dahin ist die Hochzeits-Gesellschaft allzu dezimiert (menschlich betrachtet) und hier gibt es auch genügend Aktionen, die man dem Funsplatter zuordnen kann. Aber die Witzigkeit kennt hier ihre Grenzen.

 

Denn es geht nicht gut aus. Das Liebespaar, das hier seine Hochzeit feiert, verliert sich, findet sich, findet ein gemeinsames Ende. Vergleiche zu Brian Yuzna‘s Return of the Living Dead 3 sind schnell zu ziehen, und wie Yuzna‘s Film haben auch Jaume Balaguero und Paco Plaza eigentlich einen Film gemacht, der, wenn man durch all seine over the top-Metzeleien hindurch schaut, immer zutiefst menschlich ist und den Ausgestoßenen der Gesellschaft seine Aufmerksamkeit gibt. Ein toller Film.

 

REC 4 wird, soweit man dies heute schon weiß, wieder in die ursprüngliche Geschichte eindringen und diese ausbauen. Die Enttäuschung mancher Fans, dass der dritte Teil nun so ganz anders ist und die absolute Grimmigkeit der ersten zwei Teile nicht mehr aufrecht erhält, sollte Interessenten an hartem Stoff nicht davon abhalten, REC 3 zu goutieren. 

Autor: Ingo Knott

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