14.08.2012 Landau/Landshut


Auf frischer Tat ertappt: 18 Monate für Reifendiebe






Der Fall hatte letzten März für einiges Aufsehen gesorgt: Der Mitarbeiter eines Landauer Autohauses hatte auf frischer Tat eine Diebesbande ertappt, die sich an teuren Reifen bedienen wollten. Jetzt erhielten die drei Diebe ihre Quittung vor Gericht: 18 Monate Knast für die beiden Haupttäter, der Dritte im Bunde kommt mit Bewährung davon.

Weil der Mitarbeiter eines Landauer Autohauses quasi aus Gewohnheit nach einem Discobesuch dem Firmengelände in der Straubinger Straße einen „Kontrollbesuch” abstattete, wurde am 2. März dieses Jahres gegen Mitternacht die drei polnischen Einbrecher auf frischer Tat ertappt, als sie gerade geklaute Reifen auf Felgen in ihrem Kleintransporter verstauten. Durch das entschlossene Eingreifen des Mann - er parkte kurzerhand den Transporter zu - gingen die drei Männer der Polizei schnell ins Netz. Die zwei Haupttäter, ein 31-jähriger Schlosser und ein 35-jähriger handelten sich jetzt vor Strafrichter Bernhard Suttner vom Landshuter Amtsgericht wegen versuchten gemeinschaftlichen Diebstahls Freiheitsstrafen von jeweils 18 Monaten ohne Bewährung ein.

 

Der Schlosser, der früher schon einmal im Landauer Autohaus gearbeitet hatte, und der Bäcker, der ebenfalls schon mehrfach in Deutschland unterwegs war, mieteten Anfang März in ihrer Heimat einen Kleintransporter an. Da sie allerdings beide nicht in Besitz eines Führerscheins waren, engagierten sie einen 42-jährigen Arbeitslosen als Chauffeur für den „Ausflug” nach Niederbayern. Er sei völlig ahnungslos gewesen, was seine beide Landsleute vorhatten, beteuerte der 42-Jährige. Erst auf der Fahrt sei ihm bedeutet worden, dass „etwas Illegales” geholt werden sollten und erst nach der Ankunft beim Landauer Autohaus habe er dann erfahren, dass es sich um Reifenklau handelte.

 

Seine beiden Bekannten hebelten dann am 2. März gegen 23.30 Uhr mit einem Geißfuß die Türe eines Containers, in dem auf Felgen montierte Reifen gelagert waren, auf und luden sie in den Kleintransporter. Insgesamt 26 Komplettreifen im Wert von rund 12.000 Euro hatten sie bereits verstaut, als sie von der Polizei überrascht und festgenommen wurden. Der Autohaus-Mitarbeiter war nämlich aus „Gewohnheit” nach einem Discobesuch am Firmengelände zur Kontrolle vorbeigefahren, „weil dort schon öfter was gestohlen wurde.” Als er die Einbrecher bemerkte, parkte er zusammen mit anderen Fahrzeugbesitzern den Kleintransporter so zu, dass eine Flucht nicht mehr möglich war.

 

Schon bei ihren polizeilichen Vernehmungen und auch auf der Anklagebank legten die drei Polen umfassende Geständnisse ab, wobei sich der Schlosser als Initiator herauskristallisierte: Er hatte nicht nur das Geld für die Anmietung des Kleintransporters aufgebracht, sondern auch gewusst, wo die in Polen gefragten Komplettreifen zu holen waren und auch die notwendigen Ortskenntnisse gehabt.

 

Der 31-Jährige wies auch bereits eine bemerkenswerte kriminelle Karriere auf, wie der Auszug aus seinem Strafregister aufzeigte: In Deutschland hatte er sich bereits drei Vorstrafen, u.a. wegen eines versuchten Reifendiebstahls eingehandelt. In Polen war er schon 13 Mal verurteilt worden, hatte u.a. wegen Gewalt- und Verkehrsdelikten, Falschaussagen vor Gericht und Drogendelikten mehrere Jahre hinter Gitter verbracht. Auch der Bäcker hatte bereit seine hochkriminelle Vergangenheit, wurde u.a. wegen Raubes und Erpressung sowie anderen Gewaltdelikten zu insgesamt weit über acht Jahren verurteilt.

 

Strafrichter Suttner entsprach beim verhängten Strafmaß von jeweils 18 Monaten für die beiden Haupttäter den Anträgen der Verteidiger Thomas Fauth und Torstein Grunert. Der Chauffeur, strafrechtlich bisher nicht aufgefallen, kam wegen Beihilfe mit einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten davon. Staatsanwalt Dominik Labitsch hatte für den 31-Jährigen eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, für den 35-Jährigen ein Jahr und neun Monate beantragt und als straferschwerend vor allem die jeweiligen Vorstrafen und den hohen potenziellen Schaden ins Feld geführt.

Autor: ws
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