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29.12.2010 Dingolfing

Charles M. Huber, bekannt aus der Krimiserie "Der Alte", im Interview

"Ich möchte im Landkreis einen Film drehen"

Charles M. Huber
Foto: Reinbacher Charles M. Huber
Vor 250 begeisterten Zuhörern gab Charles M. Huber, bekannt aus der Krimiserie „Der Alte“ eine Lesung. Vorab erzählte der Schauspieler mit senegalesischen Wurzeln im Wochenblatt-Interview von der Sehnsucht nach Großköllnbach und seinen neuesten Projekten.

 

Herr Huber, Ihr Buch „Ein Niederbayer im Senegal“ ist ausverkauft. Was für ein Gefühl ist das?
Es ist ein natürlich ein gutes Gefühl, denn man schreibt ja nicht für sich selber wenn man eine Historie für eine Biografie erkennt. Ich denke, dass es ein Thema war, dass jetzt vielleicht ­–  mein Buch ist ja schon 2004 erschienen, hatte zwei Auflagen und ist als Taschenbuch nochmal erschienen –   noch relevanter ist, durch die Präsidentschaftswahl in Amerika, durch Barack Obama, der ja auch eine sehr, sehr ähnliche Biografie wie ich hat oder umgekehrt – vielleicht mit der beruflichen Zielsetzung ein bisschen anders positioniert. 
 
Herr Huber, Ihr Buch „Ein Welche Rückmeldungen bekommen Sie von den Lesern?
Ich bekomme sehr viele und nur gute. Ich habe keine einzige schlechte bekommen. Man kann ja eine Biografie vom Inhaltlichen an sich nicht beurteilen. Ich glaube, dass ich biografisch einen eigenen Stil entwickelt habe, ich bin ja ein eigener Schreiber, ich hatte keinen Ghostwriter. Ich wollte mir als primären Berufswunsch den des Schriftstellers erfüllen und den des Schauspielers erst in Folge. Es ist jedoch dann umgekehrt gelaufen.
 
Wie ist das Buch ursprünglich entstanden?
Es gab ein Filmprojekt „Ein Niederbayer im Senegal“, das wurde gefördert von der Staatlichen Drehbuchförderung in Berlin, kam leider nicht zu einem Doku-Film, habe aber da schon ein UNO-Prädikat bekommen für „Dialog zwischen den Kulturen“ als deutscher Beitrag und hab dann zu dieser Zeit, zwischen den Jahren, das Treatment für diesen Film an ein paar Verlage geschickt und dann kam sofort eine Rückmeldung, ich habe dann in der Kronenhalle in Zürich Mitte Januar den Vertrag abgeschlossen. 
 
Wie könnte man den Stil beschreiben?
Stilistisch ist es sehr beeinflusst von den ganzen Leuten, die ich gelesen habe. Die langen Sätze von den Klassikern, vielleicht ein bisschen von Nietzsche, der schreibt ja sehr viele lange Sätze.  Ansonsten noch die literarischen Krimiautoren Eric Ambler und Raymond Chandler.  Neben einer diffizil strukturierten Grammatik habe ich bisweilen ein paar flapsige Wörter mitintegriert, das ist der Stil des Buches. Das haben übrigens viele Biografen von sogenannten Promi-Biografien dann übernommen, wie ich mitbekommen habe. Ich habe später ein Buch gelesen von ein paar Kollegen und das gab’s früher in der Form nicht, weil’s doch ein bisschen mutig war, aber es ist offensichtlich unter Kollegen gut angekommen. Aber das sagt natürlich niemand, dass es vom Huber kommt.
 
Ihre Kindheit als schwarzer, unehelicher Junge in Großköllnbach – wie war das?
Ich sag’s Ihnen jetzt, obwohl’s im Buch ja steht: Wenn das so schlimm gewesen wäre, wie  Leute sich aus der Sicht des vermeintlichen Großstädters die Provinz oder das Land vorstellen, dann hätte ich keinen Bezug und dann wäre ich nicht gern hier. Dann gäb’s vielleicht die Lesung gar nicht. Ich habe aber Landrat Trapp gerade erzählt, dass ich jeden Ferientag bis zu meinem 13. Lebensjahr, in Großköllnbach verbracht habe und es für mich eine sehr, sehr große Tragödie war, von Großköllnbach weg zu müssen. Ich orientiere mich auch wieder sehr stark hierher. Meine Mutter ist hier in Pilsting in einem Pflegeheim, sie ist schon – leider fortgeschritten – dement und da habe ich gemerkt, aus der kam auch immer heraus: „Niederbayern“, sie will nach Niederbayern. Man hat gesagt, das ist vielleicht wegen der Krankheit aber ich habe gemerkt, auch wenn’s wegen der Krankheit ist, es ist ein innerer Wunsch nach der Heimat. 
 
Was ist für Sie das typische an Niederbayern?
Die Niederbayern sind alle sehr ihrer Kultur verbunden. Es ist auch ein Unterschied, ob man die Kultur lebt oder nur einen Trachtenhut trägt. Und der Unterschied zwischen Niederbayern und Oberbayern ist vielleicht der, das das Plakative nach außen nicht unbedingt unser Prädikat ist, wir tragen die Kultur in uns, im Herzen. Ich  bin ja jetzt auch noch Botschafter der Region Niederbayern im In- und Ausland im Zuge des Niederbayerischen Regionalmarketings und nehme meine Aufgabe ernst. Ich sehe nicht bloß eine ehrenwerte Ernennung, von der ich mich imagemäßig doch geschmeichelt fühle, sondern bin überzeugt davon: Niederbayern hat Potential, ein sehr großes, ein sehr unterschätztes, vielleicht dadurch, dass wir nicht so auf den Putz hauen. Aber ich komme aus dem Showgeschäft, ab und zu muss man auf den Putz hauen.
 
Wie kam es eigentlich, dass Sie die Rolle des Inspektor Henry Johnson in „Der Alte“ bekommen haben?
Das kam so, dass ich einen bayerischen Hausmeister gespielt habe im Theater. Das war für die Leute sehr befremdend, dass die Optik in einem vermeintlichen Widerspruch zu meiner dialektbehafteten Sprache stand. Ich kann mich noch erinnern, wie ich auf die Bühne ging,  ich hatte vorher im sogenannten Off – wo man mich noch nicht sah – schon gesprochen. Die Leute schauten hinter mich und fragten sich, wann kommt jetzt der der bairisch redet und das war dann ich. Vorne saß die Ernie Singerl, auch eine bayerische Volksschauspielerin, die hat’s dann vom Stuhl gehauen – im wahrsten Sinne des Wortes. Und da hat mich der Regisseur entdeckt – und der Produzent Helmut Engelmann.   Und daraus  entstand dann die Idee des schwarzen Kommissars. Des ersten farbigen Seriendarstellers der ganzen Welt – Amerika ausgenommen. 
 
Wie kam das an? 
Das hat natürlich vielen Kollegen, überall im europäischen Filmgeschäft, den Markt geöffnet, den Deutschen sowieso und es war sehr mutig. Man hat ja nicht erwartet, dass gerade aus Deutschland ein Kommissar kommt fürs Fernsehen, fürs Hauptabendprogramm. Noch dazu ein Schwarzer der Weiße festnimmt – das war ja für die Europäer noch ein großes Ding,  dass dann so gut ankam, dass sich die Serie doppelt so viel verkaufte wie vorher. Und das hat mich sehr gefreut.
 
Welche Projekte stehen bei Ihnen in nächster Zeit an?
Bei mir steht ein Drehbuch an, das zum Teil in Niederbayern spielt und eigentlich schon so gut wie fertig ist. Dann  habe ich das Signal eines Fernsehprojekts bekommen, bin aber auch durch meine politische Beratertätigkeit in Bezug auf die wirtschaftlichen Beziehungen mit Drittländern, Schwerpunkt Afrika und Maghrebzone, sehr aktiv. Das werde ich auf gar keinen Fall aufgeben, auch wenn ich glaube, dass mich nächstes Jahr in verschiedenen Bereichen, die ich hoffentlich auch terminlich in Einklang bringen kann, sehr viel erwartet.
 
Das Drehbuch haben Sie selbst geschrieben oder spielen Sie da mit?
Da würde ich selber Regie machen, ob ich selber mitspiele, das weiß ich nicht. Es ist eine Hauptrolle drin, die man mit mir besetzen könnte. Aber meine Ambition, nachdem ich ja auch in New York eine Regieausbildung gemacht habe, auch einen Film auf den renommierten Hofer Filmtagen vorgestellt habe, würde ich gern noch einen Film „verbrechen“, bevor ich, ich hatte ja gedacht ab und zu mal, ich ziehe mich aus dem Filmgeschäft zurück, aber sieht nicht danach aus.
 
Dürfen wir im Landkreis mit Filmaufnahmen rechnen?
Damit dürfen Sie gewiss rechnen. Ich habe da schon auch einen interessierten Produzenten. Es ist eine Integrationskomödie, die auch ein bisschen autobiografische Einfärbung hat – nicht vom persönlichen Erlebnis her sondern vom generellen Erlebnisspektrum und vom Setting. 
 
 
Zur Person:
Charles Muhamad Huber (ursprünglich Karl-Heinz Huber) wurde als Sohn eines senegalesischen Diplomaten und einer Deutschen in München geboren. Seine Autobiographie „Ein Niederbayer im Senegal“ beschreibt seine Kindheit als Afrodeutscher, der bei seiner Großmutter in den 1960er Jahren in Großköllnbach aufwächst, seine Jugend in München und seine schwierige Verbindung mit dem afrikanischen Teil seiner Wurzeln. Er erreichte Bekanntheit in der deutschen Krimiserie „Der Alte“, in der er den Polizeikommissar Henry Johnson verkörpert. Des Weiteren wirkte er in den verschiedenen Spielfilmen mit. 2002 gründete er die Organisation Afrika Direkt e. V., die u.a. Künstler, Jugendliche und Notleidende im Senegal unterstützt. Seit 2010 vertritt Charles M. Huber Senegal im Internationalen Rat des Vereins Österreichischer Auslandsdienst.
Autor: Birgit Reinbacher