24.11.2016 Dingolfing/Straubing

Moderate Strafen für Helfershelfer

Serbische Drogen-Importeure liefern Geständnisse

Gericht Justiz Verhandlung Prozess
Foto: Jürgen Unterhauser
Fünf Einfuhren von jeweils fünf Kilo Marihuana - Verständigungsgespräche gescheitert - „Helfershelfer” kommen mit moderaten Strafen davon

Obwohl der 25-jährige serbische Autohändler Semir D. aus Straubing und sein 30-jähriger, ebenfalls im Autohandel tätiger Cousin Emir D. vor der 6. Strafkammer des Landshuter Landgerichts am vierten Verhandlungstag vor der 6. Strafkammer die Einfuhr von 25 Kilogramm Marihuana, mit denen dann Abnehmer aus den Regionen Landshut, Straubing und Dingolfing versorgt wurden, gestanden, blieb das erwartete Urteil aus: Staatsanwalt Thomas Rauscher stimmte einem „Deal” nicht zu. Die Verfahren gegen drei Mitangeklagte „Helfershelfer” konnten dagegen mit moderaten Freiheits- bzw. sogar Bewährungsstrafen zum Abschluss gebracht werden.

Wie im Prozessverlauf mehrfach berichtet, waren mit Kurieren aus Serbien, die in Fernreisebussen unterwegs waren, von Anfang Oktober 20915 bis Januar 2016 laut Anklage bei insgesamt sechs Einfuhren mindestens 30 Kilogramm Marihuana geschmuggelt worden, das dann von den beiden Autohändlern mit entsprechendem Gewinn an Zwischenhändler weiter verkauft wurde.
Mit auf der Anklagebank landeten mit dem 37-jährigen Lageristen Peter L. aus Vilsbiburg einer der Großabnehmer, der auch im Kilobereich Handel betrieb und sich nebenbei auch noch mit kleineren Mengen Kokain beliefern ließ. Dazu mit dem 28-jährigen ehemaligen serbischen Fußballprofi Nihad J. einer der Kuriere und schließlich mit dem Schuhmodelldesigner Edis B. (26) der Helfer, der in Serbien die Kuriere anwarb.

Bereits zum Prozessauftakt hatte es Verständigungsgespräche gegeben, die allerdings noch zu keinen endgültigen Ergebnissen führten. Allerdings zum Hinweis von Vorsitzendem Richter Ralph Reiter, dass der ursprüngliche Anklagevorwurf gegen die beiden Straubinger Drahtzieher, der auf bandenmäßigen Drogenhandel gelautet hatte, kaum nachweisbar sei. Das Trio der „Helfershelfer” räumten daraufhin ihre jeweiligen Tatbeiträge ein.

Auf die Spur der Serben-Connection war man, wie ein Beamter der Ermittlungsgruppe „Z (=Zentralaufgaben)” der Kripo Niederbayern berichtete, über einen inzwischen zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe verurteilten Essenbacher Schrotthändler (24) gekommen, der im Kilobereich gedealt, nach seiner Festnahme über seine Bezugsquelle ausgepackt und die entscheidenden Hinweise auf die Straubinger Autohändler gegeben hatte. Bei einer Einfuhr von fünf Kilogramm in der Nacht vom 16. auf 17. Januar dieses Jahres, bei der Edis B. als Kurier unterwegs war, erfolgte dann der Zugriff.

Zum Auftakt des vierten Verhandlungstages hatten dann zunächst die psychiatrischen Gutachter das Wort. Dr. Anna-Christina Wunder-Lippert (Nürnberg) berichtete, dass Emir D. nach eigenen Angaben seit seinem 14. Lebensjahr Cannabis konsumiert habe, ab 23 Jahren dann täglich ein bis zwei Gramm. Außerdem habe er vornehmlich an den Wochenenden Kokain geschnupft. Obwohl bei ihm nach der Einlieferung in die JVA keine Entzugserscheinungen festgestellt worden seien, sei bei ihm von einer Drogenabhängigkeit und einem Hang zum Drogenkonsum auszugehen, so dass seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt, deren Dauer sich auf rund 18 Monate belaufen dürfte, zu befürworten sei.

Ganz anders dann Dr. Ludwig Schmid vom Bezirkskrankenhaus Mainkofen: Semir D. habe ihm berichtet, dass er bereits während seiner Schulzeit die ersten Joints geraucht und in jungen Jahren auch schon dem Alkohol zugesprochen habe. Im Alter von 20 Jahren habe er dann auch Kokain konsumiert und die Menge auf zeitweise zwei Gramm am Tag gesteigert. Der Gutachter kam zu dem Ergebnis, dass beim Autohändler zwar ein Drogenmissbrauch, aber keine Abhängigkeit vorgelegen habe, so dass weder von einer verminderten Schuldfähigkeit auszugehen sei, noch eine Unterbringung infrage komme.

Im Anschluss an die Gutachten fanden erneut Verständigungsgespräche, diesmal nur die beiden Hauptangeklagten betreffend, statt. Wie Vorsitzender Richter Reiter im Anschluss daran mitteilte, hätten sich Kammer und Verteidiger im Falle von Geständnissen Freiheitsstrafen für Semir D. und Emir D. im Bereich zwischen fünf und fünfeinhalb Jahren und dazu die Anordnung der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt vorstellen können. Allerdings lehnte Staatsanwalt Rauscher diesen „Deal” ab, wandte sich insbesondere gegen die Unterbringung der beiden Angeklagten.

Wie er dann im Rahmen von entsprechenden Beweisanträgen feststellte, seien bei der Festnahme bei den bei den Autohändlern und bei Wohnungsdurchsuchungen keine Drogen gefunden worden. Nach ihrer Einlieferung in die JVA seien keinerlei Entzugserscheinungen ärztlich attestiert worden und Drogentests negativ ausgefallen. Dies widerlege die Angaben der beiden Angeklagten, regelmäßig und in größerem Ausmaß konsumiert zu haben, so dass eine Unterbringung nicht vonnöten sei.

Die Kammer entschied daraufhin, das Verfahren gegen die beiden Autohändler abzutrennen und am 2. Dezember fortzusetzen. Urteile gab es dagegen bezüglich der drei „Helfershelfer”: Lagerist Peter L. handelte sich u.a. wegen Handeltreibens in nicht geringer und den Kokainbesitz eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten ein. Allerdings will er sich aus der Haft heraus umgehend freiwillig um eine Therapie bemühen. Schuhmodelldesigner Edis B. muss wegen Anstiftung zur illegalen Einfuhr und Beihilfe zum Handeltreiben in nicht geringer Menge für zwei Jahre und zehn Monate hinter Gitter. Mit einer Bewährungsstrafe von 22 Monaten wegen illegaler Einfuhr und Beihilfe zum Handeltreiben kam Kurier Nihad J. davon.

Autor: ws

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