wahlen
25.03.2012 Abensberg/Deutschland
Artikel versenden Artikel drucken Leserbrief schreiben

Das Jenseits und Karina Traxinger


Karina Traxinger, von der ihr Verlag sagt, sie sei ein „bekanntes Medium”, hat wieder ein Buch veröffentlicht. Es heißt „Das Jenseits ist näher als Du denkst” und bietet Menschen, die Angehörige verloren haben, einen Hoffnungsschimmer. Das mag man für gut - oder für gefährlich halten.

Der „Magic Buchverlag” sitzt im bayerischen Holzkirchen und hat Karina Traxinger schon seit Längerem unter Vertrag. Fünf Bücher von ihr führt man bei „Magic”, alle blicken sie schon titelmäßig irgendwie ins „Jenseits” oder zumindest in „die geistige Welt”.

 

Hier die Beschreibung des neuen Produktes: „Das bekannte Medium Karina Traxinger erzählt von Botschaften aus dem Jenseits. Alle diese wundervollen Geschichten beruhen auf wahren Begebenheiten. Sie enthalten Beweise, die Verstorbene eindeutig identifizieren. Hinterbliebene und Trauernde erfahren Trost und Hoffnung und die Zuversicht, dass unsere lieben Verstorbenen weiterleben. Was Sie schon immer über die jenseitige, die geistige Welt wissen wollten – in diesem Buch erhalten Sie zahlreiche Antworten und vor allem die Gewissheit: Der Tod ist nicht das Ende unseres Seins.” (Magic Buchverlag)

 

Nun, was liest man nicht alles als aufgeschlossener Zeitgenosse, und ein Buch von einer Frau, die sich als Medium bezeichnet, das kann ja spannend sein, oder? Wer weiß schon, was es alles gibt zwischen Himmel und Hölle? Karina Traxinger zumindest sagt, sie könne Kontakt zu Verstorbenen aufnehmen, zu Geistwesen, die dann auch, fast im Handumdrehen, immer da sind und zu ihr sprechen und die Angehörigen beruhigen, die der zermürbende Weg der Trauer irgendwann zur Traxingerin verschlagen hat. Potzblitz, möcht man immer wieder ausrufen.

 

Kostprobe - aus „Das Jenseits ist näher als Du denkst” von Karina Traxinger, Seite 99 ff.: „Der Frosch. Besucher aus der Geisterwelt sind für mich nichts Ungewöhnliches mehr, doch viele Botschaften aus dieser Welt lassen mich immer wieder staunen. So auch jene, von der Samantha mir erzählte. Die nun folgende Sitzung fand im Jahre 2010 statt. Pünktlich traf Samantha bei mir ein. Während ich sie in mein Arbeitszimmer führte, konnte ich, wie so oft, bereits ein Geistwesen wahrnehmen. 

„Das ist Ihr Bruder. Er ist einer schweren Krankheit erlegen, es war Krebs. Sein Name ist Paul”, fuhr ich fort. Sie bestätigte es. Er erzählte weiter von alten Familiengeschichten, der Verbindung zwischen ihm und seiner Schwester und von seinen Lebensumständen. Alle Details entsprachen der Wahrheit. 

„Ihr Bruder sagt, Sie werden umziehen. Das Haus, in dem Sie leben, wird wegen Eigenbedarf gekündigt.” Samantha stand vor einem Rätsel, schüttelte den Kopf und äußerte: „Das kann ich mir nicht vorstellen.” Ich fragte Paul, ob er mir mehr darüber erzählen könnte. Schließlich übermittelte er mir Folgendes: „Er sagt, Sie werden in ein Haus mit drei Parteien ziehen. Sie werden sich vorher zwei Wohnungen ansehen, aber sie werden Ihnen nicht gefallen. Erst die dritte wird die richtige sein. Sie werden sich dort wohlfühlen.”

Samantha zog fragend die Augenbrauen nach oben. Es gab weder einen Anlass dafür, noch wollte sie ihre Wohnung verlassen. Sie liebte sie und hatte sich gerade ein Jahr zuvor wunderschön eingerichtet. „In unmittelbarer Nähe der neuen Wohnung wird ein Bach fließen. Er wird Ihrer Seele guttun.” Samantha fiel dazu immer noch nichts ein, und ich bat sie, gar nicht weiter darüber nachzudenken, da sie dies jetzt noch nicht wissen könnte.

Als ich ihr weitergab, dass mir ihr Bruder einen Frosch zeigte, dachte ich zunächst, sie würde vom Stuhl fallen. „Igitt, nein, er weiß, dass ich Frösche nicht mag”, sagte sie erschrocken. Die Durchsagen wirkten auf den ersten Blick banal und doch wurden sie zu einem späteren Zeitpunkt zu bedeutsamen Hinweisen. 

Nur wenige Wochen später klingelte bei Samantha das Telefon. Ihre Vermieterin war am anderen Ende der Leitung und verkündete ihr, dass sie ihr die Wohnung wegen Eigenbedarfs kündigen müsse. Enttäuscht, aber dennoch im Vertrauen, dass es seinen Sinn hatte, erinnerte sich Samantha an die Jenseitssitzung. So begab sich Samantha auf die Suche nach einer neuen Wohnung. Die ersten beiden waren nicht das, was sie sich erhofft hatte. Schließlich fuhr sie zur Besichtigung der dritten Wohnung. Sie konnte nicht glauben, was sie sah: Ein Bach floss direkt an dieser vorbei. (…)

Samantha ging am Abend des Umzuges auf die Terrasse, um eine Zigarette zu rauchen. Dabei hörte sie ein Geräusch, das vehement an ihr Ohr drang. Als sie ihren Blick nach unten schweifen ließ, saß ein kleiner Frosch zu ihren Füßen. Ihr Herz war voller Freude, Glück und von Dankbarkeit durchflutet, denn sie wusste, ihr Bruder war noch immer darauf bedacht, dass es ihr gut ging.

Und - Frösche sind seitdem kein Gräuel mehr für sie.”

 

Nun - die Skepsis des Autors angesichts der Möglichkeit jenseitiger Kontaktaufnahmen ist immens, und Karina Traxingers Geschichten haben daran nichts geändert. Sie schreibt, die Schilderungen beruhen allesamt auf Tatsachen, lediglich leichte Veränderungen gibt es, zum Zwecke des Datenschutzes. Aber sonst war es so. Hm.

 

Das hat man schon zu oft gehört, gelesen, gesehen, sich damit beschäftigt - und nie ist was rausgekommen. Muss ja nicht, kann man ja glauben, sowas. Wenn‘s hilft. Etwas verärgert lässt mich das Buch allerdings doch an den Stellen zurück, wo aufs Geratewohl in traumatischen Erinnerungen gewühlt wird - sowas kann gehörig daneben gehen. Das muss jedem klar sein, bevor er oder sie sich auf den Weg zu jemandem macht, der behauptet, er/sie könne einen Kontakt zum Jenseits herstellen. Mehr muss man nicht urteilen über ein solches Buch, das natürlich seine Anhänger findet. Die Ereignisse auf dieser Welt sind eben oft nicht schön. Da kommt Trost immer gut an.

 

P.S.: Ob Samantha den Frosch mit rein genommen hat?

Autor: Ingo Knott
Weitere Nachrichten aus dem selben Ort: