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28.09.2012 Dingolfing/Landshut

Dingolfinger Ehepaar vor Gericht

Lukrative Geschäfte mit Spice Gold und anderem Kraut


Einen schwunghaften und lukrativen Handel mit Räuchermischungen, die jeweils synthetische Cannabinoide enthielten, soll ein Dingolfinger Ehepaar über ein knappes Jahr hinweg betrieben haben. Nun sitzen die beiden vor der 6. Strafkammer des Landgerichts Landshut.

Die Anklage wirft ihnen die illegale Einfuhr von Betäubungsmittel in nicht geringer Menge, das unerlaubte Handeltreiben damit und das Inverkehrbringen bedenkllicher sowie gefälschter Arzneimittel.

 

Allerdings scheiterte der für vergangenen Mittwoch geplante Prozessauftakt noch vor der Verlesung der Anklage. Die Verteidiger der Angeklagten, bei denen es sich offenbar auf die „Szene” spezialisierte Anwälte aus Freiburg im Breisgau handelt, brachten eine Besetzungsrüge ein, nachdem eine ursprünglich für den Prozess eingeteilte Schöffin sich wegen eines Auslandsurlaubs und einem anschließenden Krankenhausaufenthalt entschuldigt hatte. Für sie war ein Hilfsschöffe berufen worden.

 

Nach Meinung der Anwälte sei die Entschuldigung der Schöffin nicht ausreichend, zumal kein ärztliches Attest vorgelegt worden sei und damit die Besetzung des Gerichts nicht ordnungsgemäß. Vorsitzender Richter Robert Mader vertagte daraufhin den Prozessauftakt auf den 11. Oktober, dem bereits vorgesehenen Fortsetzungstermin. Bis dahin soll geklärt werden, ob die Schöffin ausreichend „entschuldigt” ist.

 

Ursprünglich waren für das Verfahren drei Verhandlungstage vorgesehen, die Plädoyers und das Urteil für den 18. Oktober geplant. Allerdings, so berichtete der Vorsitzende Richter, habe der angeklagte Kaufmann bereits zusätzliche Zeugen benannt, ohne allerdings konkrete Beweisanträge zu stellen. Sollten die von den Verteidigern nachgereicht werden, müsse man sich auf eine längere Prozessdauer einstellen.

 

Laut den Ermittlungen der Landshuter Staatsanwaltschaft, die sich in der nunmehrigen Anklageschrift niedergeschlagen haben, betrieb der 54-Jährige spätestens seit Oktober 2008 bis zu seiner Festnahme Ende Juli 2009 in Dingolfing u.a. einen Handel mit Gewürz- und Kräutermischungen. Dazu vertrieb er im Internet illegale Räuchermischungen, die jeweils synthetische Cannabinoide (JWH-018, JWH-073, CP 47, 497, CP 497-CU-Homologes) enthielten. Ob Spice Diamond, Spice Gold, Smoke, Scope Wildberry, Scope Sex on Beach, Scope Vanilla oder Forest Humus, die Räuchermischungen, die eine bewusstseinsverändernde Wirkung haben, fanden reißenden Absatz.

 

Die Räuchermischungen soll der Kaufmann von inländischen Händlern, aber auch aus Holland, Österreich und Belgien bezogen haben. Er wiederum soll die Mischungen dann an verschiedene Zwischenhändler, vornehmlich Tabakläden, aber auch Tankstellen, Friseure usw. in ganz Deutschland bis Hamburg und Berlin abgesetzt haben. Abnehmer hatte er aber auch in Niederbayern, vor allem in Landshut, Pfarrkirchen und im Raum Dingolfing-Landau. Insgesamt über 350 Käufer listet die 27 Seiten umfassende Anklageschrift auf.

 

Für seine Einkäufe soll der Kaufmann insgesamt 137.000 Euro aufgewendet und damit einen erheblichen Gewinn gemacht habe; denn mit den 16. 000 Päckchen, mit denen er seine Abnehmer belieferte, soll er Einnahmen in Höhe von 206.000 Euro erzielt haben.

 

Der Dingolfinger war am 31. Juli 2009 in Untersuchungshaft gelandet, kam aber im November 2009 wieder auf freien Fuß. Seiner Ehefrau wird lediglich „Beihilfe” vorgeworfen. Sie soll laut Anklage in erster Linie für den Geldfluss verantwortlich gewesen sein und so die illegalen Geschäfte ihres Ehemannes unterstützt haben.

Autor: ws

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