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23.07.2012 Landau/Landshut

Mittäter soll viereinhalb Jahren sitzen

Baumarkträuber soll für sechs Jahre hinter Gitter


Mit einem überraschenden Geständnis in „letzter Minute” wartete der „Hagebaumarkträuber”, ein 42-jähriger Paketzusteller aus Landau, am dritten Verhandlungstag vor der 1. Strafkammer beim Landgericht Landshut auf. Die Staatsanwältin beantragte für ihn wegen schwerer räuberischer Erpressung eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren.

Staatsanwältin Barbara Güntner bezog in dieses Strafmaß allerdings eine Vorverurteilung (neun Monate) wegen Unterhaltspflichtverletzung ein. Die Anklagevertreterin hatte auch keine Zweifel, dass ein 36-jähriger „Passauer Grieche” beim Überfall dabei war, und forderte für ihn viereinhalb Jahre.

 

Als „Randfiguren” hatten sich dagegen im Prozessverlauf ein 32-jähriger Serviceberater und seine Halbschwester, eine 44-jährige Frührentnerin, beide aus Pilsting, herauskristallisiert. Der Serviceberater, der früher im Hagebaumarkt beschäftigt war, hatte dem Landauer entscheidende Informationen über die Örtlichkeiten im Baumarkt und die Gepflogenheiten des Marktleiters (47) geliefert. Für ihn forderte die Staatsanwältin wegen Beihilfe zum Diebstahl in besonders schweren Fall eine Bewährungsstrafe von 16 Monaten und als Bewährungsauflage 150 Stunden soziale Dienste.

 

Den Anklagevorwurf, bei dem Überfall Schmiere gestanden, hatte die Frührentnerin bestritten, und auch die zwei Verhandlungstage hatten dafür keinen Nachweis erbracht. Allerdings hatte sie eingeräumt, von ihrem damaligen Lebensgefährten, dem 44-Jährigen, 2.200 Euro aus der Beute geschenkt bekommen zu haben. Darin sah die Staatsanwältin den Tatbestand der Hehlerei verwirklicht und beantragte dafür eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 25 Euro (3.000 Euro).

 

In ihrem Plädoyer fasste die Staatsanwältin noch einmal die Vorgänge im April 2009 zusammen: Danach habe man sich schon etliche Tage vor dem Überfall getroffen, um einen „Bruch” auszuhecken. Ins Auge gefasst habe man zunächst einen Baumarkt in Osterhofen. Der damals im Hagebaumarkt beschäftigte Servicetechniker habe dann seinen Arbeitgeber ins Spiel gebracht und bei einem späteren Treffen in der Wohnung der Pilstinger Frührentnerin, bei der auch der „Passauer Grieche” dabei gewesen sei, dann auch die notwendigen Informationen geliefert.

 

Geplant gewesen sei nur ein „Bruch”, für alle Eventualitäten habe der Landauer auch eine Waffe mitgenommen. Ob es sich um eine scharfe oder nur um eine Spielzeugpistole gehandelt habe, habe sich im Prozessverlauf nicht mehr klären lassen. Mit der sei dann der Marktleiter, auf den man beim Einbruch gegen 23 Uhr überraschend getroffen war, bedroht, zum Öffnen des Tresors und zur Herausgabe von insgesamt 18 000 Euro aus Geldkassetten und -taschen gezwungen worden. Eine Unachtsamkeit des Räubers habe der Marktleiter genutzt, ihm eine Geldkassette über den Kopf zu ziehen und dann zu flüchten.

 

Keinen Zweifel hatte die Staatsanwältin, dass auch der 36-Jährige aus Passau bei dem Überfall beteiligt gewesen sei: Er sei dem Hauptangeklagten in den Markt gefolgt und habe, ohne dass ihn der Marktleiter gesehen habe. nach Utensilien gesucht, um das Opfer zu fesseln.

 

Strafmildernd wertete die Anklagevertreterin bei dem 42-Jährigen das in letzter Minute - just vor Beginn der Plädoyers - über seinen Verteidiger gelieferte Geständnis. Die Anklage sei, was seine Person betreffe richtig, hatte er einräumen lassen. Straferschwerend führte die Staatsanwältin dagegen die zahlreichen Vorstrafen - insgesamt neun wegen Eigentums- und Gewaltdelikten - ins Feld.

 

Derzeit verbüßt der Mann übrigens noch eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten, die er sich letztes Jahr für eine Einbruchsserie, bei der er u.a. auch die „Hl. Familie” aus der Niederhöckinger Kirche gestohlen hatte, einhandelte. Ebenfalls straferschwerend, so die Anklagevertreterin, müssten sich für den Paketzusteller und seinen Passauer Kumpan die erheblichen psychischen Folgen, durch die der Marktleiter noch heute belastet sei, auswirken.

 

Verteidiger Nico Werning sah für den Landauer Angeklagten eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und zehn Monaten (die neun offenen Monate wegen Unterhaltspflichtverletzung einbezogen) als sachgerecht an. Sein Geständnis sei nicht in erster Linie erfolgt, um sich eine niedrigere Strafe zu sichern, sondern vielmehr, um den Marktleiter Gewissheit zu verschaffen, dass er von dem damaligen Täter nichts mehr zu befürchten habe.

 

Einen Freispruch forderte Rechtsanwältin Dagmar Schmidt für den Passauer Angeklagten. Für seine Beteiligung an der Tat habe die Verhandlung keinerlei Beweis erbracht, nicht einmal der überfallene Marktleiter habe zwei Täter bemerkt.

 

Wie die „Jungfrau zum Kind”, so Rechtsanwalt Josef Eber, sei der Pilstinger zu einer Beteiligung in dem Fall gekommen. Er habe zwar die Informationen geliefert, aber nie geglaubt, dass der Einbruch tatsächlich verübt würde. Eigentlich wäre ein Freispruch angebracht, so der Anwalt; denn dass aus dem „Bruch” eine räuberische Erpressung werde, habe er nicht ahnen können: „Für den Exzess des Haupttäters kann er nicht zur Verantwortung gezogen werden.” Sollte die Kammer trotzdem zu einer Beihilfe kommen, sollte die Strafe acht Monate auf Bewährung nicht überschreiten.

 

Mit der Staatsanwältin einig war sich Rechtsanwalt Manfred Jomrich, dass bei der 44-Jährigen lediglich eine Verurteilung wegen Hehlerei in Frage komme. Dafür hielt er eine Geldstrafe im unteren Bereich für angemessen.

 

Das Urteil verkündet die Kammer am Mittwoch um 10.30 Uhr.

Autor: ws

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